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Marburger Tectum-Verlag verkauft

Nomos übernimmt Marburger Tectum-Verlag verkauft

Der Wissenschaftsverlag Tectum, der seit 25 Jahren in Marburg tätig ist, wurde an die Nomos Verlagsgesellschaft in Baden-Baden verkauft. Dies teilte der Geschäftsführer Dr. Heinz-Werner Kubitza mit.

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Dr. Heinz-Werner Kubitza sitzt an seinem Schreibtisch. Der promovierte Theologe hat seinen Tectum-Wissenschaftsverlag verkauft.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Der Tectum-Verlag schrieb über viele Jahre „eine kleine Erfolgsgeschichte im bunten Verlagspanorama Marburgs“, wie Kubitza betont. Gegründet wurde der Verlag 1992 in Marburg von Dr. Heinz-Werner Kubitza, der vorher in Frankfurt, Tübingen und Bonn evangelische Theologie studiert hat, „aber kein Pfarrer werden wollte“. Stattdessen promovierte Kubitza in Marburg über „Die Geschichte der Evangelischen Studentengemeinde Marburg“. Diese Arbeit wurde auch zum ersten Buch des Verlags. „Die Angebote anderer Verlage sagten mir damals alle nicht zu“, so Kubitza, „und so habe ich selbst einen Verlag gegründet.“

Es war offenbar ein Schritt in die richtige Richtung, denn der Tectum-Verlag entwickelte sich positiv stetig weiter. Ein erstes Büro im Steinweg verließ der Verlag bald wieder aus Platzgründen. Nach weiteren Stationen in der Oberstadt fand der Verlag schließlich seinen Sitz in einem 400 Quadratmeter großen Büro im Lahncenter gegenüber dem Cineplex. Aus dem Ein-Mann-Betrieb wurde schon bald ein mittelgroßes Verlagsunternehmen mit über zehn Mitarbeitern. Auch die Zahl der Veröffentlichungen stieg stetig. „In 25 Jahren sind annähernd 4000 wissenschaftliche Bücher erschienen, vor allem Disser­tationen, Habilitationsschriften und Aufsatzbände aus dem gesamten Gebiet der Geistes- und Sozialwissenschaften“, erklärt der Inhaber. Im Jahr 2012 landete der Verlag sogar einen Bestseller. Das Buch „Der größte Raubzug der Geschichte“ über die Finanzkrise verkaufte sich über 100000 Mal und war 82 Wochen lang auf der „Spiegel“-Bestsellerliste. In der Folge gründete der Tectum-Verlag eine eigene Sachbuchsparte.

Nicht alle Mitarbeiter wollen mit nach Baden-Württemberg

Auch der Verleger Kubitza selbst hat einige Bücher hierzu beigesteuert. Seine religionskritischen Bücher „Der Jesus­wahn“ oder „Der Dogmenwahn“ erwiesen sich ebenfalls als ausgesprochen erfolgreich. Kürzlich erst ist von Kubitza ein neues Buch mit dem Titel „Der Glaubenswahn“ erschienen, in dem der Autor die Anfänge des religiösen Extremismus schildert, die er nicht im Islam, sondern bereits 1000 Jahre früher im Alten Testament in einem zur Gewalt aufrufenden Gott und seinen Propheten lokalisiert. Durch den Erfolg wurde der Nomos-Verlag auf Tectum aufmerksam. Nomos arbeite in einem ähnlichen wissenschaftlichen Umfeld wie Tectum, teilte Kubitza mit: „Ich hatte selbst aktiv nicht nach einem Käufer gesucht, aber natürlich hätte sich in ein paar Jahren die Nachfolgefrage gestellt. Nach längeren Verhandlungen sind wir uns dann einig geworden.“

Der Verlag bleibe als Marke innerhalb der Nomos-Verlags­gruppe erhalten. Allerdings wird Marburg um einen renommierten Verlag ärmer werden, denn der Tectum-Verlag wird im Sommer oder Herbst nach Baden-Baden ziehen, wo Nomos ein eigenes großes Verlagsgebäude besitzt, erklärt Kubitza. Alle Mitarbeiter seien übernommen worden, allerdings wollten nicht alle Marburg verlassen.

Auch die Tectum-Bücher bleiben lieferbar, so Kubitza. Durch die Einbindung in den Nomos-Verlag ergäben sich sogar noch bessere Verbreitungsmöglichkeiten.

Der Nomos-Verlag hat etwa 140 Mitarbeiter, eine eigene Druckerei und Auslieferung, verlegt über 50 wissenschaftliche Zeitschriften und hunderte von Schriftenreihen. Von diesem Umfeld könnten Tectum-Altautoren wie Neuautoren profitieren.

Und Kubitza selbst? „Ich werde nur noch selber Bücher schreiben. Ich habe noch einige Ideen, die ich in nächster Zeit umsetzen will“, sagte er der OP.

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