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Bittersüßer Abschied mit Zugaben

Marburger Studierenden-Bigband Bittersüßer Abschied mit Zugaben

470 Zuschauern bot die 23-köpfige Band ein Konzert der Extraklasse. Dabei feierten vier Bandmitglieder ihre Premiere im KFZ – und ein Mitglied seinen Abschied.

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Dicht gedrängt steht das Publikum vor der großen Bühne des neuen KFZ, auf der erstmals die Marburger Studierenden-Bigband Platz genommen hat.

Quelle: privat

Marburg. 20 Uhr: Eigentlich sollten alle Konzertgänger am am Freitag bereits im Saal sein und die Bigband ihren ersten Song anstimmen. Doch daraus wird nichts. Statt innendrin stehen mehrere Dutzend Besucher noch draußen in der klirrenden Kälte des Samstagabends. Die Schlange an der Kasse ist zu lang. Erst 20 Minuten später geht es los. Dann aber richtig.

Für die Bigband ist es das erste Konzert im neuen KFZ seit dessen Umzug. Posaunist Jouka Röhm spricht für sich und seine Kollegen. „Wir haben alle auf diesen Tag hingefiebert“, meint der 28-Jährige, der vor allem die bessere Tonanlage und den größeren Konzertsaal als Gründe nennt. Beides wird gebraucht.

Ihre Premiere im neuen KFZ begeht die Band mit einem zweistündigen, hochklassigen Jazz-Programm, angeführt von dem Bandleiter und Musiklehrer Dirk Kunz. Was die 23 Musiker den 470 Konzertgängern bieten ist eine musikalisch exzellente Mixtur aus Klassikern und modernen Stücken. Unter letzteren befand sich auch die Komposition „Whiplash“ von Hank Levy, die im gleichnamigen oskarnominierten Kinofilm aus dem Jahr 2014 zu hören ist.

Wie ein wertvolles Gemälde hat auch die Show einen Rahmen. Nämlich das Stück „Take the a Train“ von Arrangeur Sammy Nestico. Es war das Eröffnungs- und Schlussstück des Abends. Allerdings anders arrangiert – mit Einflüssen von Funk, Latin, Rock und Swing. So schlägt die Band den Bogen zwischen Altbewährtem und Neuem.

Vom Flüsterton bis zur stimmgewaltigen Hochform

Auch wenn der ein oder andere fetzige Song im Programm ist, gab es nach Aussage von Jouka Röhm im Vorfeld auch Bedenken bei Bandmitgliedern: „Es war äußerst anspruchsvoll für die Gäste, weil es bei unseren Arrangements oft eine Weile gedauert hat, bis die Zuschauer wussten, welcher Song es ist.“ Als Arrangeur fungierte Dirk Kunz, der laut Röhm die „Extra-Prozente“ aus der Band geholt hat, um so den Stücken „Leben einzuhauchen“.

Zu Beginn des Semesters begann die Bigband mit den Proben wöchentlich und an einem „Intensiv-Wochenende“, an dem drei Tage an der Show gefeilt wurde. „Die Musiker waren unheimlich engagiert und haben viel in Eigeninitiative gemacht“, erklärt Dirk Kunz, der die Band seit Winter 2014 leitet. Auch die Integration der vier neuen Bandmitglieder – Simon Burgener und Lilian Seidler am Altsaxophon sowie Tenorsaxophonistin Karolin Rhein und Posaunist Clemens Baumgarten – habe prächtig funktioniert.

Für den Gänsehaut-Moment des Konzerts zeichnet Julia Wagner verantwortlich, die zusammen mit Domenika Buyuklieva das Sängerinnen-Duo formte. Seit 2012 ist Wagner Bandmitglied und singt den Song „It‘s oh so quiet“ von der isländischen Pop-Sängerin Björk. Leise, fast im Flüsterton, legt sie los, bis sie laut und stimmgewaltig zur stimmlichen Hochform aufläuft.

Für die 26-Jährige ist es die letzte Show. Sie steigt demnächst ins Berufsleben ein und muss die übrigen Musiker zurücklassen. „Am meisten werde ich das Gemeinschaftsgefühl vermissen. Das ist eine tolle Gruppe. Musikalisch und menschlich“, erklärte Julia ­Wagner. Nach mehreren Zugaben ist die Show kurz vor 23 Uhr vorbei. Wagners Abschied ist ein voller Erfolg.

von Benjamin Kaiser

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