Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 7 ° wolkig

Navigation:
Mozart frisch interpretiert

Marburger Projekt-Ensemble spielte „Requiem“ Mozart frisch interpretiert

Man kann nur sagen: ­Experiment gelungen. 
Der erst 18-jährige Raphael Greim hatte sich mit ­einem Projekt-Ensemble Mozarts berühmtes Requiem vorgenommen. Es wurde ein beeindruckender Konzertabend.

Voriger Artikel
Zwei Kabarettisten wie Tag und Nacht
Nächster Artikel
Marburger Fotografen im Fokus

Wer wagt, gewinnt: Der junge Marburger Dirigent Raphael Greim hat mit Marburger Musikern und Sängern und vielen jungen Talenten Mozarts Requiem in der Lutherischen Pfarrkirche aufgeführt.

Quelle: Michael Hoffsteter

Marburg. Die 550 Plätze in der Lutherischen Pfarrkirche waren am Sonntagabend allesamt besetzt. Mehr noch, einige Besucher mussten stehen, weil sie keinen Platz gefunden hatten. Pünktlich um 19 Uhr betrat der Projektchor, der unter anderem aus Mitgliedern des Marburger Bachchores und der Kurhessischen Kantorei bestand, den Chorraum. Die Überraschung: Der Chor bestand aus nur 25 Sängerinnen und Sängern.

Aber es war ein Chor, der es in sich hatte. Die Mischung aus vielen jungen und wenigen reifen Stimmen ergab einen angenehm hellen und runden Klang, und obwohl der Chor nicht sehr groß war, erreichte er doch ein beachtliches Klangvolumen. Der Chor sang mit viel Schwung und jugendlicher Frische, mit großer Sicherheit und viel Empathie.

Durchweg überzeugte auch das Orchester, bestehend aus Mitgliedern des Marburger Kammerorchesters, der Jungen Marburger Philharmonie, 
des Studenten-Sinfonieorchesters und Studenten der Hochschule für Musik Frankfurt. Die jungen Musiker spielten sehr einfühlsam, sicher und verlässlich und schufen einen samtigen und eingängigen Klang.

Schließlich sind die Solisten zu nennen, die ihre Sache ebenfalls sehr gut machten. Hubert Schmid, der mit seinem strahlenden Tenor glänzte, war der einzige Profisänger unter ihnen. Theresa Bub, die mit ihrer Sopranstimme begeisterte, studiert an der Hochschule für Musik in Frankfurt.

Die junge Altistin Charlotte Herboth überzeugte mit weichem Timbre, ebenso wie Kilian Heckenberger mit seinem wohlklingenden Bass. Beide haben lange im Chor des Marburger Gymnasiums Philippinum gesungen.

Dirigiert wurde das Konzert von dem erst 18 Jahre alten Raphael Greim, der auch die Idee zu dem Projekt hatte. Greim wirkte sehr sicher und souverän und hatte stets alle Fäden in der Hand, eine beachtliche Leistung.

Der Beifall will gar 
kein Ende nehmen

Das Konzert begann mit dem ergreifend schönen „Introitus“, gefolgt von dem kraftvoll ge­sungenen „Kyrie“, der eindringlichen Bitte um Erbarmen. In „Rex tremendae“, das der Chor sehr entschieden, fast aggressiv interpretierte, taucht Gott als König der Rache auf, vor dem die armen Sünder zittern. Unglaublich zart klang dagegen das direkt folgende Flehen um Gnade, ein echter Gänsehaut-Moment im Konzert.

Ein weiterer Höhepunkt des Abends war dann das zu Herzen gehende „Lacrimosa“ im Mittelteil, das letzte Stück des Oratoriums, das Mozart vor seinem Tod komponiert hat.

Auch das jubelnde „Sanctus“ war ein echter Hörgenuss, ebenso wie das feierliche „Agnus Dei“. Bestens gelang die abschließende „Communio“, in der der Chor nochmals seine ganze Klangfülle entfalten konnte.

Eine schöne Idee war es dann, im Anschluss an Mozarts Requiem den schlichten und versöhnlichen Passionschoral „Wenn ich einmal soll scheiden“ von Johann Sebastians anzustimmen.

Nach einem Moment der Stille brach stürmischer Applaus los, der gar nicht mehr enden wollte. Es gab fröhliches Fußgetrappel und einige Zuhörer erhoben sich begeistert von ihren Plätzen.

von Bettina Preussner

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Hier finden sie die Kommentare und Meinungen der Redakteure zu lokalen und weltpolitischen Themen sowie Glossen und augenzwinkernde Beträge. mehr