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Starker Einsatz für guten Zweck

Marburger Kammerorchester Starker Einsatz für guten Zweck

Elegant, aber mit moderner Technik soll das Kunstmuseum der Philipps-Universität ab 2018 wieder strahlen. Das Marburger Kammerorchester sammelte am Freitagabend bei einem Benefizkonzert Spenden.

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Unter der sicheren Leitung von Alexander Meyer (rechts) musizierte das Marburger Kammerorchester in der Alten Aula. Am Cembalo nahm Roland Knoke Platz.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Die Kampagne „Kunst braucht Raum“ folgt dem Vorbild von vor 90 Jahren, als die Marburger Bürger 1,8 Millionen Reichsmark sammelten, um das Gebäude, in dem heute unter anderem das Kunstmuseum untergebracht ist, der Universität zu schenken.

Seit den 1960er-Jahren habe keine umfassende Sanierung mehr stattgefunden, erläuterte Uta Kohlhauer, Projektleiterin der Innensanierung. „Wir wollen den Marburgern vermitteln, dass es ihr Museum ist, das hier verschönert wird“, ergänzte sie. Die Hälfte der Kosten in Höhe von 2,5 Millionen Euro muss die Universität über Spenden aufbringen. 3500 Euro kamen am Freitagabend in der Alten Aula zusammen.

Das Marburger Kammerorchester unter der Leitung von Alexander Meyer hatte für sein Benefizkonzert ein vielseitiges­ Programm vorbereitet. Die Komponisten, die das Orchester ausgewählt hatte, orientierten sich ähnlich wie die Spendenkampagne an historischen Vorbildern. Wunderschön erklang die Suite zu „Aus Holbergs Zeit“, op.40, von Edvard Grieg, bei der der Komponist die Tradition der Suite aus dem Barock aufgriff.

Energiegeladen und ausdrucksstark interpretierten die etwa 20 Laienmusiker das Präludium und unterstrichen damit den Charakter „Allegro vivace“ – sehr schnell. Sanft und andächtig erklang hingegen die Air „Andante religioso“ mit einem feinen Spiel zwischen den hohen Geigen und den tiefen Celli, die ein fantastisches Gegenspiel boten.

Streicher meistern Charaktersprünge

Bei den beiden Cembalokonzerten von Johann Sebastian Bach, BWV 1053 und 1056, trat Roland Knoke als Solist auf. Dabei zeigte sich deutlich der Kontrast zwischen dem warmen Klang des Streichorchesters und den feinen, gezupften Klängen des Cembalos. Besonders im dritten Satz des Cembalokonzertes in E-Dur, bei dem Dirigent Alexander Meyer sein Orchester immer wieder in Tempo und Dynamik variieren ließ, während Knoke fast unermüdlich schnelle Läufe und feine Triller am Cembalo spielte.

Interessant war auch beim Cembalokonzert in f-Moll der erste Satz, bei dem die Streicher während den Solopartien des Cembalos die Saiten zupften oder zum schnellen Lauf von Knoke mit äußerst wenig Bewegung die Lautstärke an- und abschwellen ließen.

Sicher interpretierte das Marburger Kammerorchester auch die kurzen und unterhaltsamen „Acht Stücke für Streicher“, op. 44 Nr. 3, von Paul Hindemith. In der „Capriol-Suite for String-Orchestra“ des eher unbekannten Peter Warlock, verarbeitete der 1894 geborene Komponist Tänze der Renaissance. In schönen kurzen Sätzen stellte Warlock die eingängigen Themen nur kurz vor, um sie rasch weiterzuentwickeln und zu erweitern.

Die Streicher meisterten die Charaktersprünge stilsicher und fanden vom volkstümlichen Basse-Danse bis zum kraftvollen Schwerttanz Mattachins, dessen Charakter „Allegro con brio“ (ausgelassen mit Schwung) grandios aufgezeigt wurde, stets den richtigen Ton. Die 250 Zuhörer bedankten sich für einen tollen Abend mit langem kräftigem Applaus.

von Mareike Bader

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