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Marburger Kamerapreis geht an präzisen Bildgestalter

Reinhold Vorschneider Marburger Kamerapreis geht an präzisen Bildgestalter

Reinhold Vorschneider erhält den Marburger Kamerapreis 2013. Der von der Stadt Marburg und der Philipps-Universität vergebene und mit 5000 Euro dotierte Preis wird am 8. März überreicht.

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Das Foto zeigt den Kameramann Reinhold Vorschneider bei Dreharbeiten. Vorschneider ist der 13. Marburger Kamerapreisträger.

Quelle: Privatfoto

Marburg. Die 13 hat Reinhold Vorschneider Glück gebracht: Am 8. März 2013 erhält er den inzwischen 13. Marburger Kamerapreis. Kameramänner und -frauen sind in der Regel nur Cineasten bekannt. Im Licht der Öffentlichkeit stehen die Schauspieler und die Regisseure. So sind es letztlich die Filme, die für Kameraleute sprechen.

Zwar hat der 1951 geborene Vorschneider seit den 1980er Jahren als verantwortlicher Kameramann 26 Spielfilme, 8 Kurzfilme und 7 Fernsehfilme in Szene gesetzt, doch dürften auch diese Werke den wenigsten etwas sagen: Filme wie „Der Räuber“ (2008 - 2010), „Swans (2010/11) oder „9 Leben“ (2010) laufen nicht in den großen Multiplex- sondern in kleinen Arthouse-Kinos. „Und er hatte auch Pech“, sagt der Marburger Filmkunst-Kinobetreiber und Jury-Mitglied Hubert Hetsch. „Die Filme, bei denen er mitarbeitete, haben nicht das Publikum erreicht, das sie verdient hätten.“

Über Qualität sagt der Besucherzuspruch wenig, mehr über das Rezeptionsverhalten der Kinogänger. Die zieht es eher in Blockbuster, die mit großem Werbegetöse auf den Markt gebracht werden, und eben nicht in die stillen Filme mit kleinem Budget. Für letztere stehen Reinhold Vorschneider und die Autorenfilmer der sogenannten „Berliner Schule“, mit denen der Kameramann meist zusammenarbeitet, wie der Marburger Medienwissenschaftler Professor Malte Hagener gestern bei der Vorstellung des Preisträgers erklärte.

In der Branche allerdings hat Reinhold Vorschneider ein großes Renommee. Dies wird deutlich in den Reaktionen der Juroren. Sie seien sehr froh, dass Vorschneider den Marburger Kamerapreis 2013 erhalte, erklärten bei der Pressekonferenz fast wortgleich Professor Hagener, Hubert Hetsch und Rüdiger Laske vom Berufsverband Kinematografie (ehemals Bundesverband Kamera). Er sei ein „Kameramann mit einer Haltung“, ergänzte Hagener, und einem „großen Gestaltungsinteresse“.

Durchbruch auf der Berlinale 2011

„Auch wenn sie keine auffälligen Effekte oder vordergründige Techniken einsetzen, so fallen die Filme, die Vorschneider fotografiert hat, doch immer auf durch ihre außerordentliche Präzision und durch ihr durchdachtes Kon zept, das sich aber niemals als solches in den Vordergrund setzt“, heißt es in der Begründung des Beirats zum Kamerapreis. „Reinhold Vorschneiders Ästhetik der Beobachtung und Dauer fordert uns als Zuschauer auf, genau hinzuschauen - durch minimale Bewegungen, Fokusverschiebungen oder die schiere Insistenz (Beharrlichkeit) trainieren die Filme die Aufmerksamkeit und schärfen die Wahrnehmung.“

Der Durchbruch gelang dem 61-jährigen Bildgestalter 2011, als gleich zwei von ihm fotografierte Filme den Sprung ins Berlinale-Programm schafften: „Swans“ von Hugo Vieira da Silva und „Dreileben / Eine Minute Dunkel“ von Christoph Hochhäusler. Für „Dreileben“ erhielt Vorschneider in diesem Jahr den Grimme-Preis Spezial und 2011 den Deutschen Fernsehpreis. „Der Räuber“ war gleich für drei renommierte Preise nominiert - den Deutschen und Österreichischen Filmpreis und den Deutschen Kamerapreis.

Kulturdezernentin Dr. Kerstin Weinbach und der Fachdienstleiter Kultur, Dr. Richard Laufner, betonten die enge Zusammenarbeit mit der Philipps-Universität und den Marburger Filmkunstbetrieben bei der Vergabe des Preises, der längst überregional etabliert ist.

von Uwe Badouin

Die bisherigen Preisträger

  • 2001: Raoul Coutard (Frankreich)
  • 2002: Frank Griebe (Deutschland)
  • 2003: Robby Müller (Niederlande)
  • 2004: Slawomir Idziak (Polen)
  • 2005: Walter Lassally (England)
  • 2006: Judith Kaufmann (Deutschland / Österreich)
  • 2007: Eduardo Serra (Portugal/Frankreich)
  • 2008: Renato Berta (Schweiz)
  • 2009: Wolfgang Thaler (Österreich)
  • 2010: Jost Vacano (Deutschland)
  • 2011: Anthony Dod Mantle (England/Dänemark)
  • 2012: Agnès Godard (Frankreich)
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