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Musikalischer Nostalgie-Trip

Marburger Hammerorchester Musikalischer Nostalgie-Trip

Zu ihrer Hochzeit vor mehr als 30 Jahren jubelten der Studentenband bei Konzerten Hunderte Zuschauer zu. Viele der ­alten Fans fanden sich bei der Reunion in der Waggonhalle wieder ein.

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Mit Rainer Husel als Frontmann trat die Kultband, das Marburger Hammerorchester, nach zwölf Jahren Bühnenabstinenz wieder in der Waggonhalle auf.

Quelle: Benjamin Kaiser

Marburg. Rainer Husel hatte ein schlechtes Gefühl vor dem Konzert. Aufgrund des jahrzehntelangen „Dornröschenschlafs“ des Hammerorchesters befürchtete er, dass kaum jemand kommen werde. Doch 300 Zuschauer in der randvollen Waggonhalle zerschmetterten diese unbegründete Angst.

Mittendrin statt nur dabei und an vorderster Front stand Bernd Hannemann, der für Die Linke im Ortsbeirat Richtsberg sitzt. Einer der Hammerorchester-Fans von damals und wie die meisten von ihnen jenseits der 60. Wie der Großteil der Gäste liefen auch seine Tanzversuche auf Sparflamme: Mehr als lässiges Kopfnicken und die geballte „Becker-Faust“, wenn ihm eine Textpassage oder ein Akkord besonders gefallen oder bekannt vorkamen, war auch bei ihm nicht drin.

„Mir gefallen vor allem die alten Hits. Das sind Klassiker von vor vielen Jahren. Bekannte englische Rocksongs mit deutschen Texten, die viel Humor haben“, erklärte er. Stücke wie der Mensa-Song, in dem das Hammerorchester das gemeinsame Speisen in der Uni-Kantine als Flucht vor dem Büffeln eingesteht, sind zu einer verblassten Erinnerung an unbeschwerte Studententage geworden. Aber sie wirken zeitlos.

Zusammensetzung hat sich verändert

„Einige Leute, die die Band aus den 70ern kennen, sind von weit her gekommen, um die alten Lieder zu hören und die Musiker von damals zu sehen“, berichtete der 44-jährige Marburger Musik-Allrounder Robert Oberbeck, der im zweiten Teil am Schlagzeug ins Geschehen eingriff.

Bis Ende der 1980er spielte das Hammerorchester nur eigene Songs. Danach gesellten sich auch Cover-Songs zum Repertoire. An diesem Abend waren es wieder Rockgrößen wie Deep Purple, Bryan Adams oder Manfred Mann, die bemüht wurden.

Mittlerweile sind die Mitglieder des sich in den Jahren personell veränderten Hammerorchesters – Ulrich Kalina, Michael Pauen, Karl-Heinz Sommer und Rainer Husel – gealtert und teilweise graumeliert. Doch den Elan, den Spaß auf der Bühne haben sie nicht verloren. Allen voran der blinde, 
 musikalische Tausendsassa 
Rainer Husel. In Durchgang zwei übernahm er die für ihn maßgeschneiderte Rolle des Frontmanns und Unterhalters.

So schwadronierte er von längst vergangenen Zeiten, als die Frauen sich dem Hammerorchester noch zu Füßen warfen oder Unterwäsche mit Telefonnummern in Richtung Band schleuderten. „Bitte lasst das sein. Die haben mittlerweile bestimmt Übergröße und wir sehen auch nicht mehr aus wie früher“, frotzelte er.

von Benjamin Kaiser

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