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Marburger Anwalt vertritt Kläger im Streit um Welfenschatz

Kunst-Erben verklagen Deutschland Marburger Anwalt vertritt Kläger im Streit um Welfenschatz

Die Bundesrepublik Deutschland sieht sich mit einer US-Klage konfrontiert. Der Marburger ­Anwalt Markus H. Stötzel vertritt die Kläger. Es geht um den millionenschweren Welfenschatz.

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Das Foto zeigt ein Büstenreliquiar des heiligen Cosmas aus dem Welfenschatz. Der Schatz zählt zu den wertvollsten Zeugnissen mittelalterlicher Kunst und ist eine Hauptattraktion der Berliner Museen.

Quelle: Alina Novopashina

Marburg. 1935 hat das Land Preußen einen Teil des Welfenschatzes gekauft. Ministerpräsident war damals die NS-Größe Hermann Göring. Der Schatz, eine berühmte Reliquiensammlung, war damals im Besitz eines Handelskonsortiums, dem Juden angehörten.

4,25 Millionen Reichsmark hat der Staat Preußen damals bezahlt. Gekauft wurde er sechs Jahre zuvor für 7,5 Millionen Reichsmark. War der Preis gerecht oder wurde der Schatz unter Druck weit unter Preis abgegeben. Das ist die zentrale Frage, die vor einem US-Bundesgericht verhandelt werden soll.

Im Streit um den legendären Welfenschatz haben die Erben jüdischer Kunsthändler die Bundesrepubklik Deutschland vor einem US-Gericht verklagt.

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Der Marburger Anwalt Markus H. Stötzel vertritt die Erben seit Jahren. Gegenüber der OP sagte er am Dienstag: „Wenn 1935 jüdische Verfolgte auf der einen Seite mit dem NS-Terrorstaat auf der anderen Seite verhandelten, dann war das damals mit Sicherheit ein Zwangsverkauf.“

Im Streit um den legen­dären Welfenschatz haben die Erben der jüdischen Kunsthändler Deutschland nun vor einem US-Gericht verklagt. Sie werfen der Bundesrepublik vor, den millionenschweren mittelalterlichen Kirchenschatz nicht herauszugeben, obwohl es sich um NS-Raubkunst handele.

Der Marburger Anwalt Stötzel (kleines Foto links) vertritt die Kläger gemeinsam mit dem Bostoner Anwalt Nicholas M. O‘Donnell (kleines Foto rechts) und seinem New Yorker Kollegen Mel Urbach. O‘Donnell sagte am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur in Berlin, er habe die Klage beim Bundesgericht im US-Distrikt Columbia eingereicht. Mit beklagt sei die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, in deren Obhut sich die Goldreliquien befinden. Die Kläger schätzen den Wert des Welfenschatzes auf 260 Millionen Euro.

Stiftungspräsident Hermann Parzinger reagierte „verwundert“. Er gehe jedoch davon aus, dass die jahrelange wissenschaftliche Erforschung des Falls auch das US-Gericht überzeugen werde – sollte es überhaupt zuständig sein, erklärte er.

In der Klageschrift heißt es, 1935 hätten die damaligen Eigentümer des Welfenschatzes, vier jüdische Kunsthändler, die Sammlung unter dem Druck der Nazis weit unter Wert verkaufen müssen. Das Geschäft sei damit widerrechtlich und nichtig. „Würde Deutschland etwas anderes behaupten, würde es noch 2015 Görings Plündereien ausdrücklich billigen“, heißt es in der Klage. Sie wurde am Dienstag auch bei einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz in Berlin zur Verfügung gestellt.

Kläger fühlen sich diskriminiert

Sowohl die Stiftung Preußischer Kulturbesitz als auch die sogenannte Limbach-Kommission hatten dagegen erklärt, es gebe keine Hinweise auf NS-Raubkunst. Die Schiedskommission unter Leitung der früheren Bundesverfassungsgerichtspräsidentin Jutta Limbach sprach den Schatz deshalb 2014 – in einer allerdings nicht bindenden Entscheidung, wie Stötzel betont – der Preußenstiftung zu.

Die Kläger – Alan Philipp (London) und Gerald Stiebel (USA) – hatten das Gremium damals mit angerufen. In ihrem Schriftsatz jetzt bezeichnen sie das Verfahren allerdings als „Scheinprozess“. Sie hätten 2014 die gleiche Diskriminierung erfahren wie ihre Verwandten während der Nazi-Zeit.

Bei den Klägern handelt es sich um einen Enkel und einen Großneffen der damaligen Verkäufer. „Unsere Mandanten repräsentieren nach wie vor alle Beteiligten, die als Familienmitglieder der einstigen Eigentümer Anspruch auf den Welfenschatz haben“, sagte Stötzel. Sie hätten sich gezwungen gesehen, bei einem US-Gericht zu klagen, weil das deutsche Zivilrecht nach wie vor keine ausreichende Handhabe zur Wiedergutmachung von NS-Unrecht biete. Stötzel sagt der OP, er sei zuversichtlich, „dass wir vor einem US-Gericht Gerechtigkeit erfahren werden“.

von Nada Weigelt und Uwe Badouin

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