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Marburg rockt fast rund um die Uhr

3 Tage Marburg Musikprogramm Marburg rockt fast rund um die Uhr

Fast 60 Bands und Solokünstler hatten die Organisatoren auf neun Bühnen überall in der Stadt verteilt. Headliner am Samstagabend waren „Bazouka Groove Club“ aus Marburg und der Ire Eamonn MCormack.

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Marburg. „Ich glaube, jetzt wird es Zeit zu gehen“, meint ein Familienvater zu seiner Frau. Es ist acht Uhr abends im Schlosspark. Schichtwechsel. Familien mit kleineren Kindern machen sich allmählich auf den Weg hinunter in die Stadt, Partyhungrige strömen den Berg hinauf.

Alleine drei Bühnen gibt es im Schlosspark: Vom Singer-Songwriter Janne aus dem Ebsdorfergrund über die routinierte Coverband Accepted, Afro-Beats mit „Doumou Africa“ bis zu den Musikschul-Jazzern vom Jamin Groove Ensemble reicht das abwechslungsreiche Spektrum.

Auch am Samstag war beim Marburger Stadtfest "3 Tage Marburg" richtig viel los in der Innenstadt. Auf zahlreichen Bühnen sorgten verschiedene Bands für Unterhaltung und auf der Lahn kämpften die Drachenboote um jeden Meter.

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Viele warten auf „Bazouka Groove Club“, die es 2015 im Emergenza-Wettbewerb, dem größten für Nachwuchsbands weltweit, bis ins deutsche Finale geschafft haben. In Köln wurden sie zweite. Warum, das zeigten die fünf Jungs am Samstagabend auf der großen Freilichtbühne. Die Veranstalter vom Marburger „Express“ hatten sie kurzerhand zum Headliner des Abends gemacht. Riskant. In der Vergangenheit waren dort als letzte meist erfahrene Coverbands zu hören. Und jetzt ein Mix aus Rap und Rock.

Gut 20 Minuten dauert alleine der Soundcheck, die Nervosität der jungen Musiker ist fast bis in die letzte Reihe der sich zügig füllenden Freilichtbühne zu spüren. Es ist ihr bislang größter Auftritt vor einem Publikum, das nicht eigens wegen ihnen gekommen ist. Obwohl auch viele Fans „Bazouka Groove Club“-Shirts tragen.
Basti, Joschi, Niklas, Marcus und Philipp sind jung und träumen von der ganz großen Bühne – und spielen ein mitreißendes Konzert: Rebellisch, ungestüm, ungeschliffen und authentisch, das sind Vokabeln, die einem bei ihrem energetischen Auftritt durch den Kopf schießen.

Sänger rappt sich die Seele aus dem Leib

Schon ihr Intro ist toll: „Kennst du das Land, in dem die Kanonen blühn? Die kennst es nicht, du wirst es kennenlernen.“ Es ist aus einem antimilitaristisches Gedicht vom großen Erich Kästner aus dem Jahr 1928 und gibt ein Stück weit den wütenden Tenor vor, der die Jungs da oben auf der Bühne bisweilen überfällt und unwiderstehlich macht.

Sänger Sebastian Blanke ist für die Bühne geschaffen. Er rappt sich die Seele aus dem Leib: „Wir heißen Euch willkommen, keiner kennt unseren Namen, scheiß auf die Stars“, rappt er ins Mikrofon und fragt: „Habt ihr Lust auf Krach?“

Mit ihrem Mix aus Rap, Hip-Hop, knallhartem Rock, Punk und Alternative, tollen eigenen Songs und einigen klugen Cover­versionen begeistern sie ihre alten und viele neue Fans auf der Hauptbühne. Man kann ihnen für die Zukunft im unwägbaren Musikgeschäft nur ganz fest die Daumen drücken.

Zeitgleich läuft auf dem Marktplatz das Kontrastprogramm des irischen Gitarristen Eamonn McCormack: Zwischen den „Bazouka“ und ihm liegen musikalische Welten und hunderttausende
Tourkilometer. McCormack ist seit gut 40 Jahren im Musikgeschäft, spielte mit Weltstars wie Rory Gallagher, Johnny Winter oder Niels Lofgren, hat ein eigenes Label, ist Musikproduzent und – das darf man nicht vergessen – ein überragender Gitarrist. McCormack, der seine Zelte inzwischen in der Nähe von Marburg aufgeschlagen hat, ist ein alter Bühnenhase. Souverän zelebriert er seinen Blues-Rock mit irischem Einschlag, präsentiert mit seinem Trio eigene Songs und Coverversionen von alten Rockklassikern.

"The Heads" machen gute Party-Musik

Vor ihm traten auf dem Marktplatz die Marburger „The Heads“ auf – bislang als Trio für ihren geradlinigen Rock’n’Roll und temporeiche Coverversionen von 50er- und 60er-Jahre-Klassikern bekannt, hatten sie einen Pianisten dabei, der sie noch deutlich variabler macht. Sie machen einfach gute Party-Musik.

Das Gießener Trio „Marspol“ hatte es zur gleichen Zeit auf der Hauptbühne im Schlosspark deutlich schwerer. Zu intim sind die persönlichen deutschen Texte und die Musik des Trios um Marius Fietz und
Dominik Reh. Ihnen und ihrer Musik hätte vermutlich eine kleinere Bühne besser getan.

Ansonsten galt es wie immer am Rock-Pop-Samstag bei „3TM“, beim Herumstreifen Augen und Ohren offen zu halten. Bands, Sängerinnen oder Sänger, die es – wie etwa am Nachmittag die Marburger „Moon‑ages“ oder „Cousin Avi“ aus Northampton, schaffen, Flaneure in ein Publikum zu verwan­deln, haben schon gewonnen.

von Uwe Badouin

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