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Marburg im Porträt einfangen

Projekt „Stadtgast“ Marburg im Porträt einfangen

Wie sehen Künstler die Partnerstädte Marburg und Eisenach? 25 Jahre nach der Wiedervereinigung gehen Richard Stumm und Julia Kneise als „Stadtgäste“ in der jeweils anderen Stadt dieser Frage nach.

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Kulturdezernentin Dr. Kerstin Weinbach (links) traf sich  mit „Stadtgast“ Julia Kneise am Markt – Richard Stumm konnte schon Entwürfe zeigen, die von seinem Besuch in Eisenach zeugen.

Quelle: Heike Döhn

Marburg. Das Projekt „Stadtgast“ haben die beiden Partnerstädte gemeinsam ins Leben gerufen, die Idee stammt von der Eisenacher Oberbürgermeisterin Katja Wolf, erzählt Kulturdezernentin Dr. Kerstin Weinbach. Jeweils zwei Wochen sollen zwei Künstler die Partnerstädte mit Skizzenblock, Kamera und Stift erforschen, das Ergebnis wird bei einer Ausstellung am 3. Oktober im Rahmen der Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit in Eisenach zu sehen sein.

Der Marburger Künstler Richard Stumm war bereits im Juni in Eisenach zu Gast, derzeit ist im Gegenbesuch Julia Kneise in der Universitätsstadt. Beide haben die Gast-Stadt vorher gar nicht oder wenig gekannt – Stumm war kurz nach der Wende in Eisenach und erinnert sich an eine „graue Stadt“. Jetzt sei Eisenach herausgeputzt und restauriert, die Menschen hätten ihn sehr freundlich empfangen. Auf Stadtspaziergängen und bei Führungen habe er sich der Stadt angenähert, in vielen Gesprächen ihre Menschen kennengelernt.

„Eisenach hat starke Kontraste – einerseits das größte Villenviertel Deutschlands und viele kulturelle Stätten, andererseits enorme finanzielle Probleme und die NPD im Stadtrat“, erzählt Stumm. Und so werde er als politisch denkender Künstler auch nicht bloße Postkartenmotive ausstellen, sondern erarbeite auf der Grundlage seiner Skizzen derzeit Bilder, die sich vor allem einem Themenkomplex widmen, der ihm in Eisenach begegnet ist: dem Fürstenhof, einem historischen Gebäudekomplex mit wechselvoller Geschichte, der abgerissen werden soll und Spekulationsobjekt ist.

Ganz unterschiedliche Herangehensweisen

Im Mädler-Haus direkt am Eisenacher Markt hatte der 66-Jährige seine Skizzen ausgestellt und täglich eine Stunde für Gespräche zur Verfügung gestanden. Auch für Julia Kneise steht das Gespräch im Vordergrund ihrer Arbeit. „Ich möchte den Menschen ins Zentrum setzen“, erzählt sie – das Porträt spielt für die 29-Jährige eine große Rolle. Und so nähert sie sich Marburg auch über die Menschen an, denen sie auf den Straßen begegnet, die sie anspricht, mit denen sie redet, die sie zeichnet und fotografiert.

„Ich habe eine sehr emotionale Herangehensweise an meine Arbeit“ erläutert die gebürtige Eisenacherin, die in Erfurt lebt und arbeitet. Zwar skizziert sie auch die Gassen der Altstadt und den Blick über die Dächer, aber vor allem möchte sie „die Stadt Marburg im Porträt“ zeigen. Noch bis zum 16. August kann man ihr in Marburg begegnen, und sie freut sich über jeden, der bereit ist, sich mit ihr auszutauschen.

Die Ergebnisse der beiden Stadtgast-Besuche sind zunächst in Eisenach zu sehen. Die Ausstellung in Eisenach wird von Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow eröffnet. Zum Zeitpunkt der Eröffnung wird voraussichtlich eine weitere Ausstellung mit Arbeiten von Richard Stumm zum Thema Flüchtlinge in der Eisenacher Nikolaikirche zu sehen sein. Auch eine weitere Ausstellung mit Werken von Julia Kneise ist zeitgleich in Eisenach zu sehen, so dass beide Künstler in der Stadt gut präsent sind. In Marburg wird die Ausstellung im Frühjahr 2016 zu sehen sein, ein genauer Termin steht noch nicht fest.

von Heike Döhn

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