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Marburg feiert die Grimms, Gießen Büchner

Jubiläen Marburg feiert die Grimms, Gießen Büchner

Hessenweit wird 2012/13 nicht nur das Grimm- sondern auch das Büchner-Jubiläum gefeiert. Viele Städte, Institutionen und Initiativen im südlichen Teil Hessens beteiligen sich daran.

Gießen. Der Auftakt wurde am 19. Februar, dem 175. Todestag Georg Büchners, in Darmstadt begangen mit der Eröffnung der Wanderausstellung des Staatsarchivs „Georg Büchner und seine Zeit“. Im nächsten Jahr gilt es, den 200. Geburtstag des Revolutionärs und Dramatikers am 17. Oktober zu würdigen. Einige Projekte werden vom Ministerium für Wissenschaft und Kunst gefördert, andere müssen ihren eigenen Etat finden.

Jetzt haben auch Stadt und Universität Gießen ihr umfangreiches Büchner-Programm vorgestellt. Einige Veranstaltungen gab es schon, besonders Stadtführungen stattgefunden, doch liegt der Schwerpunkt eindeutig im kommenden Jahr.

Zwei Semester lang hat Georg Büchner 1833/34 an der Gießener Academia Ludoviciana Medizin studiert, wenn auch nicht freiwillig. Damals sah die Regelung im Großherzogtum vor, dass wenigstens einige Semester an der hessen-darmstädtische Landesuniversität studieren musste, wer eine Anstellung beim Staat haben wollte. Hier hat er die Ortsgruppe der „Gesellschaft für Menschenrechte“ mitbegründet und war beteiligt am „Hessischen Landboten“, dem Flugblatt mit der berühmten Überschrift „Friede den Hütten, Krieg den Palästen!“

Trotz der kurzen Zeit in der Stadt, die er bekanntlich mit einigen Negativaussagen bedacht hat, gilt Büchner als der berühmteste Student der Gießener Universität und wird neben diversen Namensgebungen seit 2006 mit einen Bronzekopf am Alten Schloss geehrt - in der Reihe der politischen Revolutionäre der 1848er Zeit. Berühmt wurde er nicht wegen medizinischer Leistungen, sondern als Dramatiker, dessen Stücke bis heute gespielt werden. Daher ist ein zentrales Anliegen der „Juniläumsaktivitäten“, die Aktualität von Büchners Werk zu betonen.

Auch aus diesem Grund hat das Stadttheater Gießen entschieden, nicht zum wiederholten Male ein Büchner-Drama zu inszenieren, sondern ein eigenes Stück zu schreiben, an dem alle Sparten des Hauses beteiligt werden: Unter dem Titel „BuchBühneBüchner“ hat es am 8. Juni Premiere. Nach den hessischen Theatertagen ab dem 13. Juni wird ab 22. Juni das Büchner-Theaterfestival stattfinden, in dem internationale und experimentelle Versionen der Büchner-Dramen gezeigt werden, begleitet von Vorträgen.

Die Stadt Gießen hat zudem einen Schüler-Schreibwettbewerb ausgelobt, dessen Ergebnisse im Mai 2013 vorgestellt werden. An den Schulen laufen diverse Projekte, um Schüler mit dem berühmten „Sohn der Stadt“ bekannt zu machen. Die Uni-Germanisten haben für das Sommersemester ein Vortragsprogramm zusammengestellt, Auftakt ist am 24. April mit Felicitas Hoppe, der Büchner-Preisträgerin des Jahres 2012.

Genau zum Start des Wintersemesters wird am 31. Oktober die historische Ausstellung der Gießener Justus-Liebig-Universität eröffnet, die sich dem bislang kaum beleuchteten Aspekt „Die Universität Gießen als Zentrum von Revolution und Repression 1813-1848“ widmet. Parallel zeigt eine Ausstellung der Stadt die damalige Auswanderungsbewegung in die USA.

Die erste Gießener Büchner-Veranstaltung im Jahr 2013 ist die Ausstellung des Oberhessischen Künstlerbunds im KiZ (Kultur im Zentrum). Sie wird am 10. Januar eröffnet.

Weitere Informationen gibt es im Internet unter: www.buechner-giessen.de und www.buechner2013.de.

von Dagmar Klein

Hintergrund:

Georg Büchner wurde nur 23 Jahre alt und hinterließ Weltliteratur: Er wurde am 17. Oktober 1813 in Darmstadt geboren und starb am 19. Februar 1837 im Züricher Exil an Typhus. Die wichtigsten Werke des steckbrieflich gesuchten Revolutionärs:

„Dantons Tod“ (1835) beschreibt das Schicksal des französischen Revolutionärs Danton, der anders als Robespierre gewaltlos eine Republik schaffen will, am Ende jedoch selbst zum Opfer wird.

„Woyzeck“ (1836/37), erstes soziales Drama der deutschen Literatur, schildert die Tragödie eines einfachen und verwirrten Mannes, der unter dem Druck sozialer Ungerechtigkeit zum Mörder seiner Geliebten wird.

„Leonce und Lena“ (1836), Büchners einziges Lustspiel, trägt sozialkritisch-satirische Züge. Prinz Leonce ist von Luxus und Wohlstand im kleinen Königreich seines Vaters gelangweilt und sucht nach echten Gefühlen.

„Lenz“ (vermutlich 1835) ist Büchners einzige literarische Prosaarbeit. Nach dem Bericht des Pfarrers und Pädagogen Johann Heinrich Oberlin schildert Büchner die psychische Krise des Sturm-und-Drang-Dichters und Goethe-Freundes Jakob Michael Reinhold Lenz (1751-92).

Die 17 Bände umfassende Marburger Büchner-Ausgabe wird im Frühjahr 2013 beendet – rechtzeitig zum 200. Geburtstag Büchners.

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