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"Marburg - das ist eine Herausforderung"

Christian Ehring beim Kabarettherbst "Marburg - das ist eine Herausforderung"

„Quality time“ mit Christian Ehring verbringen, während der im Kulturladen KFZ davon erzählt, wie er Willkommenskultur praktiziert? Ein Heidenspaß! Und um Gott sowie die Welt geht es natürlich auch.

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Der Kabarettist Christian Ehring plauderte im KFZ über Gott und die Welt und natürlich über die deutsche Willkommenskultur.

Quelle: Nadja Schwarzwäller

Marburg. Vielleicht sind es die einzigen zwei Stunden, die das Publikum im Leben mit ihm gemeinsam verbringt. Da sollte es besser „quality time“ sein, findet Christian Ehring - also Qualitätszeit mit schönen Momenten. Ehring fordert das Publikum erst einmal auf, das Handy angeschaltet zu lassen. Er sei es gar nicht mehr gewohnt, über längere Zeit angeschaut zu werden. Außerdem bedeute das schon den ersten Mehrwert des Abends für die Zuschauer: So könne man optisch geortet werden und sei für den Akteur auf der Bühne sichtbar.

Aktiv wird Ehring in seinem neuen Programm sozusagen selbst. Weil seine Frau eine gute Idee hatte, die ihm zunächst Tränen der Rührung in die Augen trieb. Bevor er wusste, dass sie plante, diese Idee auch umzusetzen. Warum nicht die Einliegerwohnung für die Zeit, in der der 18-jährige Sohn ein freiwilliges soziales Jahr in einem Slum in Argentinien verbringen wird, einem Flüchtling zur Verfügung stellen? Ehring wollte noch argumentieren, er könnte die Wohnung doch selbst nutzen, um die Karriere als Komponist von veganen Kinderliedern voran zu treiben, aber da war seine Frau auch schon bei der Stadt vorstellig geworden.

Ehring über die OP: „Süß, oder? Na ja - es ist ’ne Zeitung.“

Wie die beiden dann gemeinsam in ein Flüchtlingscafé gehen (Tipp: „Wer Angst vor Muslimen hat, stellt sich einfach näher an die Mettbrötchen“), ihren „Traumflüchtling“ (wenn das nur nicht so doof klingen würde!) finden und der dann die Dreistigkeit besitzt, abzusagen - das bildet die Rahmenhandlung des neuen Bühnenprogramms. Da hat man dann das aktuelle thematische „must-­have“ und jede Menge Spielraum für inhaltliche Schlenker und Improvisationen. Gags, die Ehring nach eigener Aussage nur für sich selbst einbaut, „kleine Schwarzbrotstellen“ inklusive.

Fürs Lokalkolorit hatte der Kabarettist darum gebeten, ihm eine aktuelle Tageszeitung zu besorgen. Und was bekommt er? Er hält eine Ausgabe der „Oberhessischen Presse“ hoch und schmunzelt. „Süß, oder? Na ja - es ist ’ne Zeitung.“ Die Geschichte der Pohl’schen Millionenspende bietet natürlich kabarettistische Angriffsfläche. Die Familie Pohl will also ihr Geld zurück, wenn es nicht so ausgegeben wird, wie es gedacht war? „Das ist der Unterschied zwischen Marburg und der Fifa.“

Und überhaupt. In Berlin oder New York zu wohnen (und sich dabei hip zu fühlen), das sei ja nun keine Leistung. „Marburg - das ist eine Herausforderung.“ Ehring selbst wohnt in Düsseldorf, innerhalb des „Cappuccino-Belt“ und hat Rückbildungsgymnastik als seinen Sport entdeckt. Er sinniert über Pegida, die Ökobilanz von Katzen oder einen reformierten Stundenplan mit Fächern wie Feuerwehr, Glück und Volksmusik. Zwischendurch geht es ab ans Klavier für Lieder über Yogalehrer oder Depressionen. Bleiben Fragen wie: „Wollen wir intelligente Autos? Obwohl schon heute die meisten BMW ihren Fahrern hoffnungslos überlegen sind?“

von Nadja Schwarzwäller

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