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Preisgekrönter Sound aus Wenkbach

Marburg Records ausgezeichnet Preisgekrönter Sound aus Wenkbach

Seit 2002 betreibt der Toningenieur Nico Rubner Marburg Records. Vor drei Jahren zog er ins kleine Dörfchen Wenkbach. Jetzt wurde Marburg Records als eines der drei besten deutschen Tonstudios ausgezeichnet.

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Nico Rubner sitzt in seinem Tonstudio in Wenkbach an einem großen Mischpult. Marburg Records wurde als eines der drei besten deutschen Tonstudios ausgezeichnet.

Quelle: Thorsten Richter

Wenkbach. Wer einmal ein großes Mischpult mit seinen Hunderten Knöpfen und Reglern gesehen hat, der bekommt eine Ahnung davon, wie kompliziert es ist, Musik aufzunehmen und vor allem abzumischen. Nico Rubner, 40 Jahre alt, hat das „Handwerk“ von der Pike auf gelernt: Er studierte an der School of Audio-Engineering in Frankfurt, ist Audio-Ingenieur.

15 Jahre nach dem Start in Marburg freut sich Nico Rubner über eine Auszeichnung: Beim 35. Deutschen Rock- und Pop-Preis in Siegen wurde sein Tonstudio Marburg Records zu einem der drei besten Tonstudios Deutschlands gewählt. Die Kriterien der Jury waren Preis/Leistungsverhältnis, Qualität und Erfolg der Produktionen sowie öffentliches Auftreten der Unternehmen.

„Über die Anerkennung haben wir uns sehr gefreut. Das bekommt man nicht so oft“, sagte der 40-Jährige. Mit „wir“ meint er Kevin Cerncic und Onur Sen, einen Auszubildenden und eine Teilzeitkraft. Darüber hinaus beschäftigt er mehrere freiberufliche Toningenieure, und er plant, im kommenden Jahr einen weiteren Auszubildenden einzustellen.

Es läuft gut für ihn in Wenkbach. 30 bis 35 Alben werden in seinem Tonstudio pro Jahr produziert. „Ich mache alles. Vom Schlager über Hiphop bis zu Heavy Metal“, sagt der 40-Jährige.

2014 ist er mit seinem „Dienstleistungsbetrieb im Bereich der Ton- und Bildproduktion“ nach Wenkbach umgezogen. „Ich brauchte mehr Platz.“ Sein Studio in Wenkbach ist knapp 70 Quadratmeter groß – heute sagte er: „Es könnte größer sein.“

Die Bands und Musiker kommen aus der Region, die meisten aber aus ganz Europa. Aus Paris, aus London, aus Birmingham. Untergebracht werden sie in einer eigenen Wohnung in Cappel.

Und was sagen Großstadtbands, wenn sie ins dörfliche Wenkbach kommen? „Das ist für viele erst einmal ein Kulturschock“, sagt Rubner schmunzelnd. „Der Vorteil ist aber: Man kann sich ganz auf die Musik konzentrieren.“ Zudem hätten sich die Musiker im Vergleich zu den wilden 70er- und 80er-Jahren doch sehr verändert: „Die gehen morgens joggen, trinken keinen Alkohol, nehmen keine Drogen“, meint Rubner.

Warum kommt eine Band aus der Musikhauptstadt London nach Wenkbach? „Sie wollen, sagt Rubner, „den typischen Marburg Records Sound“. Er hat zwar ein hochmodernes Studio, nutzt neben digitaler Technik aber oft noch analoge Anlagen. „Die klingen einfach anders“, sagt er. „Wer klingen möchte wie die Band XY, ist bei uns falsch! Unsere Intention ist es, jedem Künstler seinen individuellen Sound zu geben. Unsere Meinung ist, dass die einzige Möglichkeit, sich heute von der breiten Masse abzuheben und herauszustechen, der eigenständige Klang ist. Wir benutzen nicht den schon 1000-mal gehörten Drumsound, das schon 1000-mal gehörte Gitarrenamp-Plugin, sondern setzen auf individuellen Sound“, beschreibt er auf seiner Homepage das Konzept. Wer Plastik-Drums wolle, sei bei ihm falsch.

Der Erfolg gibt ihm recht. Rund 300 Alben hat er produziert, darunter „eine beachtliche Anzahl an weltweit verkauften Tonträgern, die im kleinen Ort Wenkbach entstanden sind“.

Sehr erfolgreich war eine echte Lokalproduktion mit dem Rauschenberger Schlagersänger René Weiß: Der Schlager „Die immer lacht“ sei auf Platz 5 der Charts gelandet. Auch das aktuelle Album der Londoner Band „The Day of Locusts“ habe es in die britischen Charts geschafft, sei von Magazinen als eines der besten Dark-Metal-Alben bezeichnet worden. Die Zukunft sieht rosig aus. Marburg Records ist über Wochen ausgebucht.

von Uwe Badouin

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