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„Man merkt ja jetzt schon, dass es dunkler wird“

Lesung von Volker Kutscher „Man merkt ja jetzt schon, dass es dunkler wird“

Die Theorie des „Plottens“ und das Eigenleben der Figuren: Wie er Bücher schreibt und warum sie im Berlin der 1930er-Jahre spielen, erzählte Autor Volker Kutscher bei seiner Lesung. Außerdem macht er sich Sorgen über die politische Entwicklung in Deutschland.

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Der Bestsellerautor Volker Kutscher war zu Gast in der Waggonhalle.Foto: Nadja Schwarzwäller

Marburg. Es ist Gereon Raths fünfter Fall. Wir befinden uns inzwischen im Jahr 1933 und in Berlin brennt der Reichstag. Rund um dieses historische Ereignis siedelt Volker Kutscher eine Geschichte um eine Reihe von Soldatenmorden an.

Bis das Publikum in der Marburger Waggonhalle einen davon zu hören bekommt, dauert es aber ein bisschen. Zunächst nimmt der Autor die Zuhörer mit in den Rosenmontag 1933, nach dem Kommissar Gereon Rath in seiner alten Heimat Köln verkatert und mit Karnevalsbekanntschaft neben sich aufwacht, mit in die alte Wohnung von Raths Verlobter Charlie und mit in den brennenden Reichstag, wohin Journalist Berthold Weinert der Feuerwehr gefolgt ist.

Seine Figuren seien Charaktere mit eigenem Willen, erzählt Volker Kutscher. Und die Praxis des Schreibens kommt immer wieder der Theorie des „Plottens“ in die Quere. Anfangs habe er die Handlung vor der Ausarbeitung viel exakter geplant, bei den letzten beiden Romanen („Die Akte Vaterland“ und „Märzgefallene“) aber anders geschrieben. Nämlich viel mehr und auch viel mehr für den Papierkorb. Weil das Kürzen und Löschen heute aber eben nicht mehr über beziehungsweise in den buchstäblichen Papierkorb geht, sondern alles als Datei aufbewahrt werden kann, falle das leichter, so Kutscher.

Seinen ersten Fall hat Gereon Rath 1929 gelöst und Kutscher wandert mit seiner Figur durch die Jahre. Ihren Abschluss soll die Serie 1936 finden - auf drei weitere Bände können sich die Fans also auf jeden Fall schon einmal freuen. Auch wenn der preisgekrönte Schriftsteller schon einmal ankündigt, angesichts der historischen Entwicklungen werde der Abschluss ein düsterer sein. „Das merkt man ja jetzt schon, dass es dunkler wird“. Volker Kutscher könnte sich durchaus vorstellen, über das Jahr 1936 hinaus weiter zu schreiben, dann allerdings nicht mehr als Polizeiroman. Gereon Rath ließe sich auch in einer anderen Funktion reaktivieren - „sein Charakter lässt vieles zu“, sagt Kutscher.

Zunächst einmal ist er neugierig, wie die Verfilmung seiner Romane aussehen wird, für die er den Machern freie Hand gelassen hat. Die ARD und Sky Deutschland planen mit Star-Regisseur Tom Tykwer eine TV-Serie mit dem Titel „Babylon Berlin“, die auf der Bestseller-Reihe von Kutscher basiert. Er schätze Tom Tykwer sehr und hoffe, dass der Sinn seiner Romane nicht verfälscht werde. Im Sommer 2015 ist Drehbeginn, im Jahr darauf strahlt zunächst Sky die Serie aus. Und mit dem sechsten Fall von Gereon Rath will Kutscher in zwei Jahren wieder zu Gast in Marburg sein.

von Nadja Schwarzwäller

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