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„Man braucht Talent und Leidenschaft“

Clueso im OP-Interview „Man braucht Talent und Leidenschaft“

Vor dem Konzert in Dagobertshausen sprach Clueso kurz mit der OP über seine Musik, Kon­zerte und Tipps für junge Musiker. Dabei entpuppte er sich als unkomplizierter Typ ohne Allüren.

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Gut gelaunt präsentierte sich Clueso in Dagobertshausen. Er fühle sich richtig wohl, sagte er vor 200 Fans.

Quelle: Nadine Weigel

OP: Einen schönen guten Tag hier in Dagobertshausen. Wann haben Sie denn zum letzten Mal in so einer kleinen Location gespielt?

Clueso: Ist gar nicht so lange her, weil wir immer wieder Facebook-Konzerte machen, so Spontan-Konzerte. Das hält mich kreativ. Aber mit der Band hab ich das nicht so oft gemacht. Meistens mit Gitarre alleine oder mit ein paar anderen Musikern, aber nicht mit der Band in so kleinen Läden. Das ist schon geil!

OP: Sie füllen ja mittlerweile große Hallen. Macht es für Sie einen Unterschied, in so kleinen Räumen zu spielen?

Clueso: Ja, natürlich. Man kann den Leuten direkt in die Augen gucken und bekommt halt ein Grinsen zurück. Wenn du auf einer Festival-Bühne stehst, sind es halt nur Köpfe und man sieht vielleicht noch die erste Reihe. Das ist erst mal der Unterschied. Und eine große Masse ist viel träger. Es dauert eine Weile, ehe der Applaus kommt und ehe es los geht. Hier ist man viel schneller bei der Sache. Ich hab da Bock drauf!

 

OP: Müssen Sie musikalisch etwas anders machen?

Clueso: Ich bin mit Band hier. Wir haben einen ziemlich lauten Sound, weil wir gerade für die Festivals geprobt haben. Das wird schon knacken und es wird einige auch erschrecken, die was anderes erwarten. Aber wir spielen auch die ruhigen Sachen.

OP: Sie singen Deutsch, erreichen damit eigentlich ein kleineres Publikum als mit der Weltsprache Englisch. Warum haben Sie sich für Deutsch entschieden?

Clueso: Das ist ganz einfach: Mein Englisch ist beschissen. Es ist vielleicht ein bisschen besser geworden. Aber ich träume in deutsch, ich denke in deutsch. Ich bin aufgewachsen in der Hip-Hop-Szene, habe viel mit der Sprache rumjongliert, und deswegen fällt es mir jetzt leicht, Texte in Deutsch zu schreiben. Ich habe einen sehr hohen Anspruch. Ich halte mich nicht selber für einen Lyriker oder so. Aber ich habe den Anspruch, gute Texte zu schreiben. Ich hab mal gehört, ein Drehbuch ist so gut wie der schlechteste Dialog. Und deswegen gebe ich mir Mühe bei meinen Texten.

Popstar Clueso gab ein exklusives Konzert für 200 Fans in der Eventscheune in Dagobertshausen. (Fotos: Nadine Weigel) 

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OP: Haben Sie in Deutschland musikalische Vorbilder?

Clueso: An vielen kommst du nicht vorbei, zum Beispiel Grönemeyer und Udo Lindenberg. Das sind die Größten. Ansonsten schnupper ich rum. Ich finde Jan Plewka von „Selig“ sehr gut, aber auch Marteria hat gerade ein cooles Album und natürlich Casper. Die Leute in meinem Alter, die gerade links und rechts Sachen raushauen, die guck ich mir auch an. Da finde ich viele Sachen sehr gut. Ich höre selber kein Radio und habe keinen Fernseher. Ich weiß also nicht, was in der Radiolandschaft gerade so aktiv ist.

OP: Wie orientieren sie sich dann in Sachen Musik? Über das Internet?

Clueso: Ja, größtenteils über das Internet. Und was man auf Festivals mitbekommt. Oder wie heute Abend, da spielt ja auch eine Vorband, die schau ich mir natürlich auch an.

OP: Welche Rolle spielt das Internet heute für Musiker? Sie sind bei einem großen Label, bei Universal glaube ich!

Clueso: Nicht mehr, ich habe inzwischen ein eigenes Label! Man kommt durch das Internet schnell raus, man hat einen direkten Draht zu den Fans. Du kannst direkt die Fans ansprechen, das ist cool. Du weißt, für wen du das machst, weil du eine Resonanz bekommst. Du kannst schauen und einfach Sachen ausprobieren und gucken, wie die angenommen werden. Wir sind als Musiker ja keine Hitmaschinen. Unsere Band macht einfach in erster Linie Musik. Das ist der Grund, warum es uns überhaupt gibt. Deswegen müssen wir im Marketing nicht irgendetwas bauen, etwas konstruieren, sondern wir sind so, wie wir sind. Und es ist schön, wenn man Fans hat, die das zu schätzen wissen.

OP: Jetzt fängt ja gerade die Vorband an. Das ist eine junge Musikerin aus unserer Gegend. Welche Tipps haben Sie für junge Musiker? Was würden Sie denen raten?

Clueso: Es funktionieren verschiedene Sachen. Ich finde, man sollte erst mal live spielen. Live, live, live – egal wo, damit man sich so ein bisschen Muskeln anspielt. Damit man weiß, das da oben auf der Bühne, das ist ein besonderer Moment. Man kann mit der Band nur über Augen kommunizieren, du kannst nicht mehr reden da oben. Das schweißt zusammen und man ist dann voll und ganz in der Musik. Das ist das eine. Ansonsten gibt es für mich verschiedene Arten. Es gibt die Typen, die eine Figur kreieren. Das ist im Hip-Hop gang und gäbe. Du hast halt einen, der ein dickes Ego hat und deckst dich damit ein. Das funktioniert auch, aber du musst dann halt immer dieser Typ sein. Oder es gibt den Weg, dass du einfach so bist, wie du bist. Du hast ein Umfeld von Freunden, die dir auch gut Kritik geben. Ich finde, wenn man seinen Platz in der Musik sucht und dran bleibt, dann kann man sich da auch irgendwie durchbeißen. Aber man braucht auch eine Macke!

OP: Gibt es ein Erfolgsrezept?

Clueso: Nein! Talent und Leidenschaft – man braucht beides.

von Uwe Badouin

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