Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / 0 ° Schneeregen

Navigation:
Märchen - „der Sound meiner Kindheit“

Karen Duve im Marburger Rathaus Märchen - „der Sound meiner Kindheit“

„Grrrimm“ heißt das jüngste Buch von Karen Duve, das die Schriftstellerin am Dienstagabend auf Einladung der Stadt und des Marburger Literaturforums im Rathaus vorstellte. Es ist eine bissige Hommage an die Brüder Grimm. Eingeladen hatten die Stadt und das Marburger Literaturforum.

Voriger Artikel
Die „Blues Brothers“ entern die Stadthalle
Nächster Artikel
Blick auf die Medizin des 18. und 19. Jahrhunderts

Karen Duve las im Marburger Rathaus.Foto: Bettina Preussner

Marburg. Karen Duve wirkt auf Anhieb sehr sympathisch. Freundlich, locker und ungezwungen sitzt sie da und plaudert. Im Saal des Rathauses drängen sich die Fans, denn Karen Duve ist eine bekannte Schriftstellerin. Mit „Regenroman“, „Taxi“ und „Anständig essen“ erreichte sie ein breites Publikum, ihre Romane und Sachbücher wurden Bestseller und in 14 Sprachen übersetzt.

„Ich werde oft gefragt, ob mir die Märchen der Brüder Grimm nicht gefallen“, erzählte Karen Duve zu Beginn der Lesung. „Ganz im Gegenteil. Ich verehre sie. Das war der Sound meiner Kindheit.“ Grimms Märchen seien eine sehr gute Vorlage, aus der man viel machen könne, fuhr die Autorin fort. Kritik habe sie nur an der Art, wie mit den Geschichten in Fernsehen und Kino umgegangen werde.

In „Grrrimm“ sind die sieben Zwerge mürrische Bergarbeiter, die beim Anblick des schönen Schneewittchens ganz aus dem Häuschen geraten und nicht nur unschuldige Gedanken hegen. Der Prinz, der die Königstochter errettet, ist ein eingebildeter Schnösel. Schneewittchen heiratet ihn zwar vom Fleck weg, die Scheidung folgt aber auf dem Fuße.

Auch die anderen Märchenfiguren haben in „Grrrimm“ mit ganz naheliegenden und praktischen Problemen zu kämpfen: Dornröschens Prinz muss erst eine dicke Staubschicht weg pusten, um seine Angebetete wach zu küssen. Und überhaupt: Wie hält sich der arme Prinz fit, wenn er hundert Jahre lang auf seine Geliebte warten muss?

Karen Duve erzählt die Grimm‘schen Märchen ganz neu. Und sie schreibt mit einem sehr heutigen Blick, schnörkellos, komisch, bissig, gnadenlos. Dr. Jan Süselbeck vom Institut für Neuere deutsche Literatur nannte Karen Duve in dem anschließenden Gespräch eine „Schriftstellerin der Ernüchterung“. Die Autorin wiederum betonte, sie fühle sich dem Realismus verpflichtet: „Schneewittchen wacht auf und sagt gleich „ja“ zu ihrem Prinzen. Das ist doch keine Basis für eine Ehe!“

Karen Duve wurde 1961 in Hamburg geboren. Nach dem Abitur brach sie eine Ausbildung zur Steuerinspektorin ab, danach fuhr sie dreizehn Jahre lang Taxi. Heute lebt sie mit Hund, Hühnern und Maultier auf dem Lande.

von Bettina Preussner

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur

Hier finden sie die Kommentare und Meinungen der Redakteure zu lokalen und weltpolitischen Themen sowie Glossen und augenzwinkernde Beträge. mehr