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Männerchöre, eine aussterbende Spezies

Beratungssingen des Sängerkreises Wohratal Männerchöre, eine aussterbende Spezies

Mit höchst unterschiedlichen Stücken, geistlichen Liedern und Spirituals ebenso wie Pop und Rock stellten sich acht Chöre des Sängerkreises Wohratal dem Urteil des musikalischen Beraters Jochen Stankewitz.

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Der gemischte Chor Bracht sang unter der Leitung von Peter Jerabeck.

Quelle: Manfred Schubert

Ernsthausen. „Suchen sie sich einen Mann im Publikum aus und singen sie den an. Wenn er rot wird, haben sie‘s richtig gemacht“, empfahl Jochen Stankewitz den Frauen des gemischten Chores Erksdorf, dirigiert von Peter Dippel.

Dieser hatte neben „Dona Pacem Domine“ von Manfred Bühler das moderne Stück „Ein Kompliment“ der Sportfreunde Stiller vorgetragen. Die Sänger sollten sich natürlich eine Frau aussuchen und dasselbe tun.

„Ich wollte dir nur mal eben sagen, dass du das Größte für mich bist“, heißt es im Refrain des Liedes. „Das muss man ihrem Gesicht ansehen, das war noch zu ernst“, fand der Fachmann, den der Sängerkreis Wohratal als Berater engagiert hatte. Stankewitz ist Mitglied im Musikausschuss des Hessischen Sängerbundes und seit 2011 Dozent an der Frankfurter Chorleiterschule.

Übungszeitraum zu kurz

Neben Tipps zum Vortrag – am besten sollte auswendig gesungen werden, nur dann könne man Blickkontakt zum Publikum halten – gab er weitere hilfreiche Hinweise. So schlug er vor, wenn der Alt zahlenmäßig zu schwach besetzt sei, einige der hohen Tenöre diese Stimme mitsingen zu lassen.

Der Männerchor Erksdorf trug mit dem von Uwe Henkhaus vertonten „Nunc dimittis“ ein Werk vor, dass er erst seit sieben Wochen einstudiert. Entsprechend war zu hören, dass es noch an einigen Stellen hakte. Stankewitz benannte einzelne Probleme sowie bereits gut funktionierende Teile und machte Mut: „Man braucht mindestens ein halbes Jahr, um das öffentlich vortragen zu können. Aber bleiben sie dran, das ist ein unglaublich schönes Lied von Henkhaus.“

Weiter vorangeschritten war der kleinste Chor des Abends, der Männerchor des Gesangvereins Concordia 1867 Momberg unter Leitung von Knut Petersen. Dessen „Beati Mortui“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy begeisterte Stankewitz: „Makellos für so einen kleinen Männerchor, Hut ab, das haben sie richtig gut gemacht.“

„Mein Herz schlägt für Männerchöre, diese aussterbende Spezies“ hatte er schon vorher bekannt. Folgerichtig empfahl er den Mombergern: „Versuchen sie, Nachwuchs zu kriegen. Es sagt sich so leicht, aber es würde sich lohnen.“ Ausdrücklich lobte er die zu den Chören passende „tolle Literaturauswahl“. Der gemischte Momberger Chor präsentierte den Spiritual „I‘m gonna sing“ und „Tage wie diese“ von den Toten Hosen. Letzteres solle man „auf jeden Fall auswendig vortragen, mit Deutschland-Fahne in der Hand“, meinte Stankewitz.

Der Frauenchor des Gesangvereins 1908 Eintracht Bracht, seit dem Vorjahr mit dem Prädikat „Leistungschor“ des Mitteldeutschen Sängerbundes versehen, sang Felix Mendelssohn-Bartholdys „Hebe deine Augen auf“. „Ich habe etwas gegen Klassiker bei Beratungssingen, aber bei euch habe ich‘s gern gehört. Der Alt war etwas brustig, ruhig in den Chorproben den Heiligenschein etwas polieren, das hilft immer zu mehr Kopfstimme“, sagte Stankewitz.

Stankewitz fordert mehr Gefühl

Die Literaturauswahl des Dirigenten Peter Jerabeck für den gemischten Chor Bracht, „Der Fährmann“ von Antonin Dvorak und „Locus Iste“ von Anton Bruckner, sagte ihm ebenfalls zu. Für den Fährmann empfahl er, noch mehr den Humor und die Atmosphäre des Stücks herauszubringen.

Der Männerchor Bracht, dirigiert von Hans Aillaud, sang unter anderem das Volkslied „O du schöner Rosengarten“. „Das ist ein schönes Liebeslied. Auch hier gilt, eine Frau im Publikum anzugucken. Mehr Gefühl, das ist schon eine Erotiknummer!“, forderte Stankewitz, der sich über den Männerchor-Klassiker freute und dem Chor bescheinigte, bezüglich der Tonreinheit am saubersten an diesem Abend gesungen zu haben. Keinen Pieks sei er bei seinen Stücken aus dem Ton gefallen.

Eröffnet hatte das Beratungssingen im Dorfgemeinschaftshaus der Gesangverein 1895 Ernsthausen unter Leitung von Robert Lauks mit W.A. Mozarts „Bundeslied“. Monika Friedrich, Vorsitzende des aus zwölf Vereinen bestehenden Sängerkreises, bedauerte, dass diesmal weniger Chöre als sonst teilnahmen. Das habe bei den Erwachsenen zum Teil terminliche Gründe.

Und bei den Kinderchören habe es in Bracht gerade einen Chorleiterwechsel gegeben, in Erksdorf sei die Dirigentin schwanger und der Kinderchor Schwabendorf sei erst neu gegründet worden, erklärte sie. „Ich glaube, dass wir in unserem kleinen Sängerkreis guter Dinge in die Zukunft sehen können.“

von Manfred Schubert

Der gemischte Chor Erksdorf wird von Peter Dippel dirigiert. Foto: Manfred Schubert
 
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