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Freie Theaterszene trifft sich in Marburg

„Made.Festival“ Freie Theaterszene trifft sich in Marburg

Sechs freie Theatergruppen aus Frankfurt, Gießen und Kassel zeigen kommende Woche in Marburg aktuelles, experimentelles Theater. Spielorte sind die Waggonhalle und das 
G-Werk im Afföller.

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Das Stück „Dieser Witz trägt einen Bart“ eröffnet das Festival am kommenden Mittwoch in der Marburger Waggonhalle.

Quelle: Jana Mila Lipp

Marburg. Früher hieß das alle­ zwei Jahre stattfindende Festival noch „made in Hessen“ – jetzt nur noch schlicht „Made.Festival“. Präsentiert vom Landesverband Professionelle Freie Darstellende Künste (kurz laPROF) gehen sechs von einer Fachjury ausgewählte hessische Produktionen auf eine Reise durch das Bundesland. Vom 1. bis 4. November machen sie Station in Marburg, selbst eines der hessischen Zentren der freien Theaterszene. Vergeben wird auch ein Publikumspreis. Damit verbunden ist die Finanzierung einer neuen Produktion, die später in Marburg gezeigt wird. „Wir wollen damit nachhaltig Gruppen die Möglichkeit geben, wieder an den Gastspielorten aufzutreten“, erklärten Katja Hergenhan vom laPROF-Vorstand und die langjährige laPROF-Vorsitzende Angelika Sieburg bei der Vorstellung des Programms.

Eröffnet wird das Festival in Marburg am Mittwoch, 1. November, um 19 Uhr in der Waggonhalle. Erwartet werden Marburgs OB Dr. Thomas Spies und die Frankfurter Stadträtin Cornelia Katrin von Plottnitz. Schließlich ist die hessische Kulturmetropole, die viel Geld auch in ihre freie Szene steckt, gleich mit drei Produktionen vertreten.

Darunter ist das Eröffnungsstück „Dieser Witz trägt einen Bart“ am Mittwoch um 20 Uhr in der Waggonhalle. Es enthalte „10 Prozent Witz, 90 Prozent Bart“ und sei „Ausnahmsweise lustig“, heißt es im Festivalprogramm. Susanne Zaubn und Marion Schneider wollen in diesem Stück „die Machtmechanismen des Witzeerzählens subversiv“ auseinandernehmen, denn beim Witz dominiere bis heute die männliche Perspektive auf die Welt.

Brecht-Stück setzt den Schlusspunkt

Am Donnerstag, 2. November, steht ein Tanz-Doppelabend auf dem Programm. Eröffnet wird er um 19.30 Uhr mit „Creating My Own Tomorow“ in der Waggonhalle der Frankfurter Choreographen Philipp Bußmann und Célestine Hennermann. Anschließend geht es um 21.15 Uhr im Theater im G-Werk mit der Gießener Choreografin und Tänzerin Olivia Hyunsin Kim weiter. Sie zeigt „She Came, She Saw, She Said: Meme“.

Am Freitag zeigt die Kasseler Gruppe Flinn Works ab 20 Uhr im G-Werk die Lecture Performance „Schädel X“ – es ist eine „post-koloniale Irrfahrt zwischen Wissenschaft, Politik und Theater“.

Das Festival endet am Samstag, 4. November, mit zwei Produktionen im G-Werk: Um 19 Uhr ist dort das Kasseler Brahland Ensemble mit „Ready For Boarding“ zu sehen – einem Live-Hörspiel über die Auswirkungen des Attentats auf das World-Trade-Center am 9. September 2001 auf die Bürger- und Menschenrechte.

Zum Abschluss zeigen der ­israelische Theatermacher Nir Schauloff und der Frankfurter Regisseur Jan Philipp Stange um 21 Uhr ihr Stück „Combina“ – anhand des fast vergessenen Fragments „Der Messingkauf“ von Bertolt Brecht setzt sich das Stück mit den Bedingungen des Theatermachens auseinander.

„Wir verlieren unseren kreativen Nachwuchs“

Darum geht es letztlich auch in Diskussionen, Workshops, bei Gesprächen im Festivalzentrum im G-Werk und bei der Buchvorstellung und Podiumsdiskussion „Freies Theater“ am Freitag um 16 Uhr in der Baari bar im G-Werk: Sieht man einmal von Frankfurt und Kassel ab, darbt die freie Theaterszene in Hessen: Rund 900.000 Euro stellt das Land Hessen nach ­Angaben von Katja Hergenhan und Angelika Sieburg als Förderung für die freie Theaterszene zur Verfügung – für rund 260 Gruppen und 100 Einzelkünstler. Allein das Staatstheater Kassel bekam nach einer Statistik des Bühnenvereins für das Jahr 2015/16 mehr als 15 Millionen Euro vom Land.

Und während die Stadt Frankfurt nach Angaben von Angelika Sieburg den Etat für die freie Szene um zwei auf 4,5 Millionen Euro erhöht hat, wurden die Zuschüsse im Kulturbereich in Marburg um 12 Prozent gekürzt (die OP berichtete). So fordert der Landesverband insbesondere vom Land eine Erhöhung der Fördermittel für die freie Theaterszene Hessens.

Für Marburg hat die Kürzung bereits Auswirkungen: german stage service musste sich bereits von einem Mitarbeiter trennen: „Wir verlieren unseren kreativen Nachwuchs und damit die Zukunft“, meint Rolf Michenfelder.

  • Karten für die Vorstellungen kosten 12 Euro im Vorverkauf und 17 Euro an der Abendkasse. Der Tanz-Doppelabend am Donnerstag kostet 14 Euro im Vorverkauf und 19 Euro an der Abendkasse. Den Festivalpass gibt es für 75 Euro. Karten gibt es im G-Werk, Telefon 06421/62582 und bei AD-Ticket. Das komplette Programm finden Sie im Internet unter www.germanstageservice.de

von Uwe Badouin

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