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Macht und Ohnmacht in klaren Bildern

Theater im G-Werk Macht und Ohnmacht in klaren Bildern

Zwei Jahre lang hat Graciela González de la Fuente Bücher, Dokumente, Pamphlete und andere Quellen durchforstet. Herausgekommen ist ein Stück, das den Zuschauer atemlos und tief erschüttert zurück lässt.

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Ausdruck von brutaler Überlegenheit: Ein Großgrundbesitzer untersucht die Zähne einer Landarbeiterin.Foto: german stage service

Marburg. Ein Klangteppich, der die Zuschauer akustisch in die Atmosphäre des mexikanischen Regenwaldes versetzt, glühende Kampfreden, Musik, die südamerikanisches Flair transportiert, Schreie in der Dunkelheit, Videoeinspielungen mit Originalaufnahmen, lyrische Einwürfe und vor allem das inbrünstige Spiel der drei Schauspieler, vermochten es, die Zuschauer mit allen Sinnen an der Geschichte über die Aufstände in Chiapas im Süden Mexikos teilhaben zu lassen. In einer gelungenen Mischung aus dokumentarischem und szenischem Theater, angereichert mit Musik, Performance und Videoeinspielungen erzählt „Das Flüstern im Schatten“ die Geschichte um die Rebellion der rechtlosen und perspektivlosen Kleinbauern in dieser Region.

Anfang des 20. Jahrhunderts hatten sich, wie auch im übrigen südamerikanischen Raum, im fruchtbaren und tropischen Süden Mexikos eine handvoll Deutsche niedergelassen, die sich dort im Laufe der Zeit als Großgrundbesitzer etablierten. Von der Regierung und dem Gesetz unterstützt ließen sie die einheimische Bevölkerung zu miserablen Bedingungen für sich schuften. Am 4. August 1994 wurde „Nueva Palestina“ die Finca der deutschstämmigen Familie Schimpfhudler, besetzt - es war der Startschuss einer Rebellion indigener Kleinbauern, die innerhalb von einem Jahr blutig niedergeschlagen wurde.

Regisseurin Graciela González de la Fuente hat ein Stück erarbeitet, das vollständig aus verschiedenen Dokumenten und Veröffentlichungen Beteiligter besteht - vom ersten Gedicht, das aus dem Schatten geflüstert wird bis hin zu den Kampfreden.

Szenisches und dokumentarisches Spiel geben den Zuschauern einen tiefen Einblick in die Welt der Bewohner der südmexikanischen Provinz. Starke Dialoge, rasche Perspektivwechsel, die durch die Schauspieler für alle nachvollziehbar auf offener Bühne vollzogen werden und eine oft christliche, Symbolhaftigkeit tragen das Stück.

Über die Geschichte der Aufstände in Mexiko Anfang der 90er Jahre hinaus erfährt der Zuschauer bei diesem Stück aber auch viel über die Bedeutung von Kolonialismus und dessen Auswirkungen und den Unterschied zwischen arm und reich.

Weitere Aufführungen sind am heutigen Samstag sowie am 15., 16. und 17. November jeweils um 20 Uhr im Theater im G-Werk

von Kristina Gerstenmaier

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