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Luthers 95 Thesen verändern die Welt

Ausstellung „#Bildungsereignis Reformation!“ Luthers 95 Thesen verändern die Welt

Freitagvormittag wurde im Landgrafenschloss die Ausstellung „#Bildungsereignis Reformation“ eröffnet. Sie ist einer der Höhepunkte der Marburger und hessischen Aktionen im Jubiläumsjahr.

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Die Kuratorin Christina Schlag (rechts) erläutert Uni-Präsidentin Professorin Dr. Katharina Krause (von links), dem Kirchenhistoriker Professor Dr. Wolf-Friedrich Schäufele sowie Staatssekretär Ingmar Jung und Stadträtin Dr. Kerstin Weinbach ihr Ausstellungskonzept.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. 500 Jahre Reformation. Die 1527 gegründete­ ­Philipps-Universität – als erste­ protestantische Universität ein­ Kind der Reformation – feiert dies mit einem Studium Generale, einem Symposium im Herbst und der Ausstellung „#Bildungsereignis Reformation! Ideen, Krisen, Wirkungen“, die bis zum 31. Oktober im Marburger Landgrafenschloss zu ­sehen ist.

Das Schloss sei ein „authentischer Ort der Reformation“ – neben der Wartburg und Wittenberg, betonte Uni-Präsidentin Professorin Katharina Krause bei der Eröffnung im Fürstensaal. Und das nicht nur wegen des Marburger Religionsgesprächs, zu dem Landgraf Philipp der Großmütige Anfang Oktober 1529 unter anderem die zerstrittenen Kirchenreformatoren Martin Luther und Ulrich Zwingli eingeladen hatte.

Uni-Präsidentin Professorin Dr. Katharina Krause spricht zur Eröffnung Reformationsausstellung im Landgrafenschloss.

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In diesen Räumen ist nun eine aufwändig recherchierte und klug konzipierte Ausstellung zu sehen, die nicht die Person Luthers, nicht die politischen Auseinandersetzungen dieser Zeit des Umbruchs in den Blick rückt, sondern sich mit „den Wechselwirkungen von Reformation und Bildung“ beschäftigt, wie die Kuratorin der Ausstellung, die Historikerin Christina Schlag bei der Eröffnung hervorhob.

Zwei Jahre lang hat sie mit ihrem kleinen Team recherchiert, mit Museen, Archiven und ­Bibliotheken in Deutschland, Österreich und der Schweiz über rund 100 Leihgaben verhandelt, die in der Ausstellung zu sehen sind. Zwei etwa fünfminütige Filme ließen die Ausstellungsmacher drehen, die einem breiten Publikum die Ideen, Ursachen und Auswirkungen der Reformation erläutern sollen, die 1517 durch Luthers 95 Thesen ausgelöst wurde.

Otterbeck: So etwas hatten wir noch nicht

Möglich wurde dies nur durch erhebliche Förderungen: ­
Die Bundesregierung steuerte­ 240.000 Euro zu der Ausstellung bei, das Land Hessen weitere 184.000 Euro. Unterstützt wurden die Ausstellungsmacher auch von einem wissenschaftlichen Beirat unter der Federführung des Marburger Kirchenhistorikers Professor Wolf-Friedrich Schäufele. Dem Beirat gehören Wissenschaftler der Universitäten Marburg und Gießen an. Schäufele erklärte, die „Beschäftigung mit der Reformation und ihrer Zeit liefert einen wichtigen Schlüssel zum Verständnis der europäischen Geschichte“. Er lobte das Ausstellungsteam: „Es hat hervorragende Arbeit geleistet.“

Wie Schäufele hoben alle Redner im Fürstensaal die weltgeschichtliche Bedeutung der Reformation hervor. Ingmar Jung, Staatssekretär des Hessischen Museums für Wissenschaft und Kunst, sagte: Das Thema Bildung spiele bei der Reformation eine große Rolle, es sei daher „mehr als angemessen, dass die Universität sich dieses Themas annimmt“. Jung ergänzte: „Es freut mich sehr, dass die Philipps-Universität für ihre Angebote zum Reformationsgedenken als einzige hessische Einrichtung eine Bundesförderung erhalten hat.“

Marburgs Kulturdezernentin­ Dr. Kerstin Weinbach sagte,­ die Ausstellung sei für Marburg­ ­einer der Höhepunkte des ­Jubiläumsjahres. „Marburg hat mit der Universitätsgründung sehr von der Reformation profitiert“, betonte sie. Museumsdirektor Dr. Christoph Otterbeck bezeichnete die Ausstellung als „narratives“, als erzählendes „Museum, wie wir es so in Marburg noch nicht so oft gesehen haben“.

Rund 100 Exponate

Die Ausstellung von Kuratorin Christina Schlag spannt einen Bogen von dem Bildungswesen vor der Reformation, das nur wenigen Menschen Bildung ermöglichte, über die Reformen im Zuge der Reformation – etwa der hessischen Erfindung der Konfirmation – bis hin zur Zersplitterung der reformatorischen Bewegungen. Gleichzeitig versucht die Ausstellung, Bezüge zur Gegenwart herzustellen.

Zu sehen sind rund 100 Exponate: die erstmals seit vielen Jahren wieder vereinten Zepter der Universitäten Marburg und Gießen, eine Kanzel, eine Sanduhr, die dem Humanisten Erasmus von Rotterdam zugeschrieben wird – vor allem aber wertvolle Dokumente wie etwa „Die Marburger Artikel“, in denen die Ergebnisse des Marburger Religionsgesprächs festgehalten wurden.

  • Die Ausstellung ist bis zum 31. Oktober zu sehen, geöffnet dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags von 10 bis 22 Uhr. Kostenlose Führungen finden samstags von 15 bis 16 Uhr statt. Gruppenführungen können unter der Rufnummer 06421/99210 oder per E-Mail unter info@marburg-tourismus.de gebucht werden. Infos über das Rahmenprogramm gibt es auf der Homepage www.bildungsereignis-reformation.de.

von Uwe Badouin

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