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Luther-Socken und alte Bibeln

Hinterlandmuseum Luther-Socken und alte Bibeln

Martin Luther mit Heiligenschein? Kaum vorstellbar – und doch trieb die Luther-Verehrung schon zur Reformationszeit manch seltsame Blüte.

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Die Besucher interessierten sich für die Münzen und Medaillen, auf denen Luther in den vergangenen Jahrhunderten verewigt wurde.

Quelle: Klaus Kordesch

Biedenkopf. Manche Erinnerungsstücke an den Reformator könnten durchaus mit katholischen Devotionalien mithalten, erklärte Pfarrer Reiner Braun bei der Eröffnung der Sonderausstellung „Luthers Spuren im Hinterland“.

Eine Uhr mit Luther-Konterfei, „Luther-Socken“ oder das Scherz-Medikament „Lutherol“ – unter den rund 150 Exponaten im Hinterlandmuseum Schloss Biedenkopf, die Landrätin Kirsten Fründt und Dekan Andreas Friedrich eröffnet haben, finden sich auch aktuelle Beispiele für das Bemühen, aus der Popularität des Reformators Profit zu schlagen. Die meisten Ausstellungsstücke allerdings sind historische Zeugnisse ernsthaften lutherischen oder reformierten Glaubens.

Mehrere um die 300 Jahre alte Lutherbibeln, Lutherschriften wie vier Exemplare der „Tischreden“, sogenannte Marburger Gesangbücher, Bilder von Luther und anderen Reformatoren sind ebenso zu sehen wie Konfirmationsscheine, Münzen und Medaillen mit dem Konterfei Luthers, wie Museumsleiter Gerald Bamberger erläuterte.

„Freiheit scheint zur Beliebigkeit mutiert zu sein“

Die Ofenplatte des Frankenberger Meisters Philipp Soldan aus dem 16. Jahrhundert, auf der ein Papst, ein Kardinal und ein Bischof beim Jüngsten Gericht auf dem Weg in die Hölle dargestellt sind, ist eines der ganz besonderen Schaustücke. Die Ausstellung richten der kirchengeschichtliche Ausschuss des Evangelischen Dekanats Biedenkopf-Gladenbach und das Hinterlandmuseum gemeinsam aus.

„Warum es sich heute lohnt, an Martin Luther zu erinnern“, hatte Pfarrer Braun aus Dautphe seinen Festvortrag überschrieben. Er war passend in einem Lutherrock gekleidet erschienen. Obwohl die Denk- und Lebenswelt der Reformation heute weiter entfernt sei als je zuvor, sei Luthers Einstellung zu Freiheit und Verantwortung aktuell wie nie: In „Von der Freiheit eines Christenmenschen“, wie eine der wichtigsten Schriften Luthers heißt, verbinde der Theologe Freiheit und Verantwortung. „Freiheit scheint heute in hohem Maß zur Beliebigkeit mutiert zu sein“, sagte Braun. „Umso wichtiger ist, dass da einer auch die Verantwortung anmahnt, die wir voreinander, gegenüber dem Staat und vor Gott haben.“

  • Die Ausstellung im Hinterlandmuseum Schloss Biedenkopf ist bis zum 3. Oktober täglich außer montags zwischen 10 und 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet für Erwachsene 2,50 Euro, für Kinder bis 14 Jahre 1,30 Euro. Gruppen werden pro Person jeweils mit zwei Euro berechnet, Schulgruppen mit einem Euro.

von Klaus Kordesch

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