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Was Hessens Promis lesen und empfehlen

Literatur-Tipps zur Buchmesse Was Hessens Promis lesen und empfehlen

Persönlichkeiten aus Hessen geben zur Frankfurter Buchmesse Einblicke in ihr Bücherregal. In einer Umfrage nennen sie ihre aktuellen Lieblingstitel und geben Tipps zum Schmökern. Anlässlich der Buchmesse vom 11. bis 15. Oktober in Frankfurt haben sie in einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ihre Favoriten genannt. Sie äußerten sich auch zur Frage, wo sie ihre Bücher kaufen.

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Bücher, Bücher, Bücher: Hessens Promis verraten ihre Favoriten.

Quelle: Uwe Anspach

Frankfurt. Online oder lieber beim Händler des Vertrauens vor Ort? Ministerpräsident Volker Bouffier (65) hat vor kurzem das Buch "Politisches Framing" von Elisabeth Wehling gelesen. "Man muss nicht alle Thesen teilen, die in diesem Buch stehen, aber interessant ist es trotzdem, zu lesen, was Sprache möglicherweise unbewusst bewirken kann." Was er sich schon immer mal zu Gemüte führen möchte: "Homo Deus - Eine Geschichte von Morgen" von Yuval Noah Harari. Auf keinen Fall lesen würde er Horror-Geschichten, wie er verriet.

Ein Krimi zur Entspannung

Hessens SPD-Vorsitzender Thorsten Schäfer-Gümbel (48) liest gerade von Hülya Özkan "In Erdogans Visier" sowie den Roman von Nicol Ljubic "Ein Mensch brennt". Die Parallel-Lektüre hat einen Grund: "Ich werde mit beiden Autoren auf der Buchmesse diskutieren." Daneben liest Schäfer-Gümbel "zur Entspannung" den aktuellen Krimi "Bretonisches Leuchten" von Jean-Luc Bannalec. Gar nichts anfangen kann er mit Psychokrimis. "Da gehe ich zielstrebig am Regal vorbei." In der Regel kauft er seine Bücher im Geschäft in seinem Wohnort Lich.

Bücher aus dem Buchladen - "ein Akt der Solidarität"

Moderatorin und Autorin Bärbel Schäfer (53) liest derzeit "Nur wenn du allein kommst" von Souad Mekhennet. "Ein Bericht über das Leben hinter den Fronten des Dschihad und wie Warlords ticken", erklärt Schäfer. Parallel dazu: "Das angehaltene Leben" von Maurizio Torchio. "Es ist in seiner Nüchternheit erschütternd, der Roman legt die inneren Mechanismen einer Strafanstalt offen, die irrationale Logik dieser Nichtwelt", erklärt sie. Vorgenommen hat sich Schäfer auch "Ein wenig Leben" von Hanya Yanagihara. So gar nicht ihr Fall ist Science Fiction. "Dazu finde ich beim besten Willen keinen Zugang." Ihre Bücher kauft sie zu 95 Prozent beim Händler an der Ecke, wie sie sagt. "Ein Akt der Solidarität gegenüber diesem wichtigen Gewerbe."

Lotto-Fee will die Bibel mal "komplett" lesen

Bei Lotto-Fee Franziska Reichenbacher (49) stapeln sich die Bücher, die sie lesen möchte. Ganz oben liegt "Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur" von Andreas Wulf. Lesen möchte sie auch Goethe, die Bibel - "mal komplett" - und die Biografie des Komponisten Gustav Mahler. "Aber ich komme im Moment nicht voran. Mit Beruf und Familie reicht einfach die Zeit nicht", sagt Reichenbacher, die für ihre Regiearbeiten auch Theaterstücke durcharbeitet. Ihre Bücher kauft sie im Laden. Für Recherchen, Kritiken, Kommentare und Vorschauen geht sie auch online. Gekauft wird aber aus Überzeugung beim Buchhändler.

Frankfurts Oberbürgermeister schwärm für
"feministischen Klassiker"

Frankfurt Oberbürgermeister Peter Feldmann (59) ist ergriffen vom Roman "Das siebte Kreuz" von Anna Seghers. 2018 werde sich die Stadt bei "Frankfurt liest ein Buch" damit beschäftigen. Gekauft hat sich der SPD-Politiker "Der Report der Magd". "Das ist natürlich einer der ganz großen feministischen Klassiker", sagt Feldmann. Die Autorin Margaret Atwood bekommt diesmal den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Was Feldmann gar nicht lesen mag: "Ich erspare mir unqualifizierte Kommentare auf Facebook und Co., in denen rechte Hetze betrieben wird. Es gibt zu viele gute Bücher, Magazine und Zeitungen, um damit Lebenszeit zu verschwenden." Seine Bücher kauft er ausschließlich im Laden, manchmal auch im Antiquariat.

Keine Zeit für "oberflächliche Literatur"

Der Bischof von Fulda, Heinz Josef Algermissen (74) hat im Urlaub den Roman von Maja Lunde "Die Geschichte der Bienen" gelesen. "Ich empfehle es allen, denen die Schöpfungsverantwortung ein Thema ist und die die Gefahren angesichts der Zukunft nicht verdrängen wollen." Unbedingt mal lesen möchte der katholische Geistliche den Roman von Joseph Roth "Hiob". "Oberflächlich-seichte Literatur" lehnt Algermissen ab, "dafür ist das Leben zu kurz". Seine Bücher kauft er grundsätzlich beim Händler seiner Wahl.

"Nichts für schwache Nerven"

Die Schauspielerin und hessische "Tatort"-Ermittlerin Barbara Philipp (51) liest gerade "Der weiße Affe" von Kerstin Ehmer. Passagen des neu erschienen Romans trägt sie bei Lesungen vor. Besonders empfehlen kann sie "Und es schmilzt" von Lize Spit. Der Roman ist aber "nichts für schwache Nerven", warnt sie. Immer mal wieder drin herumgelesen hat Philipp in "Der Mann ohne Eigenschaften" von Robert Musil - "aber es ist halt dick wie ein Telefonbuch", sagt sie. Nicht ihr Geschmack sind: "Klischee-verkrampfte Krimis, die an Urlaubssehnsuchtorten spielen." Philipp kauft am liebsten in inspirierenden Buchhandlungen.

Buchhandlungen "durch nichts zu ersetzen"

Martin Hein (63), der Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, schwärmt von "Wachtmeister Studer". Das Buch von Friedrich Glauser sei bereits 1936 erschienen. "Glauser ist der vielleicht am meisten verkannte schweizerische Autor des 20. Jahrhunderts", sagte er. "Wachtmeister Studer" sei vordergründig ein Kriminalroman, aber letztlich ein großartiges Psychogramm. "Ein Buch voller Moralität ohne erhobenen Zeigefinger." Völlig fremd dagegen bleiben ihm "Science Fiction und Fantasy-Romane". Wo kauft der Bischof? "Ich stöbere ungemein gern in Buchhandlungen. Die sind durch nichts zu ersetzen." Aber wenn's schnell gehen soll, nutzt er die Online-Bestellung.

Thomas Mann "nach fünf Seiten zu anstrengend"

hr-Moderator Holger Weinert(65) hat sich gerade für "Den Koffer trag ich selber" entschieden. Die Erinnerungen der Frankfurter Schriftstellerin Eva Demski gehen ihm unter die Haut. Demskis Erzählstil sei "unaufdringlich, ihre Sprache allerdings kraftvoll und voller Farben". Gern mal lesen möchte er Thomas Mann. "Aber nach fünf Seiten wird es mir zu anstrengend", gesteht er. Nicht ausstehen kann Weinert, "was in den letzten zwanzig Jahren um sich gegriffen hat, wie eine literarische Pestilenz: Unterhaltungsliteratur. Speziell Frauen haben da in Pseudo-Guter-Laune soviel Schrott abgesetzt, dass Mann sich Sorgen machen muss um den intellektuellen Zustand des Landes. Facelifting, Abnehmen, Wechseljahre, Blabla." Zur Geschäftswahl beim Bücherkauf sagt er: Online-Shopping käme ihm vor wie Verrat am Einzelhandel."

Bischof Jung macht großen Bogen um "Horror Fantasy"

Bischof Volker Jung (57), Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), liest gerade Bücher über das Silicon Valley. "Da kann ich besonders das Buch von Thomas Schulz "Was Google wirklich will" empfehlen, weil es eine sehr gute Beobachterperspektive einnimmt." Empfehlen mag er "The Circle" von Dave Eggers und "Homo Deus - Eine Geschichte von morgen" von Yuval Noah Harari. "Diese beiden Bücher habe ich in meinem Sommerurlaub gelesen." Eine großen Bogen hingegen macht Jung, was er unter der Gattung "Horror Fantasy" versteht. Seine Bücher kauft der Oberhirte beim Buchhändler. "Nur antiquarische Bücher kaufe ich online."

von Jörn Perske

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