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Literarische Reise ins raue Mittelalter

Neuer OP-Fortsetzungsroman Literarische Reise ins raue Mittelalter

Drei Jahre lang hat Robert Focken an seinem Romandebüt gearbeitet. Die OP druckt „Arnulf – Die Axt der Hessen“ von Samstag ab an als Fortsetzungsroman ab. Er spielt zur Zeit Karls des Großen in unserer Region.

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Marburg. 772 zog König Karl, den man später den Großen nennen sollte, in den Krieg gegen die Sachsen. Es folgten blutrünstige Zeiten mit grausamen Massakern. Bis ins Jahr 804 zogen sich die Kriege gegen die „Heiden“.

In dieser Zeit, die wir als dunkles Mittelalter kennen, weil es kaum Überlieferungen gibt, spielt Robert Fockens historischer Roman „Arnulf – Die Axt der Hessen“. Fockens Held ist ein einfacher Holzhauer und Krieger, der für das Heer des Frankenkönigs rekrutiert wurde und mit dem langen Heerwurm nach Norden zieht.

„Die Hessen spielten eine zentrale Rolle als Eroberer und Missionierer, was kurioserweise weitgehend unbekannt ist“, sagt der 51-Jährige. So ist das heutige Hessen in dem Roman einer der Hauptschauplätze dieser erbitterten Auseinandersetzung. Die Stämme der Franken und Sachsen prallten in Nordhessen aufeinander.

Dramatischere Ereignisse als in England

„Strategisch vorbereitet wurde der Feldzug“, so Focken, „zwischen Worms und Frankfurt, rekrutiert wurde wochenlang vorher vor allem in den hessischen Gauen sowie entlang von Rhein und Main.“ Die Mehrheit der Truppen Karls des Großen dürfte sich nach Annahme Fockens aus „Menschen zusammengesetzt haben, die wir heute als Hessen bezeichnen würden“.

Ihn wundert, dass das englische Mittelalter immer wieder in historischen Romanen behandelt wird, das deutsche dagegen kaum. „Was wissen wir schon über das fränkische Reich, über die hessischen Grafschaften im achten Jahrhundert? Wenig bis nichts“, meint Focken. Dabei hätten sich hier ungleich dramatischere Ereignisse abgespielt als in England.

Focken, der in Bonn mittelalterliche und neuere Geschichte studierte, sein Geld aber in der Finanzbranche verdient, hat lange recherchiert über die Sachsenkriege und die Welt Karls des Großen. Doch er wollte kein klassisches Geschichtsbuch schreiben, sondern ein „packendes, lebensnahes Porträt der Zeit“ in Romanform. Vorbilder sind „spannend formulierende Mittelalter-Autoren wie Bernard Cornwell und Ulf Schiewe“. Gleichwohl ist sein Interesse, Menschen für unsere Geschichte zu interessieren.

Marburg hieß noch Mariburg

Focken bezeichnet sich selbst als „Geschichtsfanatiker“. Dies schlägt sich auch im Roman nieder, der eine Art Gegenentwurf zu den eher sauberen „Wanderhuren“-Geschichten ist. Sein Mittelalter stinkt, hat Läuse und es hat vor allem Angst. Angst vor der Schlacht, Angst vor Unwettern, Angst vor Magie, Angst vor der Brutalität der fränkischen Ritter. Das gilt vor allem für die Freibauern, die damals nur dem König unterworfen waren. Durch die ständigen Kriegszüge Karls des Großen jedoch wurden sie ruiniert, gerieten allmählich in Knechtschaft.

Sprachlich habe er sich bemüht, die historisch korrekten Bezeichnungen zu verwenden. „Damals sprach man im deutschen Sprachraum das sogenannte Althochdeutsch, das sich noch einmal in fränkische und sächsische Unterformen und Dialekte gliederte“, betont der Autor.

Amöneburg etwa, wo Bonifatius zuvor missioniert hatte, nennt er Amanaburg, Marburg hieß Mariburg, die Eder Adrana. Schlachtenszenen kommen bei diesem Sujet nicht zu kurz – schließlich zogen sich die Sachsenkriege über 30 Jahre hin. Der Roman bietet also auch viel Action. Focken plant übrigens eine Fortsetzung seiner Mittelalter-Saga.

  • Robert Focken: „Arnulf – Die Axt der Hessen“, Acabus-Verlag, 380 Seiten, 12,99 Euro.

von Uwe Badouin

Leseprobe

Teil 1

Prolog

So wie ein Pflug den Boden aufreißt, so brachen die sächsischen Krieger in die Schlachtreihe der Franken ein. Hass, Angst und Wut entluden sich in einem Gebrüll, das Arnulfs Blut gerinnen ließ. Er sah Widukinds Haupt aus dem Angriffskeil hervorragen, unbehelmt, nicht einmal einen Schild hatte er – aber eine Langaxt, die mit fürchterlicher Gewalt in die ersten Reihen der Franken fuhr.

Arnulf riss seinen Schild hoch. Er sah das Rot eines geöffneten Rachens, Klingen zischten durch die Luft, Schwerthiebe ließen den Schildbuckel dröhnen. Sein Unterarm sandte Blitze des Schmerzes aus. Keuchend wich er zurück.
„Wooodaan!“ Immer lauter dröhnte der heidnische Schlachtruf über die Ebene. Wenn es den Sachsen jetzt gelang, den skaron der Franken auseinanderzuspren- gen, dann waren sie verloren: dann wären die Heidengötter stärker als der Allmächtige, dann würde Arnulf, dann würden die Hessen hier mit den anderen fränkischen Gautruppen sterben.

„Bleibt stehen, bei Gott! Kämpft “ Er selbst rief das. Dann musste er den Schild hochreißen, um einen Schwerthieb abzuwehren. Die Klinge des Sachsen ließ das Rund aus Lindenholz erdröhnen, Arnulf starrte für einen Moment in ein bärtiges Gesicht mit blutunterlaufenen Augen.

Mitten hinein schmetterte er seine Streitaxt, sah den anderen zusammenbrechen und riss sofort wieder den Schild vor seinen Körper, um die Stöße der nachdrängenden Krieger abzuwehren. Blutspritzer trafen ihn von links, ein Schwertstreich trennte die Hand seines Nebenmannes ab – aber Arnulf hatte nicht einmal Zeit hinzuschauen, wollte er nicht in Stücke gehauen werden.

Für einen Augenblick waren beide Heere ineinander verkeilt wie Wisentbullen. Doch unaufhaltsam begann der rechte Abschnitt der Sachsen die fränkischen Krieger zurückzudrängen. Und dann verspürte Arnulf einen Gluthauch zwischen Nacken und Ohr. Widukinds Langaxt war nicht mehr im Getümmel zu sehen! Wenn der Herzog wirklich den magischen Rabenstein hatte, konnte er überall auftauchen – auch in ihrem Rücken.

Der Hesse wehrte einen Speerstoß ab, machte einen schnellen Schritt nach vorne und rammte seine Schildkante in den Kiefer eines Angreifers. Schwer atmend warf er einen Blick über die Schulter – und konnte sich im letzten Augenblick zur Seite drehen. Der Axtkopf schwang an seiner Schulter vorbei und grub sich in den Boden. Arnulfs Blick kreuzte den Widukinds – einer von ihnen würde das Blutfeld nicht lebend verlassen!

Kapitel I

Friedeslar im Hessengau, 752 nach Christus

Der Hessengau war die Grenzmark im Norden. Dahinter kamen nur noch endlose Wälder, bewohnt von Wolfsrudeln und Heiden. Sie beteten Wodan und Donar an und nannten sich Falen oder Engern; die Hessen sprachen von ihnen schlicht als Sachsen, dabei spuckten sie aus oder bekreuzigten sich. Wenn die Krieger dieser Heidenstämme in das Frankenreich einfielen, wanderten Rauchwolken durch die Täler der Adrana und der Fulda.

Dann blieb nur die Flucht in befestigte Städte wie Friedeslar, wo der Graf des Hessengaus residierte: Etwa zweihundert strohgedeckte Häuser mit winzigen Fensterluken drängten sich auf einem Hügel über der Adrana, umringt von einem zwölf Fuß hohen Palisadenwall. In ihrer Mitte erhob sich das hölzerne Gotteshaus, das nur vom steinernen Palas des Gaugrafen auf der Hügelkuppe überragt wurde.

In einer gewitterschwülen Sommernacht stieß ein weißer Finger aus dem Himmel und entzündete das Schindeldach der Kirche. Der Bau brannte bereits lichterloh, als die ersten Menschen mit Eimern vom Brunnen herbeieilten. Am nächsten Morgen glommen nur noch schwarze Trümmer, wo die Kirche gestanden hatte. Es war eine doppelte Katastrophe: Das Holz jener Kirche war nicht irgendein Holz gewesen, es stammte vom Kultbaum des Heidengottes Donar. Diese Eiche war einst vom großen Missionar Bonifatius gefällt worden, Bonifatius dem Heiligen – er hatte Hessen für das Christentum gewonnen.

  • Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Verlags Acabus. Fortsetzung in der nächsten Printausgabe.
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