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„Liszt-Kosmos“ klingt nach Italien

Klavierabend im Kultidrom „Liszt-Kosmos“ klingt nach Italien

Das Duo Nadia Singer und Lutz Görner bot seinem Marburger Publikum im Gymnasium Philippinum einen Klavierabend der besonderen Art.

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Das musikalische Duo Nadia Singer und Lutz Görner brachte mit Literatur und Musik „Liebe, Sonnenschein und Orangenduft“ ins Kultidrom.

Quelle: Marie Rentergent

Marburg. Manch einer im Publikum wusste nicht so recht, was man von einer „Italienischen Nacht“ mit Texten erwarten sollte. Die Frage beantwortete Lutz Görner in seiner forschen Begrüßung an die „drei Studenten und Sie aus meiner Liga“: „Ganz viel Musik und bisschen Reden.“

Damit sprach der Rezitator auch auf den wohl einzigen Wermutstropfen des Abends an: Das Kultidrom war mit fünfzig Zuschauern nur etwa halb gefüllt. Trotzdem schaffte Görner es vor dem ersten Auftritt von Pianistin Singer mit Auszügen aus Briefen von Heinrich Heine Vorfreude auf Musik über „Liebe, Sonnenschein und Orangenduft“ zu machen.

Mit Rossinis „La Regata Veneziana“, dem ersten von Franz Liszt auf Klavier übertragenen Opernstück des Abends, ging der musikalische Part sehr schwungvoll los: Nadia Singers Virtuosität bestand nicht nur in ihrer präzisen Spieltechnik, sondern auch in ihrer Körpersprache und in ihrem Mienenspiel. Wie Görner beim Lesen der Briefe Gedanken und Erinnerungen vermittelte, verdeutlichte Singer die Emotionen der Kompositionen.

In der ersten Hälfte des Konzertabends in Zusammenarbeit mit dem Musikwissenschaftlichen Institut überwogen kürzere Stücke wie das verträumte Wogen von Rossinis „La Promessa“ oder die anspruchsvolle „Etüde 4“ von Paganini.

Die Briefauszüge, die Görner zwischen Stücken vortrug, brachten die Musik immer wieder in interessante Zusammenhänge: Nach der wilden „Polonaise“ wundert es niemanden im Saal, dass Liszt von seinem italienischen Verleger den Spitznamen „il diavolo“ erhielt.

Highlight des Abends war das Finale, Liszts Eigenkreation „Tarantella“. Hier verkörpert Singer noch einmal die unterschiedlichen Seiten Italiens: Das Ungestüme, das Melancholische, das Tänzerische. Liszt ließ sich mit 38 Jahren nieder und trat nie wieder auf, erzählte Görner. Glücklicherweise trifft das aber nicht auf das Duo Görner/Singer zu: Eine CD der beiden mit diesem von Görner entwickelten Programm ist in Planung.

von Marie Rentergent

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