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Liedermacher zeigt den Mittelfinger

Konzert Liedermacher zeigt den Mittelfinger

Götz Widmann ist Liedermacher-Urgestein. Zu seinem Auftritt im KFZ kam dennoch ein junges Publikum.

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Götz Widmann (rechts) holte sich bei seinen alten Joint Venture-Songs die Jungs von der Vorgruppe Billy Rückwärts zur Unterstützung auf die Bühne.Foto: Jan Bosch

Marburg. Es gibt Dinge, die schmecken nicht mehr, wenn sie alt sind. Manche werden besser, ein guter Whiskey zum Beispiel. Bei Künstlern ist das ähnlich. Auch nach Jahren der Reifung feilt das Liedermacher-Urgestein Götz Widmann noch immer an den feinen Nuancen seines Bouquet: Vom ungehobelten Anarcho zum niveauvollen Songpoeten. Zwanzig Jahre schon begeistert Widmann seine Fans mit intelligenten Songs.

Den Auftakt vor einhundertfünfzig Zuschauern, die es sich auf dem Boden im Marburger KFZ gemütlich gemacht haben, machen Billy Rückwärts aus Köln. Die Jung-Liedermacher waren schon in den vergangenen Jahren mit Widmann auf Tour unterwegs und führen mit lustigen und intelligenten Texten und einer meist flotten Mischung von Akustikgitarre, Bass und Geige die Liedermachertradition weiter.

20 Jahre lang konsequent gegen den Trend

Widmann startet sein Konzert mit dem ersten Lied, an das er sich erinnern kann. Ein italienischer Schmachtfetzen, bei dem venezianische Gondeln auf den Tränenflüssen schippern könnten. Mit der Masche wäre er wahrscheinlich Dauergast im Musikantenstadel geworden. Glück für alle, dass es anders kam!

Auf seiner Jubiläumstour führt uns Götz Widmann, Meister der Rock’n‘Roll-Poesie, durch zwei Jahrzehnte Liedermachergeschichte.

Von den anarchistischen Anfängen mit Joint Venture startet Widmann eine Zeitreise durch zwei Dekaden menschlicher Gefühlszustände, Haschischwolken und Alkoholexzesse. Widmann heißt Dauerpower auf der Bühne, er kann immer noch einen drauflegen. Meist nur mit seiner Akustikklampfe bewaffnet, reißt er sein Publikum mit in tiefe menschliche Abgründe, banale Alltagsgeschichten und traurige Liebeslieder.

Widmann erfindet sich ständig neu, ist dabei jedoch immer einer Sache treu geblieben: Konsequent gegen den Trend. Mit viel Witz und Ironie und ein wenig Bosheit. Meist hat er mehr den Mittel- als den Zeigefinger erhoben. Widmann ist authentisch, einfach, und kompliziert zugleich. Dafür lieben ihn seine Fans. Mit dabei hat er auch ein paar neue Songs, die es bisher nur auf der Bühne gibt. Seit mehreren Jahren Wahlschweizer, versucht sich der Barde auch mit einem Lied in „Bärndütsch“ in der Schweiz zu integrieren.

Bei viele älteren Joint Venture-Songs unterstützen ihn die Kollegen von Billy Rückwärts tatkräftig. Mit ungebrochener Spielfreude zeigen auch die jungen Liedermacher, dass das Genre weiterlebt.

Wer glaubt, bei Widmann im Publikum träumen ein paar Alt-Hippies der guten alten Zeit hinterher, der irrt sich gewaltig. Der größte Teil der Zuschauer ist noch weit von der Ü30-Party entfernt.

Ein bisschen Fitness braucht man bei Widmann aber auch, denn nach der Pause legt er gerne noch mal ein oder zwei Stunden Programm obendrauf.

Von Jan Bosch

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