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Lieder und Texte über den Wahnsinn des Krieges

„Politöne" Lieder und Texte über den Wahnsinn des Krieges

Eindringliche Lieder gegen den Krieg präsentierte der Chor „Politöne“ im Historischen Saal des Marburger Rathauses. Die Geschichtswerkstatt steuerte spannende Texte über das Marburger Jägerbataillon bei.

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Gegen den Krieg: Der Chor „Politöne“ unter der Leitung von Gerd Schiebl sang mit vollem Einsatz und viel Freude an der Musik.

Quelle: Bettina Preussner

Marburg. Dr. Thomas Werther von der Marburger Geschichtswerkstatt führte in den Abend ein. Er erläuterte die neuen Erkenntnisse, die die Geschichtswerkstatt über die Rolle des Marburger Jägerbataillons Nr. 11 im Ersten Weltkrieg gewonnen hat. Im August 1914 beteiligten sich die Jäger im belgischen Dinant an Massakern an der Zivilbevölkerung. Darüber hinaus nahmen sie 1918 an der Niederschlagung sozialer Proteste in Oberschlesien teil.

Der Chor „Politöne“ begann den Abend mit der Neufassung eines bekannten Volksliedes: Zur Melodie von „Das Wandern ist des Müllers Lust“ erzählten sie von den Mühen des soldatischen Lebens. Sehr bewegend war auch das folgende schlichte Kirchenlied aus dem „Hauptmann von Köpenick“, das die Sängerinnen und Sänger mit viel Engagement und Feingefühl interpretierten. Darin dankt ein Soldat Gott dafür, dass er ihn im Kampf beschützt hat. Auch das Stück „Die erfrorenen Soldaten“ mit der Musik von Hanns Eisler ging unter die Haut. Es erzählte vom grausamen Soldatentod mitten im eisigen Winter.

Im Wechsel mit dem Chor spielte Christian Wustrau sehr gekonnt auf der Gitarre und sang dazu. Besonders beeindruckend war hier das Lied „Es ist an der Zeit“ von Hannes Wader aus dem Jahr 1980. Es handelte von einem jungen Soldaten, der im Ersten Weltkrieg im Alter von nur 19 Jahren gefallen ist.

Abschluss mit positiver Stimmung

Zwischen den gesungenen Passagen las Frank Winterstein Texte der Marburger Geschichtswerkstatt vor. Sie beschrieben unter anderem die Mobilmachung in Marburg 1914, als die jungen Soldaten unter dem Jubel der Bevölkerung zum Bahnhof marschierten und in den Krieg zogen. Ein Auszug aus einem Kriegstagebuch berichtete von den Protesten der Bergarbeiter in Oberschlesien und wie nach einigen Warnschüssen das Feuer auf die Arbeiter eröffnet wurde. Auch der „liebevolle Empfang“ der zurückkehrenden Soldaten in Marburg wurde geschildert und ihr Stolz, weil sie für ein „mächtiges Deutschland“ gekämpft hatten.

Zum Abschluss des Abends erklangen noch zwei eher positiv gestimmte Lieder. Eines hieß „Fantasie von übermorgen“ und stammte von Erich Kästner. Die Frauen sagen in diesem Stück „Nein“ zum Krieg und sperren Brüder, Söhne und Ehemänner kurzerhand in ein Zimmer ein. Auch das Lied „Wünsch mir eine Welt“ hatte eher utopischen Charakter. „Alle sagen, wir haben endlich den Krieg verloren“, hieß es da. „Und wir können ihn nicht wiederfinden.“  Mit langem Beifall dankte das Publikum im voll besetzten Rathaussaal dem Chor und der Geschichtswerkstatt für den eindrucksvollen und ergreifenden Abend.

von Bettina Preussner

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