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Liebesreigen in sommerlicher Nacht

Premiere Liebesreigen in sommerlicher Nacht

Es ist bereits die 20. Produktion der Waggonhalle. Das Team um Regisseur Matze Schmidt hat sich eine luftig-leichte Komödie geschenkt: Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“. Das Premierenpublikum war begeistert.

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Verträumt, farbenfroh und temperamentvoll: Die Waggonhalle präsentiert derzeit einen lustvollen Sommernachtstraum.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Liebt sie mich oder liebt sie mich nicht? Das war die Frage, um die sich alles drehte im „Sommernachtstraum“ am Freitagabend. Die Liebe ist ein seltsames Spiel, und ganz schwierig wird es, wenn sich Trolle, Elfen und Feen einmischen und nur noch Chaos stiften.

Hermia liebt Lysander und Helena liebt Demetrius. Aber nur so lange, bis der Waldgeist Puck mit seinem Zaubertrank die Sinne der Liebenden verwirrt und alle plötzlich den Falschen lieben. Auch die Elfenkönigin erliegt der Wirkung des Wundersafts, denn sie verknallt sich auf der Stelle in einen Esel. „Amor ist ein böser Troll!“, ruft Puck und hat seinen Spaß an den Irrungen und Wirrungen. Denn er hat die Vernunft außer Kraft gesetzt und freut sich über das entstandene Durcheinander. Schließlich hebt er den Zauber wieder auf und die Paare finden in einem glücklichen Happy End zueinander. Am Schluss fragen sich alle: War das vielleicht nur der Traum einer langen, viel zu warmen Sommernacht?

Matze Schmidts Inszenierung besticht durch Offenheit und Verspieltheit, sie ist kurzweilig und quicklebendig, witzig, phantasievoll und ein bisschen schrill. Auf der Bühne geht es hoch her: Der Hofstaat von Theseus, dem Vater der Hermia, ist ein verdrehter Haufen, der auf Sitzsäcken herum­ lümmelt, die quirligen Elfen in ihren kunterbunten Kostümen hüpfen dem schrulligen Puck hinterher, und die zarte Elfenkönigin liegt mit ihrem wunderschönen Esel ganz beglückt im Himmelbett.

Hermia tobt als total verliebte und rasend eifersüchtige junge Frau über die Bühne, während sich die eher schüchterne Helena über die Männer wundert, die durch den Zaubertrank nur noch Augen für sie haben. Alles ist Traum und Spuk und Phantasie in diesem Stück, ein herrlicher Reigen, ein großer Spaß. Aber im Grunde geht es vor allem um die Frage, ob die Liebe selbst nur eine Täuschung ist.

Verrückt-romantische Kostüme

Die 19 Darstellerinnen und Darsteller spielten bei der Premiere am Freitag mit viel Temperament, Energie und Engagement. Ihre Konzentration war stark gefordert, denn es wurde auf vielen verschiedenen Ebenen gespielt.

Als sehr gute Idee erwies sich das Raumkonzept der Inszenierung. Die Waldszenen wurden draußen vor der Waggonhalle gespielt, ein großes Bett war dort aufgebaut. Auf einer Projektionsleinwand und durch die Fenster konnten die Zuschauer die Handlung draußen verfolgen. Passanten durften gerne zuschauen, und so wurden staunende Kinder und amüsierte Erwachsene Teil der offenen Inszenierung.

Zum Gelingen der Aufführung trugen schließlich die vielen romantischen und verrückten Kostüme bei. Daniela Vogt zeichnete für die Ausstattung verantwortlich, das Bühnenbild hat sie ebenfalls geschaffen.

Textliche Grundlage der Inszenierung ist eine Übersetzung von Frank Günther, die sich stärker an die heutige Alltagssprache anlehnt, aber dennoch der Sprache Shakespeares gerecht wird. Mit stürmischem Beifall belohnten die Zuschauer am Freitag die tollen Ideen und die Leistung des Teams um Regisseur Matze Schmidt.

  • Bis zum 17. August gibt es noch zehn weitere Aufführungen von „Ein Sommernachtstraum“.

von Bettina Preussner

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