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Liebesreigen im Landschaftspark

Thomas Hettche Liebesreigen im Landschaftspark

Sein historischer Roman „Pfaueninsel“ stand auf der Shortlist zum Deutschen Buchpreis. Am Montagabend stellte der Autor Thomas Hettche im TTZ seine Dreiecksgeschichte vor.

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Der im Vogelsberg geborene und in Berlin lebende Autor Thomas Hettche las im Technologie- und Tagungszentrum aus seinem neuen Roman „Pfaueninsel“.

Quelle: Bettina Preussner

Marburg. Thomas Hettche ist ein freundlicher, etwas zurückhaltender Mensch, der nicht viele Worte macht. „Ich bin nicht für lange Erklärungen. Die Aufgabe eines Autors ist das Schreiben“, sagte er und begann nach dieser knappen Einleitung sofort mit der Lesung. Die Pfaueninsel, die dem Roman den Titel gibt, ist eine kleine Insel in der Havel vor den Toren Berlins. 1794 wurde dort ein Lustschloss erbaut, 1821 legte Joseph Lenné einen Landschaftspark im englischen Stil an.

In dieser abgeschiedenen Welt spielt die Geschichte von Thomas Hettche. Im 19. Jahrhundert gab es dort nicht nur einen Park, sondern auch eine Fülle exotischer Tiere, Kängurus, Pfauen und ein Löwe tummelten sich zwischen Palmen, Büschen und Gräsern. Im Roman leben auf dieser Insel auch das Zwergen-Geschwisterpaar Marie und Christian und der junge Hofgärtner Gustav. Zwischen den dreien entspinnt sich eine vielschichtige Geschichte: Marie ist verliebt in Gustav, von dem sie ein Kind erwartet, Gustav aber fühlt sich heimlich zu Christian hingezogen.

Der Roman „Pfaueninsel“ ist in anschaulicher und fesselnder Sprache geschrieben, in lebendigen Bildern lässt Hettche die ferne Welt des 19. Jahrhunderts wieder aufleben. Der Autor beobachtet sehr genau und schreibt mit viel Einfühlungsvermögen. Immer wieder streut er grundlegende Betrachtungen in die Geschichte ein. „Schönheit, was ist das?“ schreibt er mit Blick auf die Zwergin Marie. An anderer Stelle heißt es: „Wir sagen: Die Zeit vergeht. Dabei sind wir es, die verschwinden.“

Bayerischer Buchpreis für „Pfaueninsel“

In der Gesprächsrunde nach der Lesung wurde der Schriftsteller gefragt, wie er auf dieses Thema gekommen sei. „Das war Zufall“, erklärte Hettche. „Vor einigen Jahren war ich Stipendiat in Berlin. Der westlichste Punkt des geteilten Berlin war damals die Pfaueninsel. Dieser Ort wirkte wie aus der Zeit gefallen.“ Für sein Buch hat er in preußischen Archiven recherchiert, das Zwergenpaar Marie und Christian hat es tatsächlich gegeben.

Thomas Hettche wurde 1964 in einem Dorf am Rande des Vogelbergs geboren. Er studierte Germanistik, Filmwissenschaft und Philosophie in Frankfurt und lebt heute als freier Schriftsteller in Berlin. Einem breiteren Publikum wurde er bekannt durch seinen Roman „Der Fall Arbogast“, der sich mit einem Justizirrtum befasst. Für seinen neuen Roman „Pfaueninsel“ erhielt er den Wilhelm-Raabe-Literaturpreis sowie den Bayerischen Buchpreis.

Der Autor setzt sich auch für die Förderung des literarischen Nachwuchses ein. Zusammen mit der Dozentin Dr. Erika Schellenberger-Diederich vom Staatlichen Schulamt hat er am Montag und Dienstag an der Marburger Elisabethschule das Projekt „Schreibkunst“ durchgeführt, an dem Schüler aus sechs hessischen Schulen teilnahmen.

von Bettina Preussner

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