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Liebeserklärungen an Marburg

Buch von Marita Metz-Becker Liebeserklärungen an Marburg

Die Kulturwissenschaftlerin Marita Metz-Becker liebt Marburg. Ihrer „Schicksalsstadt“ hat sie ein neues Buch gewidmet mit Liebeserklärungen von berühmten Besuchern aus drei Jahrhunderten.

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Marburg ist wunderschön, wie dieser Blick vom Weidenhäuser Wehr zeigt. Das sagen auch Autoren aus drei Jahrhunderten, deren Marburg-Erinnerungen Marita Metz-Becker zusammengetragen hat.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. „Hommage an Marburg“ hat Professorin Marita Metz-Becker (Foto: Uwe Badouin) ihr Buch betitelt. Es ist ihr mittlerweile zwölftes Buch über Marburg. Sie hat über Schriftstellerinnen geforscht und geschrieben, das „gelehrte Marburg“, „berühmte Frauen in Marburg“ und Denk-mäler vorgestellt sowie Kulturgeschichten verfasst. Selbst ihre Forschungen über Gebärhäuser haben einen Marburg-Bezug.

Warum immer wieder Marburg? „Ich hänge sehr an Marburg, lese sehr viel und stoße immer wieder auf Neues“, sagt sie im Gespräch mit der OP.

Der 1975 in Breitscheid im Westerwald geborenen Wissenschaftlerin und Autorin geht es ähnlich wie einer berühmten Vorgängerin: 1912 kam Luise Berthold nach Marburg. Die Germanistin war eine Pionierin an der Philipps-Universität. Sie war die erste und für 22 lange Jahre einzige Dozentin in der Männer-Domäne Universität. „So kam es, daß ich Ende April 1912 über die große Lahnbrücke in Marburg einzog, ohne zu ahnen, daß ich damit meine Schicksalsstadt betreten hatte“, schrieb sie in ihrer Autobiografie „Erlebtes und Erinnertes“. Ähnlich ging es viele Jahrzehnte später auch Marita Metz-Becker.

24 Stimmen aus drei Jahrhunderten

Luise Bertholt ist eine von 24 Stimmen, die Marita Metz-Becker für ihre „Hommage an Marburg“ zusammengetragen hat. Das Buch fasst Erinnerungen und Impressionen aus drei Jahrhunderten zusammen, „die der kleinen Universitätsstadt ein großes Denkmal setzen“, so die Autorin.

Nobelpreisträger wie Boris Pasternak und Thomas S. Elliot sind ebenso darunter wie die Autorinnen und Autoren Christine Brückner, Rainer Maria Rilke, Jacob Grimm oder Bettina Brentano. Sie alle waren in Marburg, haben sich in Autobiografien oder Briefen über die Stadt geäußert. T.S. Elliot etwa liebte das deutsche Essen: „Das Essen ist hervorragend - die deutsche Kost sagt mir zu! Die Deutschen sagen mir zu! Und wir haben fünf Mahlzeiten pro Tag. Ich mäste mich; die Frau Pfarrer meint, ich esse nicht genug. Außerdem schwimme ich (es gibt Schwimmbäder hier) oder gehe spazieren (herrliche Spazierwege in den Wäldern), aber nicht weit, weil ich immer rechtzeitig zur nächsten Mahlzeit zurück sein muß.“ Und er stellt schließlich fest: „Marburg ist bezaubernd (...) Es scheint ein bei aller Enge wundervoll zivilisiertes Städtchen zu sein.“ Warum? Der US-Amerikaner, der sich 1914 zu einem Sommerferienkurs an der Philipps-Universität aufhielt, bekam „nämlich überall Abdulla-Zigaretten“.

So etwas liest man in Marburg natürlich gerne. Und Professorin Metz-Becker hat streng darauf geachtet, „nur lobende Erwähnungen“ in ihr Buch aufzunehmen, „weil ja schon genug gemeckert wird“.

Lisa de Boor, Mitbegründerin der Christengemeinschaft in Marburg und Mitglied der Anthroposophischen Gemeinschaft, hat nicht gemeckert: „Marburg hat das (Prahlen mit einer glanzvollen Vergangenheit, Anm. d. Red.) nicht nötig, das wird jeder sehen, der die Stadt durchwandert, ihm werden die Steine reden, sie ist mitnichten die kleinste der Städte des Landes und die schönste ist sie auf alle Fälle.“

Buch für breites Publikum

Und immer wieder sind es die Studenten und die Universität und die Wissenschaft, die die Autoren nach Marburg gelockt und später beschäftigt haben. Adolph Freiherr von Knigge war im Januar 1770 in Marburg und stellt fest: „Auf der Gasse ist noch alles lustig. Und die wenigen Studenten, die hier sind, machen Lärm genug für ihr Geld.“ Die krummen, schiefen Straßen, die gotische Stadtansicht beeindruckte Besucher aus aller Welt: „Wenn das hier nur eine Stadt wäre! Aber es ist ja ein mittelalterliches Märchen“, schrieb Boris Pasternak.

Für Marita Metz-Becker ist die „Hommage an Marburg“ ein Vademecum, ein unentbehrlicher Begleiter, für Marburg. Das im Marburger Jonas-Verlag erschienene Buch richtet sich an ein breites Publikum, an Besucher wie Marburger gleichermaßen.

Und es sollte Pflichtlektüre für alle Marburger Meckerfritzen werden.

Marita Metz-Becker: „Hommage an Marburg. Poetische Impressionen durch drei Jahrhunderte“, Jonas-Verlag, 94 Seiten, 8 Euro.

von Uwe Badouin

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