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"Liebesbeweise" vom "Facharzt"

Dr. Eckart von Hirschhausen "Liebesbeweise" vom "Facharzt"

Fahrstuhlfahren und Humor, die Liebe und Hormone, warum man als Prüfling bluffen und als Patient bei der Frage nach Stuhlgang lügen sollte - für diese Spezialgebiete gibt es einen „Facharzt“: Eckart von Hirschhausen.

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Eckhart von Hirschhausen mit Clownsnase: Die „emotionalen Airbags“ konnte das Publikum in der Stadthalle kaufen, schließlich unterstützt der Medizinkabarettist die Clown-Doktoren.

Quelle: Nadja Schwarzwäller

Marburg. Wer hätte gedacht, dass er mit medizinischem Kabarett einmal große Hallen füllen würde. Hallen, die kurz vor dem Abriss stehen, scherzt Dr. Eckart von Hirschhausen und hat das Marburger Publikum sofort auf seiner Seite. Seine Hausaufgaben hat der studierte Neurologe gemacht: Er ist mit den Gegebenheiten vor Ort vertraut, ein Exemplar der „Oberhessischen Presse“ gehört zu seinen Requisiten und Fotos aus Marburg werden ins Programm eingebaut. Eines zeigt ein IT-Geschäft und einen „Ökoladen“ in direkter Nachbarschaft. „Das ist Marburg“, stellt Hirschhausen fest: „Gesund essen, aber die beste Handyverbindung“.

Wer indes zu spät kommt zur Vorstellung, kann sich gleich mal warm anziehen. Eckart von Hirschhausen verlässt die Bühne, fragt nach, woran es gelegen hat und klärt die beiden darüber auf, dass jeder im Publikum sich zuvor bereits vorgestellt und sein Problem geschildert hat.

„Du hast Dein Problem ja dabei?“ Jeden Ball, den er in einem Gespräch zugespielt bekommt, versucht er zu verwandeln. „Student? Weißt Du Dein Fach noch?“ Und die Kollegen Ärzte müssen natürlich den ein oder anderen Seitenhieb verdauen.

Ein Pärchen liefert Hirschhausen mit der Geschichte des ersten Kusses in einem Hotelfahrstuhl Gag-Material und dass man als Journalist in der Halle seine Arbeit nicht unkommentiert tun kann, dürfte sich von selbst verstehen. „Was steht denn da schon?“, fragt er mit Blick auf den Schreibblock, „laue Gags?“. Medikamentennamen will er dann entziffert haben. Und er lobt: „Fotografieren und schreiben? Das ist Multitasking“. Klar, als Frau?!

Frauen, Männer und die Liebe sind auch die Themen des Programms, das „Liebesbeweise“ heißt und damit ist Eckart von Hirschhausen seit 2009 bereits unterwegs.

Profi-Prüfingstipp: Schlauer gucken, als man ist

Dabei lernen die Zuschauer, dass Menschen, die sich geliebt fühlen, weniger Infarkte erleiden, die Bindung an einen Partner ein Abfall-Produkt der Evolution ist und ein Mann aus einem Mangel an Information entsteht. „Ich wünschte, es wäre ein Gag“, sagt Hirschhausen. Aber nein: die x- und y-Chromosomen sind Fakt.

Nicht unbedingt ernste, aber sehr ernst gemeinte Töne schlägt er an, wenn es um das Thema Organspende und seine Stiftung „Humor hilft heilen“ geht. Die unterstützt Clown-Doktoren bei ihrer Arbeit. Die Marburger Zuschauer konnten rote Clownsnasen kaufen - im Alltag wunderbar als „emotionaler Airbag“ zu gebrauchen, wie Eckart von Hirschhausen erklärte. Lachen ist eben tatsächlich gesund. Und positive Gedanken wirken. Genau wie negative.

Eine Hälfte des Publikums war dazu aufgerufen, auf eine Postkarte den schlimmsten Streit zu schreiben, an den man sich erinnern kann, die andere Hälfte sollte die schönste Liebeserklärung notieren. Nach der Pause dann die Frage an beide Gruppen, wer Spaß in der Pause hatte - und die Reaktion auf Seiten der „Liebes“-Gruppe war die entspanntere. „Wenn 15 Minuten schon eine Wirkung haben, was passiert dann nach 15 Jahren?“

Deshalb auch der Rat an alle, die eine Prüfung vor sich haben: „Schlauer gucken, als man ist.“ Wer ein blödes Gesicht macht, dem glaubt sein eigenes Gehirn. Mit anderen Worten: „Bluffen, bluffen, bluffen“. Zum Thema Liebe gehören natürlich auch entsprechende Lieder. Die intoniert Eckart von Hirschhausen vom Klavier von Christoph Reuter begleitet. Die Zugabe lautet folgerichtig „All you need is love“ und das erklärte Ziel für Hirschhausen ist, dass jeder Zuschauer einen guten Gedanken mitnehmen möge. Das macht über 1000 gute Gedanken für Marburg. Dafür gab es verdienten Applaus und vereinzelt sogar stehende Ovationen.

von Nadja Schwarzwäller

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