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Liebe oder Schlankheitswahn?

"Fettes Schwein" Liebe oder Schlankheitswahn?

Eine Gesellschaft zwischen Konformitätszwang, Schönheitskult und Selbstoptimierungswahn: Regisseur Gerald Gluth-Goldmann begibt sich für „Fettes Schwein“ auf die Suche nach den Tabu-zonen der Gesellschaft.

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Alexander Peller und Franziska Knetsch in „Fettes Schwein“.Foto: Hessisches Landestheater Marburg

Marburg. Tom sieht gut aus, ist erfolgreich bei Frauen, und auch im Job läuft es super. Aber mit der Liebe will es nicht richtig klappen; bis er Helen trifft. Helen vereint in sich alle Eigenschaften, die Tom bei einer Frau gesucht hat. Es gibt nur einen kleinen Haken: Helen trägt Kleidergröße XXL.

Tom bewegt sich beruflich und privat in einem Umfeld, das großen Wert auf Äußerlichkeiten legt: Wer hier anerkannt sein will, muss seinen Körper perfekt in Schuss und somit den eigenen Marktwert oben halten. Als Toms Freunde Helen das erste Mal treffen, sind sie entsetzt: Was will er denn mit diesem „Fetten Schwein“? Tom sieht sich vor die moralische Frage gestellt, inwiefern er gesellschaftliche Anerkennung und Akzeptanz über seine Gefühle zu Helen stellt. Neil LaBute, der als Regisseur und Drehbuchautor von Hollywoodfilmen bekannt wurde und zu den wichtigsten amerikanischen Theaterautoren der Gegenwart gehört, erzählt in „Fettes Schwein“ davon, wie Konformitätszwang, Schönheitskult und Selbstoptimierungswahn die Seelen und Beziehungen der Menschen korrumpieren.

Regisseur Gerald Gluth-Goldmann, der jüngst mit „Ein Sommernachtstraum“ sein komödiantisches Können erneut unter Beweis gestellt hat, legt für „Fettes Schwein“ eher Wert auf psychologisch-realistisches Spiel. Den auf den ersten Blick negativen Figuren des Stückes verhilft er zu ihrem Recht, er verurteilt sie nicht.

Statt dessen finden sich, unterstützt durch das eher naturalistische Bühnenbild, für das Gluth-Goldmann auch selbst verantwortlich zeichnet, immer wieder Identifikationspunkte, die durch slapstickhafte Zuspitzung und Momente der Überhöhung wieder aufgebrochen werden.

Die von Franziska Junge gezeichneten Animationen unterstützen die Skurrilität des Stoffes. Sie öffnen neue Spielflächen oder fügen sich aber in Toms Büroalltag ein.

In der Rolle des Tom gibt Alexander Peiler sein Marburger Bühnendebüt. An seiner Seite entzieht sich Franziska Knetsch als Helen den gesellschaftlichen Konformitätszwängen, die ihr Toms Freunde Jeannie (Victoria Schmidt) und Carter (Daniel Sempf) aufzuzwingen versuchen

"Fettes Schwein“ feiert am Samstag, 27. September, ab 19.30 Uhr Premiere im Theater im Schwanhof. Weitere Aufführungen gibt es am Dienstag, 30. September sowie am 11., 15., 18. und 28. Oktober jeweils ab 19.30 Uhr.

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