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Licht führt vom Tod zum ewigen Leben

Konzert Licht führt vom Tod zum ewigen Leben

600 Besucher erlebten am Karfreitag eine herzbewegende Ausdeutung der Bach‘schen „Johannespassion“ durch die Kurhessische Kantorei Marburg, fünf Vokalsolisten und das Main-Barockorchester Frankfurt.

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Solist Tobias Scharfenberger und die Kurhessische Kantorei Marburg brachten in der Pfarrkirche Bachs „Johannespassion“ zu Gehör.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Die hiesige Kurhessische Kantorei mit rund 80 Erwachsenen, davon ein Drittel Männer, wurde in der Marburger Pfarrkirche bei den Chorälen von ihrem Kinderchor mit fast 30 kleinen Sängerinnen und Sängern unterstützt, die Sabine Barth glänzend einstudiert hatte. Mit spürbarer Freude formte Landeskirchenmusikdirektor Uwe Maibaum daraus einen ausgewogenen, in den Pianos bezaubernd lichten und leichten Chorklang, dem die Kleinen noch mehr Frische und Glanz verliehen.

Der große Chor berührte mit einfühlsamer Ausdeutung das Gemüt der Zuhörer, die ergriffen lauschten. Eingangschor und Turbachöre gestaltete die Kurhessische Kantorei Marburg mit Kraft und Leidenschaft. Glänzend, wie sie tonal und rhythmisch das aufgebrachte Volk charakterisierte. Auch wenn die Fortes hart waren: Solch eine druckvolle Unmittelbarkeit erlebt man in einem Konzert selten.

Dabei blieben in den fungierten Verläufen die einzelnen Stimmgruppen in Ton und Text fast immer durchhörbar. Nur extreme Höhen klangen angestrengt und Tiefen undifferenziert. Punktuelle Unkonzentriertheiten und Unebenheiten bei Einsätzen und rhythmischen Wendungen übersang der Chor routiniert. Einzig die Betonung von Endsilben war – auch in den Chorälen – manchmal uneinheitlich bis unhörbar. Von den Vokalsolisten hatte der Altus Matthias Lucht als Evangelist den größten Part. Luchts heller und klarer Stimme fehlte beim „bitterlichen Weinen“ die Wärme. Längere Passagen mit melodischer Verzierung wirkten tonal und atemtechnisch unausgereift.

Die Sopranistin Anna Palupski sang ihre Arien voller Lieblichkeit und Leichtigkeit. Der Bassist Thomas Hamberger verlieh den Jesuworten innere Kraft und Wärme. Tobias Scharfenberger ließ im Bass-Arioso die „schönsten Himmelsschlüsselblumen blühen“. Mark Heines verlieh in der Tenor-Arie dem „allerschönsten Regenbogen“ Farbigkeit. Das Main-Barockorchester Frankfurt war ein kongenialer Begleiter mit exzellenten Solisten. Die Streicher spielten in warmem Ton barocker Stimmung, mit samtigem Klang in fast immer austariertem Orchesterklang.

Uwe Maibaum dirigierte mit Umsicht und Einfühlungsvermögen, präzise, klar und schlank, mit fließenden Bewegungen oder akzentuierten Hinweisen. Musik und Malerei gingen unter dem Thema „Johannespassion“ in der Pfarrkirche eine meditative Synthese ein. Licht thematisierten und reflektierten beide. Bachs Musik von Schmerz, Tod und Trauer hin zur Auferstehung korrespondierte mit Harald Häusers zwölf großformatigen Bildern unter dem Titel „Lichtwerdung“.

Fixpunkt war das im Altarraum aufgehängte und mit Strahlern beleuchtete Bild „Er neigte sein Haupt und übergab seinen Geist“. Lobenswert, dass die Reflexion von Musik und Malerei nicht durch Applaus zerstört wurde.

von Helmut Rottmann

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