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Mutig gewesen in größter Not

Lesung: Ingrid Strobl Mutig gewesen in größter Not

Stühle mussten noch hinzugestellt werden, damit die Gäste Platz finden konnten – zur Lesung von Ingrid Strobl im Café Trauma kamen viele Interessierte, um etwas über jüdische Widerstandskämpferinnen zu erfahren.

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Ingrid Strobl stellte ihr Buch im Café Trauma vor.

Quelle: Nigar Ghasimi

Marburg. Ingrid Strobl stellte ihr Buch „Die Angst kam erst danach. Jüdische Frauen im Widerstand 1939–1945“ vor. Vier Jahre lang interviewte sie dafür rund 63 Personen, hauptsächlich Frauen. Dabei erfuhr sie, dass die Kämpferinnen im Ghettountergrund und bei den Partisanen tätig waren. Sie organisierten Aufstände und waren im Prinzip für die meisten außerhäuslichen Tätigkeiten verantwortlich. Da sie seltener kontrolliert wurden als Männer, gab es von Waffenlieferungen bis hin zu Anschlagsspionage keine Aufgabe, derer sie sich entzogen, so Strobl.

Neben dem bewaffneten Widerstand, in dem sie aktiv waren, wurden besonders die jungen Frauen für die Kinder­rettungsaktionen eingesetzt. Meist entwickelten sich solche Handlungen auch durch die alltäglichen Arbeiten als Sozialarbeiterinnen oder Kindergärtnerinnen. Sie legten codierte Listen an, um die Kinder, die sie versteckt hatten und die eventuell weitergereicht wurden, nach der Befreiung wiederfinden zu können. Auch auf seelischer Ebene kümmerten sie sich um die Kinder.

Großer Einsatz 
in Extremsituationen

So vermittelten sie Briefe zwischen ihnen und ihren Eltern und erdichteten tröstende Erklärungen, wenn die Eltern ermordet wurden und kein Brief mehr ankam. Dieses Buch beleuchtet nicht nur die Rolle jüdischer Frauen im Widerstand, sondern es schildert vor allem auch deren Fähigkeiten in Extremsituationen, die sich auch mit anderen zeitgeschichtlichen Ereignissen verbinden lassen.

Ingrid Strobl berichtete von der Rolle der Frau in der jüdischen Kultur und Gesellschaft und vom Weg ihrer Politisierung. Durch verschiedene Kontakte schuf Strobl sich ein Netzwerk, durch das sie Zugang zu den Widerstandskämpferinnen fand, die sich selbst erst rückblickend als solche betrachten konnten. Es war sicherlich auch ihrer freundlichen und offenen Art geschuldet, dass der Autorin diese Gespräche gewährt wurden. Im Anschluss an die Lesung diskutierte Strobl noch intensiv mit den Besuchern.

von Nigar Ghasimi

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