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Marburg in der Nachkriegszeit

Lesung: Hans-Rudolf König Marburg in der Nachkriegszeit

1986 wanderte Hans-Rudolf König nach Teneriffa aus. Erinnerungen an Marburg hat er aber noch viele. Deshalb siedelt er die Handlung seines Romans auch in der alten Heimat an.

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Hans-Rudolf König las aus seinem Roman.

Quelle: Nadja Schwarzwäller

Marburg. Trümmergrundstücke in der Nordstadt als Abenteuerspielplätze. Der alte Bota­nische Garten, wo man auf dem See im Winter Schlittschuh laufen konnte. Und „das Inselchen“ hinter der Elisabethkirche: Platz, um Staudämme zu bauen und Gräben zu graben. So sah Marburg in der Nachkriegszeit für Karlchen aus.

Karlchen ist ein ungewolltes Kind, ein Nachzügler, schmächtig und von Neurodermitis geplagt. Als Baby ist er entweder in der Klinik oder im Luftschutzbunker. Wie sein Leben sich entwickelt, erzählt Hans-Rudolf König in seinem Roman „Blonde Engel – schwarze Scheiben“.

Dass es ein Roman ist, darauf legt der Autor großen Wert. „Die Figuren sind alle frei erfunden“, betont er zu Beginn seiner Lesung im Haus der Ketzerbachgesellschaft. Nur für den Fall, dass Zuhörer meinen, jemanden wiederzuerkennen. Trotzdem wird an vielen Stellen genickt und ­
geschmunzelt.

Der Autor lebt heute auf Teneriffa

Einige der gut 50 Gäste im Haus der Ketzerbachgesellschaft erinnern sich offenbar selbst noch gut an die Zeiten, in denen Königs Roman startet. An selbstgedrehte Zigaretten aus den Kippenresten der Amerikaner, an die Jukebox im Musikhaus Müller. Im Verlauf der Geschichte geht es zum Beispiel mit Karlchen, seiner besten Freundin Hermine, deren Schwester und ihrem „Macker“ ins Capitol, wo „Denn sie wissen nicht, was sie tun“ läuft oder später, in den 1970ern, zu zwanglosen Studentenparties in dem Haus, in dem Karlchen mit seiner Frau lebt. Blonde Engel und schwarze Scheiben prägen sein Leben nachhaltig, nicht umsonst trägt der Roman diesen Titel. Es ist das dritte Buch, das Hans-Rudolf König veröffentlicht hat.

Darin erzählt er von den ersten zehn Jahren „Hölle im Paradies“, die er mit seiner Familie auf Teneriffa verbracht hat. Sein zweites Buch wurde dann ein Krimi um die verschwundenen Stasi-Millionen, das auf ­Teneriffa spielt.

Mit „Blonde Engel – schwarze Scheiben“ wollte er nun unbedingt auch wieder nach Marburg kommen. Die Kulisse der Universitätsstadt ist schließlich gewissermaßen eine Hauptfigur. Viele Bekannte von früher nutzten die Gelegenheit, den Auswanderer wiederzutreffen.

  • Das Buch hat 383 Seiten, ist im Selbstverlag erschienen, kostet 15 Euro und ist erhältlich unter der E-Mail-Adresse koenig.tenerife@hotmail.com.

von Nadja Schwarzwäller

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