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Leidenschaftliche Musik aus Böhmen

Vlach-Quartett gastierte beim Konzertverein Leidenschaftliche Musik aus Böhmen

Mit ihrem Spiel auf höchstem Niveau begeisterte das Vlach-Quartett aus Prag die Besucher im Audimax bei ihrem Gastspiel beim Konzertverein.

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Das Vlach-Quartett aus Prag spielte auf Einladung des Marburger Konzertvereins im Audimax der Philipps-Universität.

Quelle: Michael Hoffsteter

Marburg. Bedächtig fing das Konzert an mit Haydns Streichquartett op. 33 Nr. 3. Mit ganz feinen, unaufdringlichen Glissandi ahmte Jana Vlachová, Gründerin des Quartetts, den Vogelruf nach, das dem Streichquartett den Beinamen „Vogelquartett“ verlieh.

Doch das so beiläufige, natürlich wirkende Zirpen war nur der Anfang des breiten Spektrums auf allerhöchstem Niveau, das insbesondere Vlachová beim Konzert des Konzertvereins im Audimax bot. Mal klang ihre Geige tief wie eine Bratsche, mal ließ Vlachová ihre Geige sicher die höchsten Töne singen und garnierte ihr Spiel immer wieder mit leichten Trillern.

30-jährige Bühnenerfahrung

Im Gespräch mit der OP nach dem Konzert zeigten sich die Musiker begeistert vom Marburger Publikum. „Es inspiriert mich – ich bin begeistert“, sagte Vlachová und bekräftigte, sie habe es sehr genossen hier zu spielen. Seit 30 Jahren spielen die Musiker bereits zusammen, vor sechs Jahren kam der 31-jährige Jirí Kabát als neuer Bratschist hinzu.

Mit starkem Strich überzeugte er etwa zu Beginn des Streichquartetts Nr. 1 „Aus meinem Leben“ von Bedrich Smetana, bei dem sein Instrument durch eine unglaublich satte Klangfarbe überzeugte. Dabei spielt er auf seiner Viola seit noch nicht mal einem Jahr, wie er im Gespräch erzählte. Das Instrument stamme von einem jungen tschechischen Geigenbauer, im ähnlichen Alter wie er selbst, wie er hinzufügte.

Das Vlach-Quartett zeigte sich im Audimax hervorragend aufeinander eingespielt. „Wir kennen uns ziemlich gut“, so der schwedische Cellist und Ehemann von Vlachovà Mikael Ericsson. So reichte zwischen den Musikern oft nur ein kurzer Augenkontakt.

Leisen Klängen folgen Kraft und Leidenschaft

Es war ruhig zwischen den vier aus Tschechien. Fast schien es, als sei jeder für sich in der schönen Musik versunken – und als Zuhörer folgte man ihnen nur zu gern. Auf den vergleichsweise ruhig gehaltenen Haydn, bei dem das Quartett immer wieder die Lautstärke anschwellen ließ, folgten mit den Streichquartetten von Smetana und Dvorák zwei Werke voller Kraft und Leidenschaft.

Besonders abwechslungsreich gestaltete sich das Streichquartett von Antonín Dvorák, das als sein amerikanisches Abschiedslied gilt und nach seiner Rückkehr im Herbst 1895 vollendet wurde. Nach dem langsamen Satz, der vom Vlach-Quartett wunderbar ruhig und ausgeglichen interpretiert wurde, wirkte das Finale mit dem Polkathema umso leichter und fröhlicher. Hervorragend meisterte das Quartett den Wechsel zwischen dem tänzerischen Hauptthema und den beiden Seitenthemen, bis zum energischen Finale.

Erst nach drei Zugaben ließ das Publikum das Vlach-Quartett von der Bühne gehen. „Ich hoffe, Sie haben nichts dagegen, wenn wir noch was Tschechisches spielen“, so Ericsson. Gespielt wurde das bekannte Poème von Zdenek Fibich, die Bearbeitung der Zypresse Nr. 11 von Dvorák und die Vertonung eines tschechischen Volksliedes von Václav Trojan.

von Mareike Bader

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