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Leben und Sterben eines Anarchisten

Lesung Leben und Sterben eines Anarchisten

Liest Harry Rowohlt in Marburg, ist Marburg auf den Beinen. Zur gesetzteren Stammzuhörerschaft gesellte sich am Donnerstag im KFZ viel junges Publikum, um zu erleben, wie viel Rock‘n‘Roll im Leben eines längst toten Polit-Literaten steckte.

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Thomas Ebermann (links) und Harry Rowohlt stellten im KFZ gemeinsam mit Musiken der Hamburger Schule Erich Mühsam vor.

Quelle: Carsten Beckmann

Marburg. Auf Großdemos marschieren sie für gewöhnlich in verschiedenen Blöcken, am Donnerstagabend quetschten sie sich in den ausverkauften Kulturladen: wehmütige Alt-Linke gingen polizeikessel eng auf Tuchfühlung mit frisch agitierten Jung-Spontis, graue Häupter reckten neben schwarzen Kapuzen ihre Hälse, um den wie immer fast hinter seinem Tisch versinkenden Harry Rowohlt zu erleben.

Mit dem linksgrünen Polit-Urgestein Thomas Ebermann an seiner Seite las Rowohlt ausschließlich Prosatexte Erich Mühsams und zeichnete das Leben und Sterben des Anarchisten, Bohèmiens und Literaten nach, der 1934 von den Nazis ermordet wurde.

Die Interpretation von Mühsams gereimtem Werk überließen Rowohlt und Ebermann einem Trio, das am anderen Bühnenrand eine Auswahl politischer Gedichte durch den musikalischen Filter der Hamburger Schule presste: Knarf Rellöm, Frank Spilker und Manuel Schwiers interpretierten mit viel Mut zu Banalität und Stilbruch die Krieg- und Kerkerlyrik Mühsams, der die rohe Rock‘n‘Roll-Anmutung zumindest beim ersten Hören nicht so recht zu stehen schien.

Von Carsten Beckmann

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