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Langeweile auf gepflegtem Niveau

Kino: „Nur eine Stunde Ruhe“ Langeweile auf gepflegtem Niveau

Christian Clavier („Monsieur Claude und seine Töchter“) und Carole Bouquet agieren im Kino als Stars von Florian Zellers erfolgreichem Bühnenstück „Nur eine Stunde Ruhe“. Eine Posse über verlogenes Bürgertum.

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Michel (Christian Clavier, rechts) wünscht sich „Nur eine Stunde Ruhe“. Pavel (Stephane De Groodt) hat dafür Verständnis.

Quelle: Pascal Chantier

Marburg. Florian Zeller gilt als Liebling der Pariser Gesellschaft. Nicht nur, dass der hübsche 35-Jährige mit dem modisch wirren Haar Professor für Literatur und preisgekrönter, in viele Sprachen übersetzter Verfasser von Romanen und Theaterstücken ist.

Man kennt ihn auch als Gatten von Schauspielerin Marine Delterme, einem ehemaligen Star-Model. Kein Wunder also, dass Zeller über Gesellschaftskenntnisse verfügt, die er etwa 2011 in seine Erfolgskomödie über Ehelügen, „Die Wahrheit“, einfließen ließ.

Regisseur legt viel Wert auf Ausstattung

Quasi zum Nachfolger dieser auch an deutschen Bühnen Furore machenden wortwitzigen Schlacht geriet dem Autor „Nur eine Stunde Ruhe“. Nun kann man die Posse über bislang verborgene Tatsachen einer gediegen-bürgerlichen Familie auch mit Stars besetzt im Kino sehen.

Regie-Altmeister Patrice Leconte (67, „Die Verlobung des Monsieur Hire“) erzählt das munter vor sich hin plätschernde Kammerspiel mit Christian Clavier und Carole Bouquet – Aktrice (Buñuels „Dieses obskure Objekt der Begierde“) und früheres „Chanel“-Werbegesicht – sowie einem ganzen Trupp an Nebendarstellern.

Viel Wert hat der Regisseur auf das mit edlen Möbeln, vielen Büchern und Platten sowie asiatischer Kunst ausgestattete Altbau-Apartment des Zahnarztes Michel (Clavier) gelegt – im Prinzip also eine Oase der Stille im hektischen Paris. Hier wünscht sich der 60-Jährige denn auch eine Stunde Ruhe, um die Jazz-LP „Me, Myself And I“ zu genießen, die er auf dem Flohmarkt ergattert hat.

Nicht neu und auch nicht böse

Doch statt Musikerlebnis erwarten Michel die Katastrophen seines Lebens: Seine in Psycho-Behandlung befindliche Frau (Bouquet) gesteht ihm, dass sein Revoluzzer-Sohn nicht von ihm sei. Seine mit ihr befreundete Geliebte erzählt wiederum ihr von ihrer Affäre mit Michel, während vermeintlich polnische Handwerker die Wohnung unter Wasser legen, eine philippinische Großfamilie sich bei ihm einquartiert und die Nachbarn ihre ausgelassene Sommerparty in seinen Salon verlegen.

All das und noch einige Desaster mehr sind einigermaßen amüsant anzuschauen. Während die Wohnung sich in ein Schlachtfeld verwandelt, wird in teils lustig pointierten Dialogen der französische Hang zu diskutieren genauso durch den Kakao gezogen wie die Bereitschaft von Etablierten, Schwarzarbeiter zu beschäftigen und ihre Ehepartner zu hintergehen.

Als neu darf man derlei Informationen aber nicht werten und richtig böse ist es auch nicht. So wird der Film seinem wohl eher älteren Publikum nicht in jedem Fall viel Spaß bieten. Der eine oder andere mag sich auf gepflegtem Niveau langweilen. Und das liegt weniger an der Kino-Crew als an Zellers Stück, das der „besseren Gesellschaft“ nur sehr plakativ auf den Zahn fühlt.

  • Der Film läuft im Capitol.

von Ulrike Cordes

 

„Nur eine Stunde Ruhe“ erhielt von den Besuchern der OP-Schnupper-Premiere im Cineplex das Prädikat:
sehenswert
mit der Note 2,62 (Bestnote ist 4,0).

Zuschauermeinungen:
„Charmanter, turbulenter Komödienspaß.“
  Roswitha Koch aus Ebsdorfergrund

„Amüsant, aber ohne großen Anspruch. An der Grenze zum Klamauk.“
  Christiane Schindler aus Kirchhain

„Etwas nervös, aber absolut sehenswert.“
  Jörg Berut aus Fronhausen

„Ich finde den Film sehr eintönig und nicht lustig genug für eine gute Komödie.“
 Milan Koch aus Marburg

„Sehr unterhaltsam und turbulent. Stückweit Spiegelung unserer beschleunigten Welt – zum Glück mit einem nahegehenden Schlussakkord.“
 Eric Röttger aus Weimar

„Amüsant kurzweilig – vielleicht etwas zu überdreht.“
  Meta Friedrich aus Marburg

Die Gewinner:
Je zwei Freikarten gehen an: Jörg Berut (Fronhausen), Roswitha Koch (Ebsdorfergrund), Ellen Prinz (Lahntal), Milan Koch (Marburg) und Christiane Schindler (Kirchhain). Die Karten werden zugeschickt.

Die OP-Hitparade:
1. Still Alice (3,74)
2. American Sniper (3,73)
3. Tribute von Panem – Mockingjay 1
4. Love, Rosie – Für immer vielleicht (3,43)
5. Fifty Shades of Grey (3,33)
33. Nur eine Stunde Ruhe (2,62)

 
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