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Langer Beifall für spannendes Stück

"Für die Sache" Langer Beifall für spannendes Stück

„Für die Sache“ heißt die jüngste Produktion der Gruppe „betreff:theater“, die am Mittwochabend in der Waggonhalle gelungene Premiere feierte. Es ist ein Stück über den Terrorismus, das unter die Haut geht.

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Der Chor der Parteigenossen: In dem Stück „Für die Sache“ sehen die Genossen die Aktionen der Terroristen durchaus kritisch.

Quelle: Bettina Preussner

Marburg. Die Bühne, ein kalter, weißer Raum, ganz nah an den Zuschauern. Zwei Ebenen, an der Decke eine Glühbirne, zwei Sitzwürfel, eine Treppe. Sonst nichts. Marie betritt die Bühne, eine junge Frau voller Ideale, die die Welt verbessern will und sich einer Gruppe Terroristen angeschlossen hat. Eine junge Frau, der jetzt Zweifel kommen, denn bei der letzten Aktion wurde ein Mensch getötet. Eine der zentralen Fragen des Abends steht im Raum: Darf ich für meine Ziele töten? Wie lässt sich politischer Mord rechtfertigen?

Mit „Für die Sache“ hat die Theatergruppe ein beklemmendes und beeindruckendes Stück auf die Bühne gebracht, das niemanden kalt lässt. Es geht um politischen Kampf und Terrorismus, um Anpassung und Verrat, um Ideale, Aufopferung und Verzicht. Erzählt wird die Geschichte einer Terrorzelle, die an die Baader-Meinhof-Gruppe erinnert, ohne dass ihr Name genannt wird.

Im Mittelpunkt steht die Terroristin Marie (Levia Murrenhoff), die überlegt, ob sie aussteigen soll, nachdem der erste Mord passiert ist. Immer wieder fragt sie sich, ob sie richtig gehandelt hat. Immer wieder fragt sie sich, ob die hohen Ziele die Tat rechtfertigen. Muss man das System der „Schweine“ mit allen Mitteln bekämpfen, um „ein Mensch“ zu werden? Und immer wieder fragt sie sich, wie es ihren beiden Kindern geht, die sie lange nicht gesehen hat. Auch ihre Mitkämpferin Luise (Anne Boland) hat ein Kind. Beide entscheiden sich schließlich für die Sache, denn man muss das persönliche Glück der großen Idee unterordnen, so glauben sie.

Dass das Stück beeindruckt und besticht, liegt zu allererst an der hervorragenden Leistung der jungen Darstellerinnen und Darsteller. Durchweg spielen sie sicher und hoch engagiert. Sie verleihen mit ihrem gekonnten Spiel den Figuren Leben und Intensität, machen die inneren Kämpfe der Terroristen und auch ihre gnadenlose Härte sehr eindrucksvoll sichtbar.

Die Inszenierung von David Brehm überzeugt durch viele gute Ideen: Da ist einmal die Bühne, die durch ihre Nähe zum Zuschauerraum das Geschehen ganz dicht an das Publikum heranrückt. Da ist das Auftreten eines Chores, der wie in der klassischen griechischen Tragödie die Vorgänge auf der Bühne kommentiert.

Hier ist es der Chor der Parteigenossen, der mal mit markigen, mal mit lächerlichen Sprüchen die Aktionen der Terroristen bewertet. Und da sind schließlich die beiden Bühnenebenen, die vielfältige Spielmöglichkeiten zulassen.

Am Schluss des spannenden Theaterabends gab es minutenlangen Beifall für die Schauspielerinnen und Schauspieler und ihren Regisseur.

Weitere Aufführungen sind in der Waggonhalle vorgesehen für den 30. Juni und 3. Juli.

von Bettina Preussner

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