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Landestheater startet Flüchtlingsprojekt

Workshop „Deine Welt“ Landestheater startet Flüchtlingsprojekt

Deine Welt – das ist ein ungewöhnliches Flüchtlingsprojekt des Hessischen Landestheaters. Es soll die Lebenssituation junger Flüchtlinge zeigen. Das Besondere: Sie sollen ihre Geschichten selbst erarbeiten.

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Flüchtlingshilfe mit Mitteln des Theaters: Bei einem ersten Workshop lernten sich junge Flüchtlinge aus Eritrea und Syrien sowie deutsche Jugendliche kennen.

Quelle: Benjamin Kaiser

Marburg. Tausende Jugendliche aus Afrika und dem Nahen Osten machen sich auf den Weg nach Europa. Sie fliehen vor Krieg, Not und Elend. Viele sind traumatisiert, müssen nun etwa in Deutschland ohne Familie leben. Doch haben die Jugendlichen nicht nur eine Vergangenheit, sondern auch eine Zukunft. Sie haben Talente, die ihnen bei der Integration in die deutsche Gesellschaft helfen können. Einen Beitrag zu diesem Prozess soll das Projekt „Deine Welt“ leisten, das von Katrin Hylla, Theaterpädagogin am Hessischen Landestheater Marburg, initiiert wurde.

Jeweils an zwei Wochenenden im Monat treffen sich Jugendliche, die alle im Raum Marburg-Biedenkopf leben, mit der Theaterpädagogin Katrin Hylla, dem Theatermusiker Michael Lohmann, der Regisseurin Meret Kiderlen sowie Ekaterina Steckenborn, Choreographin am Hessischen Landestheater.

Projekt will Talente zeigen und fördern

Am Samstag und Sonntag fanden die ersten beiden Theaterworkshops für die 20 teilnehmenden Jugendlichen im G-Werk statt, bei denen Tanz-, Gesang- und andere Theaterübungen gemacht wurden: Unter der Leitung von Ekaterina Steckenborn sollten die Jugendlichen beispielsweise Bewegungen verschiedener Tiere imitieren – Schlangen, Eidechsen, Frösche oder auch Hunde.

Den jugendlichen Flüchtlingen, die unter anderem aus Syrien und Eritrea stammen, machte es sichtlich Spaß. Es wurde viel und herzlich gelacht. Dabei waren die Flüchtlinge, übrigens ausschließlich junge Männer, nicht allein. Junge Tänzerinnen, die Ekaterina Steckenborn für das Projekt begeistern konnte, mischten sich unter die Flüchtlingskinder.

Es ist eine Gruppe von hoher Heterogenität: Verschiedene Herkunftsländer, verschiedene Muttersprachen und unterschiedliche Deutschkenntnisse. Eines haben die Teilnehmer allerdings gemeinsam. „Sie sind begeistert von dem Projekt. Sie sind wissbegierig. Sie sind aufgeschlossen“, stellte Katrin Hylla fest. „Hinzu kommt, dass fast alle exzellente Athleten und fix im Kopf sind. Schlichtweg talentierte Leute. Diese Talente wollen wir fördern und zeigen!“

Ein Stück Familie für die, die sie verloren haben

Ziel des Workshops sei es, im Sommer eine Bühnenshow auf die Beine zu stellen, bei der die Jugendlichen ihre Sicht auf ihre Vergangenheit sowie ihre momentane Lebenssituation verarbeiten und darstellen. Dabei sollen Fotos, die die Jugendlichen aufnehmen, eine besondere Rolle spielen, so Hylla.

Es geht bei „Deine Welt“ aber auch um das Miteinander. „Es soll eine Gemeinschaft geformt werden. Bei jedem Treffen kochen und essen wir alle zusammen. Ich denke, dass es auch solche gemeinsamen Momente sind, die das Gruppengefühl stärken, die die Jugendlichen integrieren und allen Beteiligten die Möglichkeit geben, viel über andere Menschen zu lernen“, betont die Theaterpädagogin. So soll das Projekt auch ein Stück Familienleben ersetzen für diejenigen, die keines mehr haben.

Das Projekt „Deine Welt“ wird von der „ASSITEJ Deutschland“, einer Theatervereinigung für Jugendliche und Kinder, im Rahmen des Programms „Wege ins Theater“ gefördert und findet in Kooperation mit dem Hessischen Landestheater, dem St. Elisabeth-Verein Marburg, der Awo Gießen, der Diakonie Gießen und der Clemens-Brentano-Europa-Schule Lollar statt.

von Benjamin Kaiser

Unter der Leitung der Theatermacher (von links) Michael Lohmann, Ekaterina Steckenborn, Meret Kiderlen und Katrin Hylla vom Hessischen Landestheater Marburg soll ein Bühnenstück entstehen. Foto: Benjamin Kaiser
 
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