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„Das wird eine große Kiste“

Landestheater: „Spamalot“ „Das wird eine große Kiste“

Intendant Matthias Faltz wagt sich in seiner letzten Spielzeit am Hessischen Landestheater an Monty Pythons Musical „Spamalot“. Bei der Vorstellung bekam das Team eine Ahnung davon, wie extrem aufwändig diese Produktion wird.

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Das Spamalot-Team hinter den Kulissen: Annie Lenk (Kostüme, von links), Regisseur Matthias Faltz, Dramaturgin Nadine Wiedemann, Choreografin Ekaterina Khmara, Harm Naaijer (Bühnenbild) und der musikalische Leiter Michael Lohmann haben Großes vor.

Quelle: Uwe Badouin

Marburg. „Das wird eine große Kiste“, sagt Intendant Matthias Faltz. Die wohl größte, die das kleine Landestheater bisher gestemmt hat – von Peter Radestocks „Winnetou“ mit Pferden, Kutschen, Indianern und Cowboys unter freiem Himmel vielleicht einmal abgesehen.
Er hatte das Team vor der großen Sommerpause des Theaters zur Konzeptionsprobe gebeten. 31 Mitwirkende hatten im Probenraum Platz genommen, um einen ersten Einblick in die Ideen des Regieteams zu bekommen. Und das waren noch nicht einmal alle, die mitarbeiten werden. Das zeigt die Dimension dieses Musicals.

An den Wänden hingen die Entwürfe des Bühnenbauers Harm Naaijer und der Kostümbildnerin Annie Lenk, mit denen Faltz immer zusammenarbeitet, wenn es irgendwie geht. Nur so viel: Das kommt kreative Schwerstarbeit auf die Schneiderei, die Maske und die Bühnenbauer des Landestheaters zu.

Live-Band spielt 24 Lieder

„Wir wollen in der kommenden Spielzeit noch einmal richtig Gas geben und Sachen machen, die uns fordern werden“, machte Faltz deutlich. Der Intendant will sich nach dann acht Jahren nicht mit kleinen Sachen aus Marburg verabschieden, sondern mit Stücken, die im Gedächtnis bleiben.
„Spamalot“ ist ein solches Stück. „Ich hätte das Musical in den ersten Spielzeiten nicht gemacht, weil alle Abteilungen dafür dreimal so groß sein müssten“, sagte er gutgelaunt. Nach den „Blues Brothers“, nach der „Dreigroschenoper“, nach „Cinderella“ sieht er sein Team aber in der Lage, auch „Spamalot“ zu stemmen. Wobei er weiß: „Das wird eine große Heraus­forderung.“

Acht Darstellerinnen und Darsteller, eine Live-Band mit acht Musikern, die gemeinsam 24 Songs meistern müssen, und sieben Tänzerinnen und Tänzer braucht er für seine Version – und die ist im Vergleich zur Broadway-Produktion schon ziemlich eingedampft, wo etwa ein großes Orchester für die Musik sorgte. Hinzu kommen unzählige kuriose und teils aberwitzige Kostüme, ein variables Bühnenbild mit Burgen und Schlössern, Wäldern und Seen, Rüstungen und Schwerter – schließlich geht es um König Artus und seine Tafelritter – allerdings im Stil der legendären englischen Komiker-Truppe Monty Python.

Premiere am 30. September

Basis des mehrfach preisgekrönten Musicals von Eric Idle und John Du Prez ist die schrille Komödie „Die Ritter der Kokosnuss“ aus dem Jahr 1975, in dem die englischen Komiker sich ziemlich respektlos lustig machen über eine der großen englischen Legenden rund um König Artus und seine Tafelritter.

Uraufgeführt wurde das Musical am New Yorker Broadway, wo es ohne Unterbrechung vier Jahre gespielt wurde. Die Produktionskosten dort lagen vermutlich deutlich über dem Jahresetat des Hessischen Landestheaters. Von dort aus eroberte 
das Musical Europa: London (2007) und 2009 Köln, wo es im Musical-Dome zu sehen war.

In der Regel wagen sich nur große Theater an dieses Stück, weil unglaublich viele Gewerke intensiv eingebunden werden müssen. Nach Zürich, München, Hamburg, Salzburg, Karlsruhe, Mainz, Frankfurt nun also auch Marburg. Premiere ist am 30. September im Erwin-Piscator-Haus.

Gespielt und gesungen wird in Deutsch

Was erwartet die Zuschauer? Eine völlig verrückte Artus-Version – „makaber, skurril, grenzüberschreitend, politisch unkorrekt“, mit diesen Worten beschrieb Faltz den Humor von Monty Python. Neben dem Film „Die Ritter der Kokosnuss“ haben die Musicalautoren noch Szenen und Anregungen aus anderen Monty-Python-Sketchen und -Filmen eingebaut – etwa aus „Das Leben des Brian“ 
mit dem großen Hit „Always Look on the Bright Side of Life“. Es kann auch passieren, dass 
Zuschauer nicht immer ganz freiwillig in das Bühnenstück eingebunden werden.

Gespielt und gesungen wird in deutscher Sprache. Der musikalische Leiter Michael Lohmann spricht von einer „mega-fetten 
Partitur“, aber er sei „frohen Mutes, dass wir das schaffen“. Um sich geschart hat er Musikerinnen und Musiker, die schon bei anderen Musicals des Landestheaters mitgewirkt haben.

Und auch die Choreografin Ekaterina Khmara spricht von „sehr anspruchsvollen“ Szenen – vom Schwanensee über 
Cheerleader-Anleihen bis hin zu Michael Jacksons Moonwalk – also das ganz große „Las-
Vegas-Ding“.

  • Das Hessische Landestheater feiert am 30. September Premiere mit „Spamalot“.

von Uwe Badouin

Kostüme
Entwürfe einiger Kostüme von Annie Lenk. Oben: Sir Bedivere, Mutter Galahad und Concorde. Unten: Sir Bedivere, Patsy, Artus, Sir Robin, Sir Galahad und Sir Lancelot. Quelle: Hessisches Landestheater Marburg
 
 
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