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Performance über Vater-Sohn-Beziehung

Landestheater: „Brief an den Vater“ Performance über Vater-Sohn-Beziehung

Eine performative Annäherung an Franz Kafkas „Brief an den Vater“ begeisterte am Sonntagabend auf der Probebühne des Hessischen Landestheaters im Theater am Schwanhof.

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Jonas Schneider (von links), Sebastian Blanke und Twyla Zuschneid hocken in einem kleinen Glashaus.

Quelle: Landestheater

Marburg. Das experimentelle Kafka-Stück ist ein Projekt aus der Reihe „Wilde Schwäne“. Konzipiert und aufgeführt wurde „Brief an den Vater“ von der Schauspielerin Oda Zuschneid, den Regieassistenten Jonas Schneider und Twyla Zuschneid sowie dem Sänger von Bazouka Groove Club, Sebastian Blanke. Chefdramaturg Franz Burkhard stand beratend zur Seite.

Im Mittelpunkt des Stückes steht Oda Zuschneid, die Textpassagen aus Kafkas berühmten Brief – mal monolog-, mal dialogartig – rezitiert. Über eine Stunde redet sie sich von der Seele, was zwischen Kafka und dessen übermächtigem Vater stand. Schnell offenbart sich dem Zuschauer ein überaus kompliziertes Vater-Sohn-Verhältnis. Der Text ist große Literatur, dabei sehr privat, und lässt psychoanalytisch tief blicken. So sah sich Franz Kafka seinem Vater gegenüber als „das Ergebnis deiner Erziehung und meiner Folgsamkeit“.

Oda Zuschneid bezieht die anderen Darsteller immer wieder kurzzeitig in ihr Spiel ein. So kommt es zu einer kurzen Gesangseinlage von Sebastian Blanke, und Twyla Zuschneid fungiert als Marionette für die gesprochenen Worte Oda Zuschneids. Ein hilflos anmutender Jonas Schneider wird von der Darstellerin überbehütend und erdrückend in Folie gewickelt – eine unübersehbare Metapher auf das Vater-Sohn-Verhältnis.

Das Bühnenbild ist einfach gehalten. Ein Glashaus, darin ein Stuhl und eine Glühbirne. Mit einem Filmprojektor werden kurze Sequenzen von alten Familienaufnahmen auf die Bühne projiziert. Auf einem Hackklotz fallen während der Performance Nüsse und Erdbeeren einem Vorschlaghammer zum Opfer. Auch elektronische Musik, die an einen dröhnenden, schnellen Puls erinnert, unterstützt die Darstellung.

  • Die nächste Vorstellung ist am Samstag um 19.30 Uhr.

von Viola Schrader

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