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Ein Experiment aus Klängen

Landeskirchenmusiktage Ein Experiment aus Klängen

Mit einer rasant wechselnden Klang-Collage brachten der Gospelchor „Get Up“ und das Vocalensemble Kassel am vergangenen Samstag Bewegung in die Universitätskirche.

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Vor dem Altar steht das Vocalensemble Kassel, auf der Empore rechts hat der Gospelchor „Get Up“ Platz genommen: Mit ständigen Wechseln der Musikstile und der Auftrittsorte bot das Konzert „Fluid Sounds“ in der Universitätskirche ein Klangerlebnis voller Variationen.

Quelle: Ina Tannert

Marburg. „Fluid Sounds“ hieß ihr gemeinsames Konzert-
Experiment – der Titel war Programm. Von euphorisch bis ­melancholisch, von zart bis kreischend schrill präsentierte sich am vergangenen Samstagabend ein Klangerlebnis der besondere Art. Rund 500 Besucher verfolgten die allererste, äußerst wechselhafte Begegnung zwischen dem Landesgospelchor „Get Up“ und dem Vocalensemble Kassel.

Begleitet wurden die rund 45 Sänger von Stefan Horz an der Orgel und Roger Hanschel am Saxofon. Aus Stücken beider Chöre hatte Jazzmusiker Hanschel aus Köln Arrangements 
geschaffen und mit eigenen Kompositionen gewürzt, bis die Stilgrenzen von Neuer Musik, Gospel und Jazz vollends verwischten. Im steten Wechsel brachten Chöre und Musiker diese Grenzen zum Fließen – eben „Fluid Sounds“, wie der Name schon sagt.

Versuch, Klag und Raum zu verschmelzen

Auf melodische Klassiker und spirituelle Lieder, wie „He’s Got The Whole World“ oder „Riverside“, folgte ein Auf und Ab an gesprochenen Psalmen und emotionalen Klangfolgen. Fast befremdlich mutete die Darstellung von „Enigma“ von Beat Furrer an, die Leonardo Da Vincis Vision der zukünftigen Welt auf ganz eigene Art interpretierte. Von hoffnungsvoll anmutenden Passagen bis zu düster kreischenden Tonfolgen, als akustische Vision eines Ungeheuers, das sich der Menschheit entgegenstellt. Auch Hanschel ließ mit Kompositionen aus seiner „Change Follows Vision“ immer wieder sinnlich-zarte Töne locker durch den Raum schweben, um im Anschluss wildes, schrilles Klangrauschen folgen zu lassen.

Rund eine Stunde lang wechselten sich eigens kreierte Gospel- und Jazzeinlagen mit Chorgesang ab, der mal auf italienisch, mal auf englisch, zuletzt gar noch in einem neu interpretierten deutschen Volkslied durch die Kirche hallte.

Variabel war nicht nur der Musikstil – auch die Sänger selber waren äußerst mobil. Mehrfach wechselten sie die „Bühne“ oder gleich das Stockwerk. Mal sang „Get Up“ vor dem Altar, mal das Vocalensemble, mal beide Gruppen gemeinsam von der Empore herab. Sie nutzten alle Dimensionen des Raums und des Klangs. Beides sollte schließlich verschmelzen, zu einem „Klangtheater, das den Raum nutzt und in dem sich viele Stile begegnen“, sagte Peter Hamburger, Chorleiter von Get Up.

Manz: Experiment hat gut funktioniert

Die Köpfe im Publikum wurden entsprechend gefordert, wandten sich mal zu der einen, mal zu der anderen Gruppe. So mancher genoss auch einfach mit geschlossenen Augen ein ganz spezielles Klangerlebnis, das sich in keinen klaren Stil pressen lassen wollte. Die einzelnen Passagen waren harmonisch aufeinander abgestimmt, die Wechsel und Um­züge der Chöre klappten zügig, ohne allzu lange Pausen. Das hatten die Chöre lange geprobt.

„Das war ein erstes, straff durchgeplantes Experiment, alles hat gut funktioniert“, lobte Eckhard Manz, Leiter des Vocalensembles. Vor dem musikalischen Höhepunkt am Samstagabend traten bereits die Kurhessische Kantorei, der Projekt-Kinderchor der Landeskirchenmusiktage und das Blechbläserensemble der EKKW in der Pfarrkirche auf. Beide Teile bildeten das Festkonzert des kirchlichen Musik­events, zu dem zahlreiche Besucher in die Stadt gekommen waren und nicht nur die Kirchenbänke, sondern auch singend den Marktplatz füllten. ­Kirchenmusik zum Bewegen lautete das diesjährige Motto – mit „Fluid Sounds“ ging dieses Konzept voll auf.

von Ina Tannert

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