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Lahme Vorstellung von Finanzhaien

Das Geld am Landestheater Lahme Vorstellung von Finanzhaien

Vor wenigen Jahren brachten Spekulanten die Weltwirtschaft an den Abgrund. Émile Zolas Finanzhaie aus seinem Roman „Das Geld“ bleiben auf der Bühne des Landestheaters blass.

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An der Börse geht es auf und ab. Mal geht es mit dem Bullen aufwärts, mal mit dem Bären abwärts wie in dieser Szene aus „Das Geld“.

Quelle: Neven Allgeier

Marburg. 1987 gab Hollywood-Star Michael Douglas in dem Film „Wall Street“ der rücksichtslosen Börsenspekulation ein Gesicht: Der Name Gordon Gekko wurde zum Synonym für einen skrupellosen Finanzhai, der über Leichen geht.

Fast 100 Jahre vorher hat der französische Romancier Émile Zola (1840-1902) in seinem Roman „Das Geld“ (1891) einen ähnlich rücksichtslosen Spekulanten erfunden: Er hieß Aristide Saccard. Auch der will das schnelle Geld, auch der kennt wenig Skrupel. Doch der Sprung vom Roman mit seinen vielfältigen Möglichkeiten auf die Bühne ist groß. In diesem Fall zu groß.

Schier unüberwindliche Hürden

Regisseur Armin Beutel will einen Börsenkrimi erzählen, stößt aber immer wieder auf schier unüberwindliche Hürden: Der Stoff rund um Börsenmanipulationen ist spröde. Dumpf legt sich die undurchsichtige Finanz-Materie über die Charaktere dieser - für das Landestheater mit neun Darstellern - großen Produktion. So zeigt Regisseur Beutel keine „Menschen“ sondern bloße Karikaturen, pendelt unentschlossen zwischen Finanzdrama und Komödie: Die Börsianer tragen Nadelstreifen-Hosen mit Hosenträgern wie weiland Gekko und als Gag dunkle Brillen mit Gläsern, die man aus Karikaturen von blinden Maulwürfen kennt. Das ist eine treffende Metapher, denn blind sind sie alle in ihrer Gier nach Geld.

Zolas Anti-Held Saccard ist ein Spieler. Sebastian Muskalla zeigt ihn als nicht unsympathischen Mann. Eben hört er noch dem kranken Philosophen zu, der Marx gelesen hat, und den Untergang der Finanzbranche voraussagt. Kurz darauf macht Saccard klar: „Man krempelt die Erde nicht um, ohne einigen auf die Füße zu treten.“

Das tut er dann auch mit windigen Geschäften, aber man weiß in dieser Inszenierung nicht genau, wem eigentlich: Die Opfer und die Folgen seiner Machenschaften sieht man nämlich nicht. Und auch nur einen Funken Mitleid mit ihm und all den anderen Börsenhaien, die er mit sich in die Tiefe reißt, hat man nicht.

Ambitioniert gespielt, aber nicht packend

Der Gegenentwurf zu Saccard ist Caroline (Julia Glasewald). Sie ist ein eine aufrechte, redliche Frau, erliegt aber letztlich dem Charme Saccards. All dies ist ambitioniert gespielt. Doch es packt niemanden wirklich, weil sie eben nur Chiffren sind für die Gute oder den Schlawiner, dessen Tricks nicht ganz aufgehen.

Daneben tauchen ständig neue Charaktere auf, deren Namen und Funktionen über Videobeamer eingeblendet werden. So hat jeder weitere Darsteller gleich mehrere Rollen, ist mal ein armer Schlucker, Politiker, eine geldgierige Baronin, die für einen guten Börsen-Tipp fast alles tut, ein Geldeintreiber oder Börsenhändler. Und der Reichste von allen ist mit einer Kinderstimme nur aus dem Off zu vernehmen. Das einzige Motiv, das sie antreibt, ist Geld. Insofern sind sie fast alle gleich, in einem Ziel vereint. Wer glaubt, ein Stück über die Macht des großen Kapitals und seine Auswirkungen auf die Menschen zu sehen, der wird enttäuscht sein.

Die Darsteller agieren auf einer nahezu leeren Bühne, die von einer großen „Maschine“ dominiert wird, die der Landestheater-Schlosser Christian Zander gebaut hat. Sie dient - anfangs noch verhängt - als Projektionsfläche für Videoeinspielungen und ist der eigentlich Star des Stückes.

  • Weitere Aufführungen sind am Mittwoch, 7.Oktober, sowie am 10., 13., 29., 31.Oktober und am 5.November um 19.30 Uhr.

von Uwe Badouin

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