Volltextsuche über das Angebot:

12 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Klassiker wird zur Grusel-Groteske

Kinder- und Jugendtheaterwoche Klassiker wird zur Grusel-Groteske

„Macbeth“ von William Shakespeare ist eines der berühmtesten Theaterstücke der Welt. Das Vorstadt-Theater aus Basel zeigte eine irrwitzige, rasante und natürlich blutige Version des Klassikers.

Voriger Artikel
Marburger Bachchor besingt Frühlingsgefühle
Nächster Artikel
Starker Einsatz für guten Zweck

Ein verzweifelter König thront in dem Theaterstück „Herr Macbeth oder die Schule des Bösen“ auf dem Hexentopf.

Quelle: Xenia Zezzi

Marburg. Riesenapplaus gab es für die knapp anderthalbstündige Fassung des Spiels um Machtgier und Schuld. Zu Recht: Denn mit enormem Ideenreichtum, Witz und grandiosen Darstellern blieb die Geschichte mit all ihren Facetten erhalten und wurde zugleich auf eine Darstellungsebene gebracht, die auch Zwölfjährige unterhaltsam und spannend finden. So kann nicht nur Weltliteratur vermittelt werden, so werden auch heute noch gültige Themen transportiert.

Dass das Theater ein Ort ist, das den Menschen in seiner Vielseitigkeit zeigt, das Gesellschaft abbildet, Austausch und Diskussion fördert, das ­betonten Intendant Matthias­ Faltz und Festivalleiter Jürgen Sachs bei der Eröffnung von „Kuck!Schau!Spiel!“, kurz „KUSS“.

„Werte wie Freiheit, ­Toleranz und Offenheit werden in unserer Gesellschaft heute­ wieder infrage gestellt“, sagte Sachs. Theater sei ein Ort, wo auf solche Tendenzen reagiert werde. „Wir können die Welt nicht retten, aber zeigen, dass Menschen veränderbar sind.“ „Am Kulturetat sparen geht nicht“, appellierte Faltz deshalb eindringlich an die Verantwortlichen. Von den Kürzungen im Bereich Kultur des städtischen Haushalts wäre auch das Hessische Landestheater Marburg betroffen.

1630 Schüler beteiligen sich an 95 Workshops

„Seit 22 Jahren gibt es dieses Festival“, sagte Faltz, „das ist etwas Besonderes.“ Bis kommenden Samstag gibt es 21 Vorstellungen von 18 verschiedenen Theatern aus dem In- und Ausland, fast alle sind komplett ausverkauft. Die Mischung sei „vergnüglich, besinnlich und drastisch“, so Kulturdezernentin Dr. Kerstin Weinbach, die die Gäste im Namen der Stadt begrüßte. Auch sie bezeichnete das Theater als „einen Ort für die Entdeckung der Welt“.

Und das nicht nur, indem sich Kinder und Jugendliche die Stücke ansehen: Das zweite Standbein sind die 95 Workshops, in denen etwa 1630 Schüler aus dem Landkreis selbst Theater spielen können. Sie sei froh, dass diese Workshops an so vielen Schulen stattfinden könnten, sagte Landrätin Kirsten Fründt.

Bei aller Unsicherheit über künftige Finanzierungen der Theaterarbeit bleibt eines sicher: Der mit 2000 Euro dotierte Festivalpreis. Den vergibt in diesem Jahr zum 20. Mal der Förderverein des Theaters, und dessen Vorsitzender Jürgen Bandte forderte kurz und knapp: „KUSS muss!“

Die „Macbeth“-Version des Vorstadt-Theaters gab den Forderungen nach Kontinuität in der Theaterarbeit auf jeden Fall Gewicht. Respektlos machten sich die vier Darsteller in „Herr Macbeth oder die Schule des Bösen“ über das Stück her, schlüpften äußerst wandlungsfähig in die verschiedenen Rollen hinein und hinaus und machten aus dem Drama eine Grusel-Groteske mit Tiefgang. Bei aller Verdichtung blieb dabei der Kern des Stücks unangetastet, und auch die Sprache hatte noch viel von Shakespeare. So machen Klassiker Spaß!

von Heike Döhn

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Kinder- und Jugendtheaterwoche
Vier Schauspielerinnen vom Theaterhaus Frankfurt spielen Antigone, die für ein abstraktes Ideal in den Tod geht. Foto: Katrin Schand

Auch Klassiker sind bei der Hessischen Kinder- und Jugendtheaterwoche zu sehen. Nach einem ­irrwitzigen Macbeth aus Basel war eine strenge Antigone aus Frankfurt ­
zu sehen.

Kostenpflichtiger Inhalt mehr

Hier finden sie die Kommentare und Meinungen der Redakteure zu lokalen und weltpolitischen Themen sowie Glossen und augenzwinkernde Beträge. mehr