Volltextsuche über das Angebot:

21 ° / 9 ° wolkig

Navigation:
Kurzdramen ziehen ins G-Werk um

Vorbereitungen für Festival beginnen Kurzdramen ziehen ins G-Werk um

Das Festival der Kurz­dramen – in diesem Jahr mit dem Motto: „Macht. Mensch. Moral.“ – feiert zehnjähriges Jubiläum. Die Gewinner, deren Stücke aufgeführt werden sollen, stehen fest.

Voriger Artikel
Computer gegen Schreibmaschine
Nächster Artikel
Star-Orgelbauer beliefert Fernost

„Mich mir merken“ war eines der Siegerstücke aus dem vergangenen Jahr.

Quelle: Rasmus Wenzel

Marburg. Die von einer Fachjury ausgewählten Texte werden vom 1. bis 4. Dezember 2016 uraufgeführt – und das erstmals nicht in der Waggonhalle, sondern im Theater im G-Werk.

Und das sind die Siegerstücke: „Bürgermeisterin Lampedusas“ von Dietrich Wagner aus Neuenbürg ist ein beeindruckender Monolog, der der realen italienischen Bürgermeisterin Giuseppe Maria Nicolini eine poetische Stimme schenkt.

In einer fragenden, erschütternden Sprache erzählt das Kurzdrama von der Verzweiflung eines politischen Menschen im Angesicht der strandenden Flüchtlinge an der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa und geht in seiner Intensität und Suchbewegung nach einer angemessenen Haltung weit über das hinaus, was täglich das Spektakel der omnipräsenten Massenmedien als Bilder des Leids produziert, heißt es in einer Erklärung der Jury.

Sonderpreis geht an „Grimmia Sessitana“

„Wie gewonnen, so zerronnen“ von Günter Hein aus Niederwerrn ist hingegen eine Groteske. Da sitzen im trauten Heim ein kinderloses, in die Jahre gekommenes Ehepaar beieinander und steigern sich in ihre gegenseitigen Verletzungen hinein.

Ihre Angriffswaffe ist die Opferrolle und seine die perfiden Sticheleien auf ihre Körperfülle. Doch per Post kommt aus heiterem Himmel ein Gewinnspiel herbei, das ihr Körpergewicht in echtes Gold und Geld aufwiegen will. Da lohnt es sich lieben zu lernen, vor dem man sich zuvor geekelt hatte.

Gewonnen hat auch „Die Vertreter“ von Bernd Schumann aus Göttingen, eine flotte Posse, die vom christlichen Gott erzählt, der von seiner Liebe zum Menschen ablässt. Er muss mit ansehen, wie die Menschheit gegen alle Krankheiten gefeit wächst und zugleich in einer ökologischen Zerstörungswut seine göttliche Schöpfung zunichte macht.

„Grimmia Sessitana“ von Bernd Marcel Gonner aus Creglingen hingegen erzählt von der Sinnsuche des jungen Biologen Björn in einer außergewöhnlichen Sprachgewalt. Dafür bekommt er den Sonderpreis der Kurzdramen 2016. 

Für den Wettbewerb können Autoren und Autorinnen einmal jährlich ihre Kurzdramen und Theatertexte bei Theater Gegenstand einreichen. Die Vorgaben sind: Die Stücke müssen leicht umsetzbar sein, wenige Darsteller benötigen und maximal 30 Minuten Spiellänge haben. Theater Gegenstand kann inzwischen jährlich zwischen 100 und 200 Einsendungen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum auswählen.

Erstmals gibt es auch einen Publikumspreis

Der Kurzdramen-Wettbewerb ist ein Experimentierfeld, nicht nur für noch unbekannte Autoren, sondern auch für Darsteller, Musiker und Regisseure. Das Besondere ist, dass es keinen Preis im eigentlichen Sinne gibt, sondern die Siegertexte zur Uraufführung gebracht werden – die Gewinner können so ihr Stück endlich auf der Bühne erleben.

Erstmalig wird es 2016 aber auch einen Publikumspreis für die beste Inszenierung geben, der mit einem Preisgeld gekoppelt ist. So werden nicht nur die Autoren ausgezeichnet, sondern auch die Regisseure und ihre Ensembles. Für Regie und Schauspiel in diesem Jahr liegen bereits viele Bewerbungen vor, auch aus Österreich, Belgien und der Schweiz.

Für die künstlerische Leitung zeichnen in diesem Jahr Abhinav Sawhney, Karin Winkelsträter und Frank Winterstein verantwortlich. Theater Gegenstand ziehe mit dem Festival in das G-Werk um, weil der Raum allen Gruppen bereits zehn Tage vor der Premiere zum Proben zur Verfügung steht und auch zu dem Zeitpunkt bereits mit Licht und Bühnenbild gearbeitet werden kann, erläutert Karin Winkelsträter.

Dies sei in der Waggonhalle aufgrund der vielen Veranstaltungen immer erst kurz vor der Premiere möglich gewesen. Zum anderen eröffneten sich durch die Kooperation mit dem Café Trauma weitere Veranstaltungs- und Begegnungsräume.

Es wird wie stets ein vielfältiges Rahmenprogramm geben, mit Konzerten, Ausstellungen, szenischen Lesungen, Filmvorführungen, Diskussionen, Partys und Workshops. Auch ein Gastspiel für Kinder und Jugendliche wird es geben: „Akim rennt“ unter der Regie von Sarah Mehlfeld ist ein Stück zum Thema Flucht.

von Heike Döhn

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Hier finden sie die Kommentare und Meinungen der Redakteure zu lokalen und weltpolitischen Themen sowie Glossen und augenzwinkernde Beträge. mehr