Volltextsuche über das Angebot:

12 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Kunsträume und Raumkunst

Kunstverein Kunsträume und Raumkunst

Diesen Freitag, 19. Dezember, um 16 Uhr eröffnet der Marburger Kunst­verein seine letzte große Ausstellung in diesem Jahr. Zu sehen sind Arbeiten von Christina von Bitter und Madeleine Boschan. Beide zeigen Plastiken.

Voriger Artikel
Schüler und Lehrer zeigen buntes Programm
Nächster Artikel
Lebensgeschichte und Teenie-Spaß

Die in München lebende Künstlerin Christina von Bitter (links) steht in einer ihrer Plastiken. „Dal Cielo“ hat sie ihre Ausstellung betitelt. Madeleine Boschan steht neben einer gelben Säule – sie ist Teil ­ihrer Ausstellung „Technicolor“.

Quelle: Uwe Badouin

Marburg. Vom Himmel herab steigt die in München lebende und arbeitende Künstlerin Christina von Bitter: „Dal Cielo“ hat sie ihren Part der Doppelausstellung mit der Berlinerin Madeleine Boschan betitelt. Mit ihren fragil anmutenden, oft überlebensgroßen Plastiken und Installationen aus Papier und Draht bespielt sie das Erdgeschoss. Hinzu kommen Zeichnungen und Radierungen.

Christina von Bitter sieht sich als Bildhauerin. Sie schafft offene licht- und luftdurchlässige Plastiken, die im Raum zu schweben, die der Schwerkraft zu trotzen scheinen. Alle ihre Arbeiten – bis auf die Zeichnungen und Radierungen – sind weiß.

„Weiß schafft Raum, reduziert die Dimension“, sagt die 1965 in Erlangen geborene Künstlerin, die bei Niki de Saint Phalle hospitierte, bevor sie von 1988 bis 1991 an der Akademie der Bildenden Künste in München und von 1991 bis 1995 an der Hochschule der Künste in Berlin studierte. Sie trägt feuchtes, nasses Papier auf Drahtgestelle auf.

Ausstellung eigens für Kunstverein konzipiert

Beim Trocknungsprozess verändert sich das Material, die Oberflächen werden „lebendig“, sagt Christina von Bitter. Das Material betone die „stoffliche Ebene“. Ein windschiefes Haus zeigt sie, ein Cello und immer wieder Kleider oder Corsagen. „Die Haut der Dinge“ hat der Kunstkritiker Gottfried Knapp ein Buch über die Arbeit der 49-Jährigen betitelt. Diese Haut umfängt Räume, hüllt Leere ein und vor allem bei ihren Kleidern „abwesende Körper“, wie sie im Gespräch mit der OP sagte.

Von ganz anderer Struktur sind die Arbeiten von Madeleine Boschan. Die 35-Jährige nennt ihre Ausstellung „Technicolor: a) Feld, b) Fläche“. Technicolor ist der Markenname eines Herstellungsverfahrens für Farbfilme. Von Beginn an haftete diesen Technicolor-Filmen und -Farben etwas Mystisches, etwas Übernatürliches an: Grün, Blau, Weiß, Gelb, Schwarz, Magenta, Rot und Cyan spielen auch eine zentrale Rolle der großen Installation, die Madeleine Boschan eigens für die Ausstellung im Marburger Kunstverein konzipiert hat.

Verbindung von Intuition und Konzept

Acht Plastiken hat die in Berlin lebende Künstlerin für die Ausstellung entworfen, für jede Farbe eine: Acht Körper aus komplett durchgefärbten Holzfaserplatten stehen im großen Ausstellungsraum im Obergeschoss. In drei der bis zu 4,60 Meter hohen geometrischen Figuren sind kleine Sichtfenster eingelassen: Neonlichter, eine Jalousie, ein Thermometer und eine Lupe sind darin verborgen.

„Eine Raumsituation“ will die Künstlerin schaffen, die Großplastiken sollen miteinander und mit dem Besucher kommunizieren. Die Künstlerin verbindet Intuition mit Konzeptkunst: „Die Farbe gibt die Figur vor“, sagte sie im Gespräch mit der OP. Kay Heymer vom Düsseldorfer Museum Kunstpalast spricht angesichts der neuen Arbeiten der Künstlerin von „spiritueller Bildhauerei“, von „säkularen Reliquiaren“, also von Behältern für Reliquien.

Madeleine Boschan, die in Braunschweig Malerei und Fotografie studierte, hat anfangs gemalt, dann fast nur noch fotografiert und als Bildhauerin schließlich den Raum für sich entdeckt – ganz ähnlich wie ihre Kollegin Christina von Bitter. Insofern gibt es trotz offensichtlicher Unterschiede auch Gemeinsamkeiten zwischen beiden Künstlerinnen, die Kunsträume und Raumkunst zeigen.

  • Die Ausstellung ist bis zum 5. Februar zu sehen; geöffnet Dienstag bis Sonntag von 11 bis 17 Uhr, Mittwoch von 11 bis 20 Uhr.

von Uwe Badouin

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Hier finden sie die Kommentare und Meinungen der Redakteure zu lokalen und weltpolitischen Themen sowie Glossen und augenzwinkernde Beträge. mehr