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Kunsthalle statt Rasenmäher

Dr. Gerhard Pätzold Kunsthalle statt Rasenmäher

Er wird am Samstag 80 Jahre alt, und das sieht man ihm nicht an. Lediglich der Rückblick auf das, was er in seinem Leben angepackt hat legt nahe, dass der Kunstvereins-Vorsitzende dafür schon ein wenig Zeit gebraucht haben dürfte.

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Seit 16 Jahren hat Dr. Gerhard den Vorsitz des Kunstvereins inne – auf die großzügigen Ausstellungsräume in der Kunsthalle ist er stolz.Foto: Heike Döhn

Marburg. Politisch und im Kulturleben ist der gelernte Jurist jahrzehntelang außerordentlich engagiert gewesen - bei allem Einsatz für die Politik hat seine besondere Liebe vor allem der Kultur gegolten. Dabei konnte er beides gut verbinden, denn als Bürgermeister und Kulturdezernent konnte er zwischen 1985 und 1997 einiges in diesem Bereich bewegen.

Etwas bewegen wollte der gebürtige Berliner schon früh. Bereits als Student saß er in den sechziger Jahren im Stadtparlament, von 1964 bis 1968 als ehrenamtlicher Stadtrat für den Wahlblock Marburg. 1970 wurde er hauptamtlicher Stadtrat, 1974 trat er in die SPD ein - Auslöser war das Misstrauensvotum gegen den damaligen Bundeskanzler Willy Brandt.

„Als ich damals angefangen habe, war das Kulturamt noch Teil des Amts für Sport und Fremdenverkehr“, erinnert er sich. Da habe er sich gleich zum Ziel gesetzt: „Das muss mehr werden!“

Wurde es auch. Gerhard Pätzold gab den Anstoß für vieles, was über Jahre hinweg das kulturelle Leben Marburgs prägte: das Pantomimenfestival, den Marburger Literaturpreis, den Kunstmarkt, die Amateurfilmfestspiele, die ehemaligen Gaswerke als Ort für Kultur, die Sommerakademie. Vieles davon ist heute Erinnerung, besonders dem Literaturpreis, den heute so bekannte Autoren wie Reinhard Jirgl oder Matthias Altenburg gewonnen haben, trauert Pätzold ein wenig nach.

Anderes prägt heute noch die Marburger Kultur, wie die Umwandlung des Marburger Schauspiels in das Nordhessische Landestheater und dann in das Hessische Landestheater Marburg. Kein ganz einfacher Vorgang. „Ich habe zwei dicke Ordner dazu zu Hause“, sagt Pätzold. Doch ohne diese Umwandlung 1990 und die damit verbundene Finanzierung durch das Land würde das Marburger Theater heute wohl nicht mehr existieren.

Zwölf Jahre als Stadtrat und Kulturdezernent

Ganz wichtig sei es ihm immer gewesen, Unterstützer zu finden, betont Pätzold. „Wenn man im kulturellen Bereich etwas erreichen will, muss man Menschen finden, die mitmachen.“

In seine Amtszeit fiel auch die Neugestaltung von Marburgs Mitte, ein heftig diskutiertes Großprojekt. Gebaut wurde damals auch die Kunsthalle, für die sich Pätzold vehement eingesetzt hat. „Jetzt haben Sie uns das große Haus eingebrockt, jetzt müssen sie auch den Vorsitz übernehmen“, habe der damalige Kunstvereins-Vorsitzende Dr. Wolfgang Tichy zu ihm gesagt. Und den hat er nun auch seit 1998 inne. 600 Mitglieder hat der Verein inzwischen.

Sein großes Interesse für Kunst hat auch mit seiner Frau zu tun, die Kunsthistorikern ist: „Ich habe eigentlich gar keine Ahnung!“ Ganz so ist es wohl nicht, immerhin ist Pätzold mitverantwortlich für die inzwischen 89 Ausstellungen in der Kunsthalle, bei der zum Teil sehr renommierte Künstler ihre Arbeiten zeigen und die den Anspruch dokumentieren, vielfältige aktuelle Kunst aus ganz Deutschland zu präsentieren.

Engagiert hat sich Pätzold seit 1977 auch als Vorsitzender des Schulträgervereins des LandSchulheims Steinmühle, auf dessen Entwicklung er stolz ist. Ein weiterer Bereich, in dem er ehrenamtlich aktiv war, ist der Förderverein für die Marburger Synagoge. Für sein vielfältiges Engagement erhielt Dr. Gerhard Pätzold vor drei Jahren das Bundesverdienstkreuz.

Es ist nicht alles gelungen, was er sich vorgenommen hat: Als er für das Amt des Oberbürgermeisters antrat, unterlag er dem CDU-Kandidaten Dietrich Möller. Ob ihn das heute noch wurmt? „Ich bin gesund geblieben und ich konnte mich Dingen widmen, die mir Spaß gemacht haben“ - sehr bedauernd klingt das nicht.

Sich Dingen widmen, die ihm Spaß machen, das tut Pätzold immer noch, und sieht auch keinen Grund dafür, mit 80 Jahren kürzer zu treten. „Zu Hause sitzen und den Rasen mähen, das ist mir zu wenig.“ Ob er noch Ziele hat? Ja, natürlich. Dass die Sammlungen der Universität, die er in der Kunsthalle vorgestellt hat, dauerhaft attraktiver und publikumswirksamer präsentiert werden können - „vielleicht im Rahmen eines neuen Konzepts für das Schloss und das Universitätsmuseum“- das wäre ihm wichtig.

von Heike Döhn

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