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Kunstfreunde pilgern in Ausstellungen

Nacht der Kunst Kunstfreunde pilgern in Ausstellungen

„Brandstellen“ in der Feuerwache, „Klangbausteine“ im Gefängnis oder „Kontemplative Foto­grafie“ im Meditationszentrum - die „Nacht der Kunst“ bot am Freitagabend wieder jede Menge Abwechslung.

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Im Kunstverein herrschte am Freitagabend ein ständiges Kommen und Gehen. Im Zelt vor der
Ausstellungshalle spielte eine Band der Jazzinitiative.Foto: Nadja Schwarzwäller

Marburg. „Guck mal, guck mal, da drüben stehen Engel!“ Ein kleines Mädchen deutet auf Menschen in weißen und goldenen Gewändern vor dem Gebäude des Archäologischen Seminars. Und auch wenn Kunst ja immer Interpretationssache ist - hier war doch eher „Antike“ das entscheidende Stichwort und die Verkleidung dazu gedacht, Passanten zu einem Besuch im Seminar zu animieren. Die Biegenstraße war mit großen Veranstaltungen rund um den Kunstverein und vor dem Kunstmuseum sowie mehreren weiteren Orten eine der „Kunstmeilen“ an diesem Abend.

Insgesamt 38 Anlaufstellen umfasste die diesjährige Liste der „Nacht der Kunst“. Neben Ateliers, Galerien und Ausstellungshäusern gehören alljährlich auch viele „Locations“ zum Programm, die normalerweise nichts mit Kunst zu tun haben - Geschäfte, Büros, Institutionen. Für viele Kunst-Fans liegt in der Mischung der besondere Reiz der Veranstaltung. Auch wenn die Besucher die Qual der Wahl haben: „Nie schaffen wir es, alles zu sehen, was uns interessiert“, lautete ein Stoß­seufzer, als es dunkel zu werden begann.

Vom „Güterbahnhof 12“ am Hauptbahnhof bis hinunter zu den Ateliers von Christine Dahrendorf und Jan Luke im Historischen Schwanhof verteilten sich die Orte in diesem Jahr. Viele Menschen in der Stadt waren entweder durch den Flyer oder die Zeitungsseite der Oberhessischen Presse eindeutig als „Nacht der Kunst“-Schwärmer zu erkennen. Vor allem bei den größeren Veranstaltungen in der Innenstadt herrschte zeitweise großer Andrang - und angesichts der herrschenden Schwüle wurden so einige Flyer zum Luft-Zufächeln zweckentfremdet.

Apropos Hitze. Für ihre Ausstellung in der Hauptfeuerwache hatten sich die drei Künstlerinnen aus dem „Atelier Cölber Mühle“ passenderweise des Themas Feuer angenommen. Anderenorts waren „Little big people“, „Frauengeschichten“, „wieder-sehen“ oder „Lust auf Farbe“ das Motto. Viele Veranstalter boten neben der Kunst auch Live-Musik oder Kulinarisches. Das Zentrum für Meditation Shambala Marburg war zum ersten Mal mit dabei und präsentierte „Menschen im Jetzt“ ebenso wie japanisches Bogenschießen oder eine Auktion asiatischer Kunst.

Der Kunstverein, der die „Nacht der Kunst“ alljährlich organisiert, hatte wie gewohnt die „Blaue Linse“ mit einer Foto­mitmachaktion zu Gast, zum „Malen vor dem Kunstverein“ waren Besucher von der KunstWerkStatt eingeladen, und Martin Blankenhagen gastierte mit seiner Performance „Raub­bauten“.

Viele Einrichtungen beteiligen sich

Die Museen und Sammlungen der Universität hatten ihre Pforten ebenfalls geöffnet. Das Chemikum zeigte ein Mitmach-Labor - und einige Experimente sogar „open air“. In der Gerling-Sternwarte konnte man an Führungen teilnehmen. Und in den Masterateliers des Instituts für Bildende Kunst präsentierten die Studierenden ihre Jahresausstellung „Rundgang 2016“.

In der Universitätskirche hatte mit Gabi Erne „Die Farbe Grün“ Einzug gehalten - eine Einladung an die Besucher, Glaskacheln für die Kirche mitzugestalten, inklusive. Malerei und Fotografie zur „PopUpArtNight“ war in der Cavete zu sehen.

Insbesondere zu späterer Stunde lässt sich bei einem Bummel durch die „Nacht der Kunst“ eine ganz besondere Atmo­sphäre genießen. Nach Einbruch der Dunkelheit waren dann auch besonders viele Besucher unterwegs, um zum Beispiel die Musikperformance und das „Leben zwischen den Häusern“ vor Ursula Eskes Atelier in Zwischenhausen zu erleben.

Eine besondere Verbindung besteht indes zwischen der „Nacht der Kunst“ und der Galerie Schmalfuß. Vor 15 Jahren hatte nämlich Michael W. Schmalfuß just zur ersten Auflage auch die erste Ausstellung in seinen Räumen im Steinweg organisiert. Er zeigte Neon­skulpturen von Benjamin Schubert, bevor die Galerie drei Monate später offiziell eröffnet wurde. Vor fünf Jahren eröffnete Schmalfuß eine zweite Galerie in Berlin. Sein Marburger Jubiläum wurde nun mit der „Nacht der Kunst“ und der Vernissage einer ersten Gruppenausstellung gefeiert. Eine zweite folgt am 13. August.

von Nadja Schwarzwäller

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