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Kleine Materialkunde mit viel Witz

„Knotenkopfhäkelmützenträger“ Kleine Materialkunde mit viel Witz

Nach der geradezu überbordenden Fülle der Foto-Ausstellung „On Stage“ wird der Kunstverein von Gisela Kleinlein geradezu spartanisch bespielt. Zu sehen sind unter anderem ihre „Knotenkopfhäkelmützenträger“.

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Gisela Kleinlein steht neben ihren Basketballkörben mit einem gehäkelten Endlosschlauch.

Quelle: Uwe Badouin

Marburg. „Ohne Titel“ ist der häufigste Titel der oft skurrilen Objekte oder Skulpturen von Gisela Kleinlein. Sie will dem Betrachter nichts vorgeben, der soll seine eigenen Geschichten zu ihren Arbeiten erfinden. Geschichten, die im nichts enden können, wie der Versuch einen Basketball in ihre eigens für den Marburger Kunstverein angefertigten Basketballkörbe zu werfen.

Nur wenige Arbeiten tragen Titel wie ihre „Knotenkopfhäkelmützenträger“ – und der Name trifft ins Ziel. Aber wie 
sehen „Knotenkopfhäkelmützenträger“ aus? Wie der Name schon sagt: Es sind Knotenköpfe, die Häkelmützen tragen. Auch 
dazu mag dem ein oder anderen eine Geschichte einfallen.

Giesela Kleinlein lebt in Berlin und lehrt an der Universität Wuppertal plastisches Gestalten im Studiengang Industrial Design. Ein wenig wie am berühmten Bauhaus sei es dort, erzählt sie. Bevor die Studenten Objekte und Maschinen designen, lernten sie bei ihr den „Humus“ kennen. Die freie Kunst. Sie können sich dort austoben mit Materialien unterschiedlichster Art.

„Ich schließe kein Material aus“

Da sind sie bei Gisela Kleinlein genau richtig. Die 1955 in Nürnberg geborene Künstlerin arbeitet mit Materialien aller Art. Mit Stein, mit Gips, mit reißfesten Kunststoff-Schnüren, mit Fußbodenbelägen, mit Gummi, Plastik, Silikon, Metall- und Kupferrohren, mitteldichten Faserplatten, Papier, Metalllack und Zwei-Komponenten-Acrylat. Letzteres sei ein teures Material, aber wetterfest und gut zu formen, sagt Gisela Kleinlein.

Ach ja, Federbälle darf man nicht vergessen, oder Tuba-Mundstücke. Sie nimmt alles, was greifbar ist. „Ich schließe kein Material aus“, sagte sie im Gespräch mit der OP. In Baumärkten dürfte sich die Kunstprofessorin wohl ähnlich gut zurechtfinden wie klassische Handwerker. Ein Gang mit ihr durch ihre Ausstellung ist auch eine kleine Reise in Materialkunde. Schon als Studentin an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg, wo sie Malerei studierte, habe es sie fast magisch in die Werkstätten gezogen. Später an der Kunstakademie Düsseldorf hat sie sich von der Malerei entfernt, wurde Bildhauerin – so nennt man das wohl, was sie macht.

Nur „haut“ sie keine „Bilder“. Sie steckt sie zusammen, verbindet ein wackliges Gipsrund mit einer Eisenstange, die sie mit Gispmasse übergießt zu einem Stehaufmännchen. Oder sie häkelt kilometerlange, knallrote, reißfeste Kunststoffschnüre, die Segler oder vielleicht Bergsteiger benutzen, zu einem langen strumpfartigen Schlauch, der kein Ende hat, weil beide Enden in Basketballkörben stecken.

„Kunst darf auch lustig sein“

Diese Baseketballkörbe und ein weiteres „Instrument“ im Erdgeschoss hat sie eigens für die Ausstellung in Marburg gemacht. Im vergangenen Sommer war sie zum ersten Mal in Marburg, hat sich den Kunstverein angesehen, der sie zu der Ausstellung eingeladen hatte. Und sie war „schwer beeindruckt“ von dem Ausstellungshaus. Es sei sehr museal.

Diesen Räumen wollte sie im Erdgeschoss etwas entgegensetzen: Die Basketballkörbe und das – nennen wir es – Instrument. Die Plastik hat natürlich keinen Titel. Sie besteht aus zwei parallelen Kupferrohren, in denen die bereits erwähnten Tuba-Mundstücke stecken. Wie ihr Basketballkorbstrumpfschlauch haben auch sie kein Ende. Einige Meter entfernt von den Mundstücken sind sie in einer Art Knoten verbunden. „Kunst darf auch lustig sein, man darf lachen“, sagt Gisela Kleinlein.

  • Die Ausstellung „Knotenkopfhäkelmützenträger und andere …“ wird diesen Freitag um 18 Uhr eröffnet. Sie ist bis zum 30. März zu sehen. Der Eintritt ist frei.

von Uwe Badouin

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Mal irritiert, mal schmunzelnd betrachten Besucher die plastischen Arbeiten von Gisela Kleinlein. Foto: Uwe Badouin

Normalerweise begrüßt Dr. Gerhard Pätzold bei Ausstellungseröffnungen als Vorsitzender freundlich die Gäste und die Künstler. Am Freitagabend bei der Vernissage der Ausstellung „Knotenkopfhäkelmützenträger und andere“ von Gisela Kleinlein war alles anders.

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