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Kunst trifft auf Naturwissenschaft

Ausstellung Kunst trifft auf Naturwissenschaft

Drei verschiedene künstlerische Positionen zu drei sehr abstrakten wissenschaftlichen Themen präsentiert die neue Aus­stellung „art@science“, die heute im Kunstverein eröffnet wird.

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Der Vorsitzende des Kunstvereins, Dr. Gerhard Pätzold (links), und der Kurator der Ausstellung,
Dr. Harald Kimpel, präsentieren eine Arbeit von Ulysses Belz. Foto: Heike Döhn

Marburg. Mit Wissenschaftsästhetik setzen sich die Marburgerin Ingrid Hermentin, Ulysses Belz aus Bad Arolsen und Norbert Pömpel aus Österreich auseinander. Kurator der Ausstellung im Kunstverein ist der Kasseler Kunstwissenschaftler Dr. Harald Kimpel.

„Eigentlich muss man viel über den wissenschaftlichen Hintergrund der Arbeiten wissen, um die Leistung der Künstler zu erkennen“, sagte Kimpel im Vorfeld der Vernissage. Deshalb erscheint zur Ausstellung auch im Marburger Jonas-Verlag ein Begleitband mit Aufsätzen zum Thema. Hochkomplex ist der Hintergrund der sehr hermetischen Arbeiten: „Die Arbeiten aller Künstler setzen sich mit moralisch-ethischen Hintergründen von Wissenschaft auseinander“, erläuterte Kimpel.

Synthetische Bilder

Ingrid Hermentin befasst sich mit Synthetischer Biologie, bei der durch Genmanipulation neue Lebewesen entstehen, die ihre Existenz der Tatsache verdanken, dass sie industriell genutzt werden können. Dafür nutzt sie am Computer erzeugte Bilder beispielsweise von genetischen Sequenzen. Die Computerausdrucke auf Folie - „Synthetische Bilder“ - werden bausteinartig zu größeren Komplexen zusammengesetzt.

Ulysses Belz befasst sich mit der Visualisierung mentaler Prozesse, das heißt, er bildet das ab, was in der Bewusstseins- und Hirnforschung eigentlich nicht abbildbar ist: Wie könnte das aussehen, was im Gehirn geschieht, wenn es eine bestimmte Wahrnehmung hat? Die teils eher monochromen, teils sehr farbigen Bilder in Öl tragen Titel wie „Beim Klingeln an der Tür“ oder „Plan B“, illustrieren diese Titel aber nicht direkt und tragen surreale Züge.

Norbert Pümpel beschäftigt sich mit dem Thema Quantenphysik, einem Bereich, der sich wohl den wenigsten Normalsterblichen erschließen dürfte. Seine neueren Arbeiten befassen sich mit einem Bild der Welt, das auf anderen Aggregatzuständen als den gewohnten beruht. Seine Bilderserie „Fleeting Memorials“ hingegen besteht aus Blättern aus chinesischem Reispapier, das mit farbigen Substanzen behandelt worden ist. Jedes von ihnen ist einem der sieben Milliarden Menschen auf der Erde zugeordnet, und jedes verändert sich im Laufe der Jahrzehnte, so wie auch das Individuum sich verändert - bis zur völligen Auslöschung des Kunstwerks nach etwa 100 Jahren.

„Alle drei Künstler versuchen, die behauptete Kluft zwischen Naturwissenschaft und Technik zu überwinden“, erläuterte der Kurator. Dabei stoßen sie durchaus auf Interesse seitens der Wissenschaft: Die Ausstellung ist unter anderem vom LOEWE-Zentrum für Synthetische Mikrobiologie (Synmikro) gesponsert worden, in dem Wissenschaftler der Philipps-Universität und des Max-Planck-Instituts für terrestrische Mikrobiologie die Grundlagen der Synthetischen Mikrobiologie erforschen. Sponsor ist sind auch die Pharmaunternehmen Sanofi und Roche.

Begleitende Vorträge

Am 7. November gibt es außerdem einen begleitenden wissenschaftlichen Vortragsabend: Prof. Dr. Mackillo Kira vom Fachbereich Physik der Philipps-Universität spricht über „Die Kunst der Quantenphysik“, Prof. Dr. Michael Bölker vom Fachbereich Biologie über „Synthetisches Leben zwischen Natur und Kunst“.

Jeden Samstag ab 16 Uhr gibt es zudem öffentliche Führungen, mit denen den Besuchern das komplexe Thema nähergebracht werden soll.

Die Vernissage von „art@science“ beginnt heute um 18 Uhr. Die Einführung gibt Dr. Harald Kimpel. Die Ausstellung ist anschließend bis zum 11. Dezember zu sehen.

Drei verschiedene künstlerische Positionen zu drei sehr abstrakten wissenschaftlichen Themen präsentiert die neue Aus­stellung „art@science“, die heute im Kunstverein eröffnet wird.

Von Heike Döhn

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