Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
Kunst lockt Menschen in die Stadt

16. Marburger Nacht der Kunst Kunst lockt Menschen in die Stadt

Marburg lädt zur „Nacht der Kunst“, und alles ist geboten: ein Gewölbe voller Kassetten-Bänder und ein Kleid aus Feuerwehrschläuchen, Malerei und Fotografie, klassische und ungewöhnliche Veranstaltungsorte.

Voriger Artikel
Volle Galerien bei der „Nacht der Kunst“
Nächster Artikel
Schüler meistern bewegendes Stück

Matthias Schüßler zeigt im Begegnungszentrum „Con:Text“ faszinierende Porträts von psychisch kranken Menschen.Fotos: Nadja Schwarzwäller

Marburg. Freitagabend, kurz nach sechs, Güterbahnhof 12. In der nördlichsten Location der 16. Marburger „Nacht der Kunst“ ist noch nicht viel los, und die Gäste können sich Zeit nehmen, die Kunstwerke von Elisabeth Sabo und Manfred Doering zwischen Möbeln und Wohnaccessoires auszumachen. Und das ist nicht der einzige ungewöhnliche Ort, an dem man in dieser Nacht Kunst entdecken kann – genau das ist das Konzept der Veranstaltung.

Neben Ateliers, Museen und Galerien gehören eben auch Geschäfte und Büroräume, Kirchen oder die Feuerwache zu den Ausstellungsorten. Von denen gab es in diesem Jahr insgesamt 40, verteilt über die Innenstadt bis hinunter zu den Ateliergemeinschaften im historischen Schwanhof.

Ab durch die Nordstadt ins Atelier „Zwischen den Häusern“. Das ist kurz vor der Vernissage der Ausstellung der drei Künstlerinnen aus dem „Atelier Cölber Mühle“ weder zu übersehen noch zu überhören: Jede Menge Menschen und eine Band sorgen schon für Stimmung. Nur ein paar Schritte hinunter in den Gewölbekeller, zu einer beeindruckenden Installation aus Kassetten-Bändern. Dort ist die Geräuschkulisse gedämpft und die Temperatur angenehm kühl. Derselbe Effekt wenige Häuser weiter am Fuße des Steinwegs in der Galerie Schmalfuss. Dort sind unter anderem Arbeiten des Künstlerkollektivs „3Steps“ aus Gießen zu sehen. Und im Dunkel des Kellers Leuchtboxen von Bettina Schünemann.

Die Boxen waren eigentlich einmal Siebdruckkästen. Jetzt erzählen sie von „Places“, von Orten. Die Künstlerin verbindet dabei den „analogen Blick“ eines Menschen mit dem „Satellitenblick“ unserer Zeit, repräsentiert durch altes Kartenmaterial. Weiter den Steinweg hinauf sind in der „Cavete“ Marburger Künstler zur „PopUpArtNight“ versammelt, dazu spielt die Jazzinitiative.

In „Ruken’s Galerie“ laufen die Vorbereitungen für die Eröffnung der neuen Ausstellung „Menschen“, ein paar Meter weiter weisen großformatige Fotografien den Weg ins Begegnungszentrum „Con:Text“. Matthias Schüßler, der in der Kinder- und Jugendpsychiatrie arbeitet, hat die Bewohner und Mitarbeiter einer Wohngruppe für psychisch Kranke fotografiert. „Gesicht zeigen“ heißt die Ausstellung, die nicht nur fantastische Porträts bietet, sondern auch ein bewusstes Zeichen setzen soll in einer Gesellschaft, in der Menschen oft noch Scham haben, sich zu einer psychischen Erkrankung zu bekennen. Auch hier dient ein Gewölbekeller, in dem Farn wächst und es von der Decke tropft, als Ausstellungsfläche und verleiht den Fotos besondere Intensität.

In der Untergasse stellt Randi Grundke in der Glaserei Werner aus, auf dem Gehweg bietet sie ein Mitmachprojekt an. „Rauchzeichen“ kommen aus der Hauptfeuerwache an der Mensa – allerdings lediglich thematisch. Ein Kurs des Instituts für Bildende Kunst hat sich künstlerisch mit der Feuerwehr auseinandergesetzt. Eines der Ergebnisse: ein Kleid aus alten Schläuchen. Und auf der anderen Seite der Stadtautobahn, am Ortenberg, präsentieren die Masterateliers des Instituts den jährlichen Rundgang. „Am liebsten würde man sich alles anschauen“, sagt eine Besucherin und macht ein Häkchen auf dem Flyer, „aber das ist ja gar nicht zu schaffen.“

Auf der Biegenstraße laden unterdessen stilecht gewandete Studierende zum Bestaunen der antiken Schätze des Archäologischen Seminars ein, nebenan wirbt das Kunstmuseum für seine Spendenkampagne und im KFZ wird der 75. Geburtstag von Peter Robert Keil mit einer Retrospektive gefeiert.

Der Kunstverein ist traditionell ein „Hauptknotenpunkt“ an zentraler Stelle. Viele Besucher nutzen die Gelegenheit, die aktuelle Ausstellung – die „Hessiale“ – zu sehen; die „Blaue Linse“ ist mit ihrer alljährlichen Foto-Mitmach-Aktion vertreten.

Um Fotografie geht es auch in der Volkshochschule, dort werden noch einmal die Ausstellungen der vierten Marburger Fototage gezeigt. Längst ist es dunkel geworden, und zurück in der Nordstadt ziehen Illumination und Musik viele Besucher noch einmal nach Zwischenhausen. Die Musiker Michael Sagmeister, Werner und Gerhard Eismann bespielen vor dem Atelier einen Trommelbaum. Menschen mit Weingläsern, eine laue Sommernacht, Gespräche. Sich treiben und inspirieren lassen. So macht Kunst Spaß.

von Nadja Schwarzwäller

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Hier finden sie die Kommentare und Meinungen der Redakteure zu lokalen und weltpolitischen Themen sowie Glossen und augenzwinkernde Beträge. mehr